Waldwirtschaft
Die Förster wollen Finanzdirektor Roland Brogli ans Portemonnaie

Kanton soll Waldleistungen und -schutz mit mindestens 25 Franken pro Person und Jahr abgelten. Das wird ihn 16 Millionen Franken kosten.

Mathias Küng
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Im Bild von links nach rechts: Die Hauptinitianten Oliver Frey, Vreni Friker und Komiteepräsident Urs Gsell.

Im Bild von links nach rechts: Die Hauptinitianten Oliver Frey, Vreni Friker und Komiteepräsident Urs Gsell.

Chris Iseli

Der Aargauer Wald ist nicht nur Holzlieferant, er dient auch immer mehr der Freizeitgestaltung. Die Menschen können dafür 4000 km Waldstrassen, rund 1000 Feuerstellen usw. nutzen. Die Mittel für diese Infrastruktur kamen bisher aus den Erträgen der Waldbewirtschaftung. Doch seit über 30 Jahren kennt der Holzpreis fast nur noch einen Weg – nach unten. Er hat sich seit 1980 halbiert.

Deshalb schlägt die Forstwirtschaft Alarm. Sie könne die gemeinwirtschaftlichen Leistungen im Wald nicht mehr finanzieren. Sie ist schon froh, wenn sie rote Zahlen verhindern kann. «Dass der Holzpreis praktisch nur noch den Weg nach unten kennt, ist deprimierend», sagte Oliver Frey, Präsident des Aargauischen Försterverbandes (AFV), an einer Medienkonferenz vom Montag in Hirschthal. Die Multifunktionalität des Waldes gebe es heute zum Nulltarif. Das soll ändern. Der AFV ist Initiator einer neuen kantonalen Volksinitiative.

Deren Ziel ist, dass der Kanton pro Kantonseinwohner künftig mindestens 25 Franken für Waldleistungen aufbringt. Laut Frey will man dafür nicht nur die vom Gesetz verlangten 3000 Unterschriften zusammenbringen, sondern möglichst zwei- oder gar dreimal so viel. Die Initianten sind auch überzeugt, das fürs Sammeln zur Verfügung stehende ganze Jahr nicht ausschöpfen zu müssen.

Friker: Keine Zutrittsgebühr

Der Wald sei auf dem fruchtbaren Boden im Aargau sehr produktiv, so Vreni Friker, Präsidentin des Aargauischen Waldwirtschaftsverbandes und SVP-Grossrätin: «Wenn es Sinn macht, Holz zu produzieren, dann ganz sicher im Kanton Aargau.» Der Wald sei eigentlich ein Holzproduktionsstandort, heute aber auch ein Freilichtsportzentrum. Es sei richtig, dass die Allgemeinheit gerade unter dem enormen wirtschaftlichen Druck im Wald die dort erbrachten gemeinwirtschaftlichen Leistungen mitfinanziert. Gemeint sei damit aber keinesfalls eine Art Eintrittsgebühr für den Wald.

Kanton soll 16 Millionen zahlen

Was aber wollen die Initianten? Bisher gebe es etwa 5 Millionen Franken jährlich für Waldleistungen, so Urs Gsell, Förster in Hirschthal und Präsident des Initiativkomitees. Mit der Initiative soll der Kanton verpflichtet werden, jährlich pro Kantonseinwohner mindestens 25 Franken aufzuwenden. Damit stiegen die Zahlungen um 11 auf rund 16 Millionen Franken. Eingesetzt werden sollen die Mittel neu auch für die nachhaltige Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, für Pflege im Schutzwald, für Leistungen für die Erholung im Wald. Neu sollen auch Beiträge an Holzförderung und für Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel fliessen können. Man wolle kein Giesskannenprinzip.

Gsell: «Grundlage sind die Vereinbarungen zwischen Kanton und dem Grundeigentümer.» Dank den zusätzlichen Mitteln könne man den Substanzabbau stoppen. Man lanciere die Initiative auch nicht etwa für sich selbst. Gsell: «Kein Förster bekommt deshalb auch nur einen Franken mehr Lohn. Das Geld ist für den Wald.»

Das Initiativkomitee ist breit abgestützt. Nebst mehreren Förstern und Vreni Friker gehören ihm weitere Grossräte an: Richard Plüss und Milly Stöckli (beide SVP), Martin Brügger (SP), Johannes Jenny (FDP), Ruedi Donat (CVP), Ralf Bucher (CVP, Geschäftsführer des Bauernverbandes Aargau) und Thomas Busslinger, Präsident des Verbandes Aargauischer Ortsbürgergemeinden. Unterstützung erfährt das Begehren gemäss den Initianten auch seitens der Gemeindeammänner-Vereinigung.