Kantonspolizei Aargau

Die Dienstwaffe eines Polizisten ist immer geladen und schussbereit

Im Schiesskeller der Kantonspolizei Aargau üben die Polizisten den Ernstfall.

Im Schiesskeller der Kantonspolizei Aargau üben die Polizisten den Ernstfall.

Mitte März hat ein Polizist einen Autodieb durch einen Schuss in den Oberkörper verletzt. Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, erklärt, wie die Polizei den Umgang mit der Dienstwaffe übt, um im Ernstfall richtig zu entscheiden.

Grundsätzlich löse sich ein Schuss aus einer Dienstwaffe, wenn der Polizist auch schiessen will, sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei. Graser will sich dabei aber nicht auf den aktuellen Fall beziehen, wo ein Polizist einen Autodieb durch einen Schuss verletzte.

«Entsichert werden muss eine Dienstwaffe nie», sagt er weiter. Die Waffe sei immer geladen. Die Szene im Krimi, wo ein Polizist zuerst seine Waffe lädt, bevor er schiesst, sei Show-Effekt und nicht Realität.

Im Ernstfall gehe es um Sekundenbruchteile, darum müsse die Waffe immer einsatzbereit sein. «Wann das ist, wissen wir nie, das kann morgens um 10 Uhr oder mitten in der Nacht sein.» Ein Polizist müsse immer darauf gefasst sein. Bei kritischen Situationen nehme der Polizist die Waffe vorsichtshalber aus dem Holster in die Hand. «Das kann beispielsweise bei Verkehrskontrollen der Fall sein.»

«Im Ernstfall geht alles schnell»

Der Umgang mit der Schusswaffe wird immer wieder trainiert. Beispielsweise im Schiesskeller, wo der Polizist auf einer Videoleinwand auf verschiedene Situation richtig reagieren muss. «Im Ernstfall geht alles so schnell, dass der Instinkt und nicht der Verstand entscheidet», sagt Graser. Deshalb müssen solche Situationen durch Training in Fleisch und Blut übergegangen sein. Muss ein Polizist schiessen, sei das immer eine belastende Situation. «Da ist einerseits die Gewissheit jemanden verletzt zu haben und anderseits das Wissen um die das laufende Straf- und Disziplinarverfahren, das für den betroffenen Polizisten belastend ist», sagt Graser.

Im Aargauer Polizeigesetz ist geregelt, wann ein Polizist schiessen kann. Die Dienstwaffe gebrauchen darf er bei Notwehr, um eine Flucht zu oder eine schwere Straftat zu verhindern oder wenn die Person für Dritte gefährlich ist.

Seit dem Jahr 2000 kam es bei der Kantonspolizei Aargau nur in neun Fällen zum Gebrauch einer Schusswaffe. Sechsmal schossen sie auf Pneus, um eine Flucht zu verhindern. Dreimal schossen Polizisten aus Notwehr. Nicht eingeschlossen sind darin Fälle, wo die Dienstwaffe gebraucht wird, um beispielsweise ein angefahrenes Reh zu erlösen oder einen entlaufenen Stier zu erschiessen.

Durch Dienstwaffe verletzt

Am 16. März wurde in Boswil ein 27-jähriger Schweizer durch den Schuss aus einer Polizeiwaffe am Oberkörper verletzt. Er konnte das Spital bereits wieder verlassen. Der genaue Tathergang ist nach den Einvernahmen noch immer unklar, wie die Staatsanwaltschaft am Montagmorgen mitteilte.

«Wie gehen aktuell davon aus, dass es sich um keine absichtliche Schussabgabe gehandelt hat», sagt Elisabeth Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Vermutet wird zurzeit, dass sich der Schuss im Verlauf eines Handgemenges gelöst haben soll.

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