Gekröpfter Nordanflug

Die grosse Mehrheit würde mehr Fluglärm im Aargau nicht akzeptieren

Ein Flugzeug beim Nordanflug

Ein Flugzeug beim Nordanflug

Wird der gekröpfte Nordanflug umgesetzt, könnten in Zukunft Flugzeuge Kloten über den Aargau anfliegen. Mehr Flugzeuge bedeuten automatisch mehr Fluglärm. Würden die Grossratskandidaten mehr Lärm in Kauf nehmen?

Es ist ein Politikum, das derzeit intensiv diskutiert wird: Der Fluglärm-Staatsvertrag. Wird eine der vorgeschlagenen Varianten zum gekröpften Nordanflug umgesetzt, betrifft es auch den Aargau.

Das Thema beschäftigt auch die Aargauer Grossratskandidaten. Auf die Frage «Würden Sie einem gekröpften Nordanflug auf den Flughafen Zürich-Kloten zustimmen, auch wenn dies mehr Fluglärm für Aargauer Gemeinden bedeuten würde?» antworten 70 Prozent der 833 Grossratskandidaten, die sich in der «Smartvote-Umfrage damit auseinandergesetzt haben, mit Nein und Eher Nein. Die restlichen 30 Prozent würden mehr Fluglärm in Kauf nehmen (siehe Kasten für Auswertung nach Partei).

Besonders gross ist die Ablehnung im Bezirk Zurzach. Alleine 74 Prozent der Zurzacher Grossratskandidaten sagen deutlich Nein, zusätzliche 15 Prozent Eher Nein.

Flughafen für alle

Dass die Nachbarn des Kantons Zürich den Mehrlärm schlucken müssen, könne nicht sein, meint Marcel Notter (CVP Aarau). Andere Kandidaten für den Grossen Rat stützen hingegen die Ansicht, dass der Lärm gerecht verteilt werden soll. Es sei «unpopulär» die Mehrbelastung zu akzeptieren, sagt etwa BDPler Christian Haschka. «Aber wir alle benützen den Flughafen, und die Höhe der Flugzeuge im Anflug lassen den Lärm auf ein akzeptierbares Niveau sinken», so der Oftringer.

Diese Meinung vertritt auch Ralph Hanselmann (EVP Lenzburg): «Der Luftverkehr von und nach Zürich ist wesentlich für unser Land. Damit ist auch klar, dass wir mit einem gewissen Fluglärm leben müssen.»

Für Nicole Erika Schibli von der FDP Baden ist der Fluglärm gar nicht so schlimm. «Da verursacht so manche Hauptstrasse mehr Krach.»

Sicherheitsproblem ist grösser

Der Lärm scheint nicht bei allen Grossratskandidaten und -kandidatinnen das wichtigste Kriterium zu sein, dem gekröpften Nordanflug zuzustimmen - oder ihn abzulehnen. Für David Stutz von der CVP Bremgarten stehen beim gekröpften Nordanflug Sicherheitsprobleme im Vordergrund. «Das Flugzeug muss kurz vor der Landung eine Kurve fliegen, was für den Piloten schwierig und auch gefährlich ist.»

Und damit ist er nicht der Einzige. Die Worte «sehr gefährlich» werden von einigen Grossratskandidaten in den Mund genommen. «Da der gekröpfte Nordanflug nicht als absolut sicher gilt, ist er zu vermeiden», so Martin Egloff (FDP Baden).

Viele Grossräte bringen auch die Kernkraftwerke Beznau (in Döttingen) und Leibstadt oder das Zwischenlager für radioaktive Abfälle in Würenlingen ins Spiel. Das Risiko bei einem Flugzeugabsturz sei zu gross, meint etwa Martin Huber (FDP Baden).

BDP-Grossratskandidat Fritz Stauber aus Seengen schaut derweil bereits in die Zukunft und hofft darauf, dass es bald neue Flugzeuge auf dem Markt gibt. Solche, die «weniger Geräusch erzeugen und weniger Treibstoff verbrauchen». (ldu)

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