Aargau trifft Südbaden

Die Deutschen über uns: «Die Schweiz, das unbekannte Wesen»

Auf der Zollbrück kam es zur heftigen Auffahrkollision.

Bad Zurzach und die Rheinbrücke, welche die Schweiz mit Deutschland verbindet

Auf der Zollbrück kam es zur heftigen Auffahrkollision.

Bei der der gegenseitigen Betrachtung von Schweizern und Deutschen, findet sich das eine oder andere Klischee wieder.

Grenzgeschichten

Grenzgeschichten

So sehen wir die Schweizer: Lasst uns mal darüber reden! (vom Südkurier)

Martin Albers, Oberbürgermeister Waldshut-Tiengen: «Die Schweiz, das unbekannte Wesen. Viele von uns kennen die touristischen Ziele in den Alpen und im Mittelland und nutzen die Flughäfen Zürich und Basel mehr als Stuttgart oder Friedrichshafen. Aber nur wenige sind mit den kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten im Nachbarland vertraut. Das gilt für die Bevölkerung beiderseits der Grenze.

So kommt es immer wieder zu Fehleinschätzungen sei es beim Fluglärm, bei der Suche nach einem Tiefenlager für radioaktive Abfälle, bei der Elektrifizierung der Hochrheinstrecke oder bei Volksinitiativen wie zuletzt als es um die Begrenzung der Zuwanderung ging. Im Rückblick auf 20 Jahre sage ich aber: Unser Verhältnis zueinander ist zunehmend geprägt von der Überzeugung, dass wir aufeinander angewiesen sind.»

Klaus Eberhardt, Oberbürgermeister von Rheinfelden: «Für uns in Rheinfelden ist die Zusammenarbeit mit der schweizerischen Schwesterstadt eine Bereicherung. Wir betrachten die Grenzlage der Stadt als eine besondere Chance, mit der Möglichkeit zu einer gemeinsamen grenzüberschreitenden Entwicklung. Wir arbeiten mit den Schweizer Freunden bei vielen konkreten Projekten zusammen. Uns verbindet der gemeinsame Neujahrsempfang, Fasnachtsveranstaltungen, eine gemeinsame Stadtbuslinie, ein gemeinschaftlicher Bibliotheksausweis und ein grenzüberschreitendes Kulturmagazin.»

Ulrich Krieger, Bürgermeister von Laufenburg, einer Stadt, die 1802 in eine badische und eine schweizerische Hälfte geteilt wurde: «Wir identifizieren uns eng mit der Schweiz und die Schweizer sich mit uns. Der Stadtslogan sagt ja aus: ‹Zwei Länder – eine Stadt›. Das Verhältnis ist über Jahrhunderte gewachsen. Viele Laufenburger haben Freunde auf beiden Seiten. Vereine, wie die Narrenzunft, gibt es auf beiden Seiten. Ebenso arbeiten wir in vielen anderen Bereichen, beispielsweise bei der Kulturarbeit, grenzüberschreitend. Das ist toll und macht meine Arbeit als Bürgermeister besonders spannend.»

Manfred Weber, Bürgermeister von Küssaberg: «Wir pflegen ein sehr gutes Verhältnis zu Zurzach, Rietheim und Rekingen. Zu allen drei Gemeinden pflegen wir seit Jahrzehnten einen guten und offenen Austausch. Das Verhältnis ist so gut, dass wir auch über Probleme reden können. Es gibt einen jährlichen Austausch der Gemeinderäte. Auch haben wir mit Küssnacht am Rigi eine Partnerstadt. Die Belastungen durch den Fluglärm kann man nicht wegdiskutieren, aber wir können mit unseren Schweizer Freunden darüber reden. Was fehlt, ist eine neue Brücke beim Obi-Kreisel.»

So sehen wir die Deutschen: Man muss nicht, aber man will (von Lucas Zeugin)

Heidi Wanner, Gemeindeammann Koblenz: «Wir haben bei uns in Koblenz ein grenzübergreifendes Problem in Bezug auf den Verkehr und arbeiten dadurch eng mit den politischen und den Verwaltungsbehörden von Waldshut-Tiengen zusammen. Ich schätze sehr den Kontakt mit den deutschen Kollegen und wir sind bestrebt, gemeinsam konstruktive Lösungen zu finden. Dabei fällt besonders auf, dass die Wege in Deutschland länger sind, unter anderem bedingt durch das politische System und die Zuständigkeiten. Die direkte Demokratie ermöglicht uns ein schnelleres Umsetzen von Beschlüssen, was gerade auf Gemeindeebene auffällt.»

Herbert Weiss, Stadtammann Laufenburg: «Durch unsere gute Zusammenarbeit pflegen wir einen engen Kontakt zu den deutschen Nachbarn. Das Verhältnis ist von gegenseitiger Wertschätzung geprägt, auch wenn man gelegentlich den politischen Druck spürt, der von unseren Nachbarn ausgeht, der seine Grösse bisweilen auszuspielen versucht, wenn es um bevorstehende Wahlen geht. Unsere Region ist heute stark mit dem süddeutschen Raum verwachsen. Dadurch leben und arbeiten wir zusammen mit den Deutschen und sind aufeinander angewiesen.»

Franco Mazzi, Stadtammann Rheinfelden: «Die Zusammenarbeit über den Rhein mit unserer Partnerstadt Badisch-Rheinfelden ist unvergleichlich und funktioniert hervorragend. Beide wissen, dass man zwar nicht muss, aber will. Auch wenn wir manchmal unterschiedliche Herangehensweisen an gemeinsame Anliegen pflegen, ergeben sich aus der Kooperation keine Stolpersteine und im offenen Dialog kommt man zum überzeugenden Konsens.»

Viktor Hottinger, Künstler aus Rheinfelden: «Wenn ich die Brücke über den Rhein passiere, merke ich, dass hier ein anderes Volk lebt. Ich empfinde die Deutschen als sehr kommunikative Menschen. Sie sind nicht weltoffener als wir Schweizer, aber sehr mitteilsam. An Ausstellungen in Deutschland zeigen sich die Menschen interessiert an meiner Kunst, stellen Fragen und lassen sich die Werke erklären. Aber leider kaufen praktisch keine deutschen Privatkunden meine Kunst und so muss ich viele meiner Arbeiten wieder mit nach Hause nehmen.»

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