Wahlen 2019

Die EVP löst die BDP ab: Bernhard Guhl findets «bitter», Lilian Studer «unbeschreiblich»

Im BDP-Lager herrschte am Wahlsonntag Konsternation, während sich Listenpartnerin EVP über ihre neue Nationalrätin freuen durfte.

Die Rechnung im Vorfeld war einfach: Holt die EVP mehr Stimmen als die BDP, ist Bernhard Guhl draussen. Seinen Platz im Nationalrat übernimmt Lilian Studer. Oder in den Worten von EVP-Mann Uriel Seibert: «Eine Partei wird heute Abend traurig sein.»

Seibert, selber auf der Kandidatenliste, sagt das mit einem Lächeln. Als seine Partei um kurz vor 13.30 Uhr im Bullingerhaus in Aarau ihre Wahlfeier startet, ist die erste Hochrechnung eingetroffen. Früh zeichnet sich ab, dass man die langen Gesichter nicht aufseiten der EVP finden wird.

Bernhard Guhl (BDP) abgewählt: «Damit haben wir nicht gerechnet»

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Für Studer gibts Blumen, für Guhl keinen Alkohol

Im «Meat’s», fünf Gehminuten vom Bullingerhaus entfernt, hat sich die BDP eingemietet. Drei Wahlplakate lehnen vernachlässigt an der Wand, Leute hat es kaum. Einer der einzigen im Raum ist Jean-Pierre Gallati. Der SVP-Regierungsratskandidat gönnt sich eine Pause im «Meat’s».

Im Grossratskeller nebenan habe es ihm gerade zu viele Politiker, scherzt er. Um 14.30 Uhr trudeln die BDPler ein. Jungkandidat Philippe Tschopp klappt den Laptop auf und übt sich in lauwarmen Durchhalteparolen: «Entschieden ist noch nichts. Wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken.» Abwarten ist das Motto. Die Kellner bringen Teller mit heissen Nachos.

Lilian Studer: «Das wird nicht mein Markenzeichen»

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Keine Nachos, aber Blumen bringen sie bei der EVP. Es ist kurz nach 15 Uhr, Uriel Seibert streckt beide Daumen nach oben: «Es kommt gut.» Eine Kandidatin der Jungen EVP denkt an Bernhard Guhl, den absehbaren Verlierer. Sie kenne ihn gut, sei mit ihm gemeinsam bei der Feuerwehr. «Für ihn tut es mir leid.»

Um halb fünf öffnet Bernhard Guhl die Glastür des «Meat’s». Er atmet tief durch, schüttelt jedem die Hand, schaut nochmals angestrengt in den Laptop. Doch Guhl weiss schon, was Sache ist: Nach acht Jahren ist er kein Nationalrat mehr. «Bitter, bitter» entfährt es ihm. Es herrscht Stille, niemand mag gerade wirklich reden. Er habe alles gegeben, sagt Guhl. «Jetzt bin ich auf dem Boden der Realität gelandet.»

Die EVP ist neu für den Aargau im Nationalrat – für Lilian Studer gab es von den Parteikollegen im Bullingerhaus in Aarau Standing Ovations

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Nach dem langen Tag hat er Hunger, doch die Nachos sind alle. Auch den einen Drink zu viel gegen den Frust wird es nicht geben. Er gehe morgen Blut spenden, sagt Guhl. Da verzichte er lieber auf Alkohol.

Im Bullingerhaus klirren derweil die Cüpli. Eine ältere Dame schickt eine Sprachnachricht nach Kanada: «Brigitte, mer hends gschafft. D Lilian isch Nationalrötin!» Um 17.37 Uhr betritt Lilian Studer den Saal. Von den Anwesenden gibt es stehende Ovationen, von der frischgebackenen Frau Nationalrätin warme Worte: «Es ist einfach unbeschreiblich. Alleine hätte ich das nie geschafft», sagt sie gerührt. Dann muss sie gehen, der nächste Interviewtermin wartet. Für Lilian Studer ist das die neue Normalität.

Die Bilder vom Aargauer Wahlsonntag:

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