Fifa-Streit
Die Fifa und ihr Präsident polarisieren – auch bei Aargauer Nationalräten

Sepp Blatter – ein Freund und ein Feind im Aargau: Maximilian Reimann (SVP) kennt Sepp Blatter seit 40 Jahren und verteidigt den Fussballverband entschieden. Cédric Wermuth (SP) kritisiert die Fifa scharf und will sie wie ein Unternehmen besteuern.

Fabian Hägler
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Die zwei Kontrahenten im Rededuell: Maximilian Reimann (SVP, links) diskutiert im Nationalrat mit Cédric Wermuth (SP) über die Besteuerung der Fifa in der Schweiz.

Die zwei Kontrahenten im Rededuell: Maximilian Reimann (SVP, links) diskutiert im Nationalrat mit Cédric Wermuth (SP) über die Besteuerung der Fifa in der Schweiz.

Keystone/Peter Klaunzer

Dass sich ein deutscher Fernsehsender für Aargauer Politiker interessiert, kommt nur selten vor. Doch im Zusammenhang mit der Fifa kamen am Mittwoch gleich zwei Nationalräte in einem ARD-Dokumentarfilm zu Wort: Maximilian Reimann (SVP) und Cédric Wermuth (SP).

Für die Macher des Films ist der Fall klar: «Der rechtskonservative Parlamentarier Maximilian Reimann hält seit Jahrzehnten schützend die Hand über die Fifa, der er sich eng verbunden fühlt. Sie gehöre zur Schweiz wie die Alpen, sagt er, und mit Sepp Blatter verbinde ihn so etwas wie eine Freundschaft.»

Mit diesen Aussagen konfrontiert, sagt Reimann: «Ich habe Sepp Blatter in den 70er-Jahren kennen gelernt – damals war ich freier Mitarbeiter bei der Sportredaktion des Schweizer Fernsehens, er war Manager bei Longines und unter anderem für die Zeitmessung zuständig.» Natürlich habe diese lockere Bekanntschaft auch angehalten, als Blatter zuerst Generalsekretär und dann Präsident der Fifa wurde.

«Seither sahen wir uns vielleicht einmal pro Jahr», sagt Reimann. Der 73-jährige SVP-Politiker betont aber: «Ich stehe in keinem beruflichen oder gar politischen Verhältnis mit der Fifa oder mit Sepp Blatter.» Aus seiner Sicht könne es «doch nicht verboten sein, den Kontakt mit ihm weiter zu pflegen».

Reimann: Respekt für Blatter

Reimann, der selber in der Kritik steht, weil er deutlich über dem Rentenalter nochmals für den Nationalrat kandidiert, zeigt im Film seine Bewunderung für Blatter. «Wenn sich einer mit 79 Jahren traut, für vier weitere Jahre Fifa-Präsident zu sein, dann Hut ab vor diesem Mann. Dann ist er geistig wie physisch top.»
Im Film dankt Reimann der Fifa für ihre Grosszügigkeit.

Obwohl sie dies als gemeinnütziger Verein gar nicht müsste, bezahle sie in der Schweiz Steuern. 2014 waren es 36,2 Millionen Franken – dies bei einem Umsatz von 2,1 Milliarden Dollar. Vor rund zwei Monaten, am 20. März, befasste sich der Nationalrat mit der Frage, wie die Fifa besteuert werden soll. Dabei kam es zur Konfrontation zwischen Reimann und SP-Nationalrat Cédric Wermuth.

Wermuth: «Wie ein Jodlerklub»

Der junge Sozialdemokrat hielt angesichts der Milliardenumsätze des Fussballverbands fest: «Es ist für niemanden verständlich, warum die Fifa in der Schweiz den gleichen rechtlichen Status besitzt wie ein Jodlerklub aus dem Berner Oberland.» Wermuth setzte sich für eine Juso-Petition ein, die eine Besteuerung der Fifa als Unternehmen verlangt.

Reimann entgegnete: «Würde die Fifa als Grosskonzern besteuert, dann würde die reiche Schweiz vielleicht 200 oder 300 Millionen Franken erhalten. Wenn die Fifa weiter so besteuert wird wie heute, kann dieses Geld für die Ausschüttung an Länder und Fussballverbände in der Dritten Welt verwendet werden.»

