Trendgeschenke

Die Drohnen kreisen über dem Aargauer Christbaum

Ob Billigmodell für 40 Franken oder Luxusvariante für mehrere 100 Franken: Drohnen erobern die breite Bevölkerung. Fotolia

Ob Billigmodell für 40 Franken oder Luxusvariante für mehrere 100 Franken: Drohnen erobern die breite Bevölkerung. Fotolia

Es ist das Trendgeschenk schlechthin: Die Drohne. Im Aargau sind die Vorschriften für die Nutzung von Drohnen liberal, einige Dinge sind trotzdem zu beachten.

Die Königsdisziplin der Modellpiloten ist nach wie vor das Helikopterfliegen. In der Popularität wurden die schwierig zu steuernden Hubschrauber aber mittlerweile von den sogenannten Multikoptern, besser bekannt als Drohnen, abgelöst.

Geschätzte 20 000 dieser Propellermaschinen sind in der Schweiz bereits im Umlauf. «Tendenz steigend», heisst es beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl). Das Weihnachtsgeschäft dürfte die Zahl noch zusätzlich nach oben schrauben.

«Von allen fliegenden Objekten ist die Drohne derzeit sicher das meistverkaufte», sagt Thomas Hässig vom Hobby Shop Hässig in Wohlen. Auch der eine oder andere, der sich eigentlich für einen Helikopter interessiere, entscheide sich nach ein paar missglückten Flugversuchen im Helikoptersimulator erst einmal für eine Drohne.

«Die Fingermotorik eines Achtjähriger», schätzt Hässig, reicht für das Steuern einer Drohne bereits aus. Damit ist es allerdings noch nicht getan. Denn wer nicht nur seinen Weihnachtsbaum überfliegen will und sich in die freie Wildbahn wagt, sollte die Regeln des Bazl kennen.

Diese wurden im August verschärft: Im Umkreis von weniger als 100 Metern über dichten Menschenansammlungen dürfen Drohnen seither nur noch mit Bewilligung geflogen werden. Die Stadt Zürich ging noch einen Schritt weiter und verbot den Einsatz über öffentlichem Grund komplett.

Modelle immer raffinierter

Im Aargau gibt es keine derartigen Sonderregelungen und es seien auch keine geplant, heisst es beim Kanton. Wer Menschenansammlungen meidet, muss deshalb vor allem eine Regel befolgen: Sichtkontakt halten.

Während dies bei Standardmodellen sowieso selbstverständlich ist, landet man mit raffinierteren Modellen schnell in einer regulatorischen Grauzone. So drängen immer mehr Drohnen auf den Markt, die über eine Videobrille gesteuert werden können.

Der Pilot sieht also nicht die Drohne selbst, sondern die Bilder, welche die Drohnenkamera übermittelt. Der Hobby Shop Hässig hat diese sogenannten FPV-Drohnen vergangene Woche ins Sortiment aufgenommen, die billigste kostet 599 Franken.

Geflogen werden dürfen sie laut Bazl nur, wenn «ein zweiter Operateur den Flug überwacht und bei Bedarf jederzeit in die Steuerung des Fluggerätes eingreifen kann».

Drohne auf Verfolgungsjagd

So weit, so gut. Noch viel mehr Kopfzerbrechen bereitet der Regulierungsbehörde allerdings eine brandneue Entwicklung, die sogenannte «Follow me»-Drohne. Diese lässt sich mit einem Smartphone koppeln und folgt diesem dann in der vom Benutzer festgelegten Höhe.

Wer Lust darauf verspürt, kann also seinen Spaziergang filmisch festhalten – oder auch eine Abfahrt auf der Skipiste. Zumindest im zweiten Fall ist es wohl schwer möglich, die Drohne immer im Blick zu behalten.

Also «nicht erlaubt»? Bazl-Pressesprecher Urs Holderegger zögert. «Für uns als Regulator ist es im Moment nicht ganz einfach», sagt er schliesslich. «Wir wissen, dass es diese Modelle gibt, wir wissen aber nicht, wie sicher zum Beispiel die Programmierung ist.»

Für die Einschätzung des Bazl spielt auch die Grösse der Geräte eine Rolle. Die «Follow me»-Drohnen, die er bisher gesehen habe, seien relativ klein und das Gefahrenpotenzial dementsprechend gering, so Holderegger. Und sowieso: «Wir wollen nicht gleich alles verbieten, was neu kommt.»

Die Industrie müsse sich aber bewusst sein, dass die Unfallgefahr steige, wenn sie immer mehr solcher Gadgets auf den Markt bringe. Die Drohnenregulierung sei in der Schweiz heute sehr tief. «Aber es braucht nur ein paar Unfälle, dann kann sich das schnell ändern.»

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