Flurnamen-Serie

Die Geschichte vom goldenen Käfer

Der Käfergrund in Aarau erinnert auch an die Maikäferjagd.

Der Käfergrund in Aarau erinnert auch an die Maikäferjagd.

Das Käferloch in Aarau hat nichts mit einem Loch zu tun, der Käfergrund aber sehr wohl mit Maikäfern.

Es war einmal ein weitläufiger Wald im Süden von Aarau, östlich des Distelbergs, namens Gönhard. In diesem Wald hauste einst ein goldener Käfer. Davon zeugt der längst vergangene Flurname Käferloch. Dieser Käfer hatte zwei grosse Kopfklammern, mit denen er in klaren Vollmondnächten nach Goldstücken im Boden grub, von denen er sich zu ernähren pflegte, um seinen goldenen Schimmer zu kräftigen. Wer ihm unverhofft in die Quere kam, wurde mit Steinen, aber auch mit Goldstücken beworfen. Manch ein Unentwegter wurde von den steinernen und metallenen Geschossen getroffen und erlag gar seinen Verletzungen. Nur einem tapferen Männlein aus dem Binzenhof gelang es mit einer List, dass der Käfer die schönsten und funkelndsten Goldstücke nach ihm warf, ohne ihn aber zu treffen. Sie landeten alle in der Goldern. Darum heisst es dort noch heute so.

Jetzt mal ehrlich: Diese Antwort auf die Frage nach der Bedeutung der Aarauer Flurnamen Käfergrund und Goldern, heute als Goldernquartier bekannt, würden mir weder Anna Hunziker noch Eugen Wehrli je glauben. Aber wenn es schon nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden.

Wo die Käfer wohnen

Nebst dem Strassennamen Käfergrund gab es südöstlich der Strasse im Wald ein Flurstück namens Käferloch, das auf der historischen Siegfriedkarte aus dem Jahr 1888 ersichtlich ist. Im selben Wald, unweit davon entfernt, liegt heute ein Flurstück namens Chäberholz. Dieser Name ist hingegen nicht auf historischen Karten vermerkt. Dies lässt darauf schliessen, dass beide Namen in einem direkten Zusammenhang stehen. Hierzu erklärt das Schweizerdeutsche Wörterbuch Idiotikon: Im Aargau wird das Insekt Käfer als Chäber ausgesprochen. «Loch» in Käferloch dürfte jedoch nicht im Sinn einer Vertiefung oder Senke, sondern als lautliche Fehlentwicklung aus dem mittelhochdeutschen Wort «lo» für «Wald» zu verstehen sein. Und weil weder «lo» verstanden noch «Loch» als sinnstiftend empfunden wurde, so wandelte sich der Name im täglichen Gebrauch von Käferloch zu Chäberholz, weil «Holz» ebenfalls ein älteres schweizerdeutsches Wort für «Wald» ist. Käferloch oder auch Chäberholz sind demzufolge zu deuten als «der Wald, in dem markant viele Käfer leben».

Doch bleiben wir präzise: Chäberholz ist nicht Käfergrund. Vor gut einem Jahr erinnerte sich Heidi Wehrli in der Aargauer Zeitung an ihre Jugend nach dem Zweiten Weltkrieg, als sie zusammen mit vielen anderen Jugendlichen auf Maikäferjagd gingen. In den Jahren vor und nach dem Krieg berichten Chroniken von regelrechten Maikäferplagen. Im Boden abgelegte Larven, die Engerlinge, frassen sich erbarmungslos durch die Kulturen und zerstörten schweizweit grosse Erntebestände. Dagegen musste etwas unternommen werden: Ganze Schulklassen zogen los und zu abertausenden wurden die Käfer ab den Bäumen und Büschen geschlagen, in Waschzubern gesotten und anschliessend in Gruben im lehmigen Erdreich vergraben und zugedeckt. Und wo wurden diese Käfer wohl verlocht?

Meistgesehen

Artboard 1