Schliesslich wurde die Petition im Nationalrat mit 116 zu 67 Stimmen deutlich abgelehnt. Dies freut Reimann: «Ich weiss, dass die Fifa in vielen Ländern mit offenen Armen und einer Steuerbefreiung empfangen würde, wenn sie den Hauptsitz verlegen möchte.» Es gehöre zu den Standortqualitäten der Schweiz und spreche für die Attraktivität des Landes, dass so viele internationale Sportverbände ihren Sitz hier haben.

Ganz anders sieht dies Wermuth: «Die Fifa ist definitiv zum Standortproblem der Schweiz geworden.» Sie sei ein Grund dafür, dass die Schweiz international als Regulierungswüste und Ort gelte, «wo man unbehelligt dubiose Geschäfte machen kann».

Reimann hält hingegen fest: «Die Fifa zahlt als einziger der internationalen Sportverbände in der Schweiz Steuern.» Er habe nichts dagegen, wenn die Schweiz das aktuelle System für die Fifa auf die Besteuerung aller Verbände ausdehnen würde. Heute zahlt die Fifa wie jeder andere Verein 4,25 Prozent Bundessteuer und 4 Prozent Kantonssteuer auf den Reingewinn, dazu kommen 0,75 Promille auf das Eigenkapital.

Wermuth kündigt einen Vorstoss an, mit dem Ziel, die Fifa stärker zu besteuern. «Die Rechtskommission müsste klären, ob ein Multimilliardenkonzern wie die Fifa tatsächlich juristisch als Verein gelten kann», sagt er. Heute fühlt sich Wermuth bestärkt: «Ich gehe davon aus, dass die politische Unterstützung nach den jüngsten Vorfällen gewachsen ist.»

Wermuth: «Nichts gelernt»

Schon im Juni 2014 hatte der SP- Vertreter dem Bundesrat kritische Fragen zur Korruption bei der Fifa gestellt. Er wollte wissen, was die Skandale für die Reputation des Landes bedeuten und ob die Regierung bereit sei, «über explizite Sorgfaltspflichten für internationale Sportverbände nachzudenken». Bundesrat Ueli Maurer antwortete, man sehe derzeit keinen Anlass für konkrete Massnahmen und setze vielmehr auf die Selbstregulierung der Fifa.

Nach den Verhaftungen mehrerer Fussballfunktionäre am Mittwoch ist für Wermuth klar: «Offenbar haben der Verband und sein Präsident aus den vergangenen Skandalen nichts gelernt.» Es gebe keine wirkliche Aufarbeitung der Vergangenheit, und die Korruption wuchere weiter. Für Wermuth steht deshalb fest: Es braucht weiterhin Druck auf die Fifa.

«Die Schweiz als Sitzstaat muss dafür sorgen, dass der Verband bei der Vergabe seiner Anlässe gewisse Standards durchsetzt.» Korruption der Funktionäre sei das eine, «zugleichsterben in Katar Hunderte von Menschen beim Bau der WM-Stadien».

Reimann: «Abbild der Welt»

Reimann relativiert: «Natürlich ist es unschön, dass jetzt Fifa-Funktionäre in Zürich verhaftet worden sind, die unter Korruptionsverdacht stehen.» Bestechung und Vetternwirtschaft gebe es aber auf der ganzen Welt, die Fifa sei ein typisches Abbild davon. Die Aktion in Zürich zeigt für Reimann aber auch: «Wenn Beweise vorliegen, in diesem Fall von den US-Behörden, dann handelt die Schweiz – und das ist positiv.»

Nächste Woche befasst sich der Ständerat mit dem Korruptionsgesetz. Reimann sagt: «Grundsätzlich ist die geplante Verschärfung ein Zeichen, dass die Schweiz nichts unterlässt, um Korruption zu bekämpfen, was ich begrüsse.» Illusionen dürfe man sich aber nicht machen: «Auch mit schärferen Gesetzen kann die Schweiz die Bestechungsfälle in anderen Kontinenten und damit innerhalb der Fifa nicht verhindern.»

Wermuth hält fest: «Mit der Verschärfung würde die Schweiz nur mit anderen Ländern gleichziehen und eine Lücke schliessen.» Darüber hinaus wäre eine internationale Stelle zur Korruptionsbekämpfung nötig. Dennoch sei die Gesetzesverschärfung wichtig. «Offenbar gab es Bestechungsfälle bei den WM-Vergaben nach Russland und Katar, die in der Schweiz stattgefunden haben.» Wermuth sagt, es gebe eine extrem hohe Dunkelziffer bei Korruptionsfällen. Deshalb wäre eine neue Whistleblower-Regelung nötig. «Heute sind Personen, die Bestechungsfälle melden, schlecht geschützt.»

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