Hilfikon
Die geplante Notlandeübung wurde plötzlich zum Ernstfall

Es sollte eigentlich nur eine Übung werden, doch weil er plötzlich ausfiel machte der Motor aus dem Test Realität. Das Flugzeug, das ungeplant zu Boden ging, ist ein Oldtimer mit spannender Geschichte.

Toni Widmer
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Das Flugzeug, das plötzlich notlanden musste.

Das Flugzeug, das plötzlich notlanden musste.

Die Notlandung in Hilfikon vom letzten Dienstag hat nicht nur deshalb für Gesprächsstoff gesorgt, weil der Pilot die Maschine exakt dort aufsetzte, wo Schlossherr Hermann Nabholz 1923 den schweizweit ersten Privatflugplatz eingerichtet hatte. Auch die Umstände des Vorfalls sind speziell, wie die Schweizerische Unfalluntersuchungsstelle (SUST) in ihrem Vorbericht festhält. Ein solcher Vorbericht enthält jeweils eine kurze und provisorische Orientierung über den Hergang eines Flugunfalls, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Schlussfolgerungen. Bis die Unfallursache definitiv geklärt ist, wird noch einige Zeit vergehen.

Eine Notlandung simuliert

Die Piper J3C war am frühen Nachmittag auf dem Flugplatz Birrfeld gestartet. An Bord des Oldtimers befanden sich ein 67-jähriger Fluglehrer und sein 51-jähriger Flugschüler. Über dem grossen freien Feld zwischen Hilfikon und Büttikon war laut SUST eine Notlandung angesagt.

Bei einer solchen Übung, so hat die az erfahren, stellt der Fluglehrer den Antrieb jeweils ohne Vorwarnung auf Leerlauf. Der Flugschüler muss nun die Maschine so stabilisieren, dass sie in einen sicheren Segelflug übergeht, dann muss er eine mögliche Landestelle finden und diese anfliegen. Kurz vor einer möglichen Landung wird durchgestartet.

In Hilfikon stellte offenbar aus bisher noch nicht bekannten Gründen rund 10 Sekunden nach diesem Durchstarten der Motor der Maschine ab. Aus der angesagten Übung wurde ein Ernstfall und den haben Fluglehrer und -schüler mit Bravour gemeistert. Sie selber kamen mit dem Schrecken davon, die Piper J-3 ist zwar beschädigt worden, kann aber wohl bald wieder fliegen.

Notlandungen sind Bestandteil einer jeden Flugausbildung und werden auch von erfahrenen Piloten immer wieder trainiert. Dabei bleibe man bewusst nicht nur in Flugplatznähe, wie Max Riner, der Präsident des Aero-Clubs Aargau erklärt: «Jeder Flugschüler und jeder Pilot muss in der Lage sein, ein Flugzeug im Notfall möglichst ohne Schaden für Passagiere und Maschine zu Boden zu bringen. Geübt wird das zuerst auf einem Flugplatz, später aber auch ausserhalb. Der Flugschüler muss lernen, das Gelände richtig einzuschätzen und geeignete Plätze für eine mögliche Notlandung zu finden.»

Notlandungen kommen vor

Notlandungen, so Riner weiter, seien nicht alltäglich, kämen aber halt doch ab und zu vor. Ursache dafür seien weniger technische Pannen, die heute äusserst selten vorkämen. Eine Notlandung könne beispielsweise auch nach einer Kollision mit einem Vogel (einem sogenannten Vogelschlag) oder aus Sicherheitsüberlegungen nötig sein: «Wenn die Sicherheit der Passagiere nicht mehr gewährleistet ist, beispielsweise bei starken Gewittern oder böigen Winden, kann es sein, dass sich ein Pilot zur Notlandung entschliesst.»

Die Gründe könnten auch medizinischer Art sein, etwa wenn ein Passagier sofort und nicht erst auf dem nächstgelegenen Flugplatz ärztliche Hilfe benötige, erläutert der Präsident des Aero-Clubs

Maschine aus Heuschober gerettet

Speziell sind nicht nur die Umstände der Notlandung am Dienstag, speziell ist auch die notgelandete Maschine mit Jahrgang 1944. Die Piper J3C mit dem Kennzeichen HB-OIA gehört der Fluggruppe Albatros und ist ein Grundschulflugzeug, von dem in den USA ab 1938 bis 1947 etwa 20000 Stück produziert worden sind. Es ist der erste von insgesamt vier Oldtimern, die von der Fluggruppe umfassend restauriert worden sind und liebevoll gepflegt werden.

Gegründet worden ist die Fluggruppe Albatros 1978, von 10 Lehrlingen der BBC Baden. Sie waren alle vom Flugvirus befallen und hatten lange nach einem bezahlbaren Oldtimer gesucht. Die Piper J3C (L-4 Grasshopper) entdeckten sie in einem Heuschober in Schwarzenburg und konnten sie für 6000 Franken erstehen. Nach einer umfassenden Sanierung konnte das damals 37-jährige Flugzeug im Frühling 1981 zu seinem zweiten Jungfernflug starten.

Der Fluggruppe Albatros, so geht aus deren Homepage hervor, hat die Piper auch den Namen gegeben, «weil dieser Vogel so tolle Landungen macht.» Die Fluggruppe ist seit ihrer Gründung auf über 25 Mitglieder angewachsen, mehrere davon sind Linienpiloten. Zwecksdes Vereins ist in erster Linie, ihre wunderschönen Oldtimer noch möglichst lange flugtüchtig zu erhalten.