Gute Nachricht nach all den vielen Negativ-Schlagzeilen über die Sondermülldeponie Kölliken. «Mitte 2015 ist die Deponie leer, wenn es weiterhin so gut läuft», sagt SMDK-Geschäftsführer Benjamin U. Müller. Begründung: Die gute Tagesleistung liess sich auf durchschnittlich 500 Tonnen steigern, an Spitzentagen sind es über 1000 Tonnen. «Allein im letzten Jahr haben wir 105 000 Tonnen Material ausgebaggert», freut er sich über den guten Verlauf. Der Analyse durch das eigene Labor, Triage und Verpackung in Container folgte der Transport in die vorgegebene Entsorgung. Ein grosser Teil ging per Bahn nach Oberglatt, wo alles belastete Schüttgut in der modernen Anlage der Firma Eberhard vorbehandelt und aufgeteilt wird. Recycelbare Stoffe kommen zur Wiederverwertung, der restliche Abfall wird im In- und Ausland deponiert oder thermisch behandelt.

Leere Halle und Abschluss der Arbeiten sind in Kölliken zwei Paar Schuhe. 99 Prozent des Schadenpotenzials werden dann gemäss dem Auftrag entfernt und sachgerecht entsorgt sein. Aber da ist noch der Untergrund, ein relativ weicher Fels aus Sandstein, der im verseuchten Teil entfernt werden muss. «Bei durchschnittlich einem Meter Felsabbau gibt das 90 000 Kubikmeter», rechnet Müller vor. Grösstenteils könne dieses Material im Zementwerk verwendet werden, wo es als Ersatz für den Rohstoff willkommen ist. «Weil der Fels nicht homogen ist, kann die Belastung um den Faktor 100 variieren», gibt der Fachmann zu bedenken. In den Klüften werden die Giftstoffe tiefer versickert sein, in den tonigen Bereichen genügen einige Zentimeter Abbau. Um den Untergrund besser kennen zu lernen, werden im 10-Meter-Raster Proben genommen und im 30-Meter-Raster Bohrungen durchgeführt. Allein diese Abklärungen nehmen mindestens ein halbes Jahr Zeit in Anspruch, bevor ab 2016 der Felsabbau beginnen kann.

Es schüttelt unheimlich, als wir im gepanzerten Fahrzeug mit luftdicht abgeschlossener Kabine durch die Deponie tuckern. Das speziell angefertigte Raupenfahrzeug ist 26 Tonnen schwer. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 5 (fünf) Kilometer pro Stunde, aber der gepanzerte Koloss hat keine Federung. Am Steuer sitzt Benjamin U. Müller persönlich, er hat den speziellen Führerschein erworben und lenkt das Gefährt sicher durch die Deponieberge. Ganz im Westen befindet sich das «Lupfiger Loch», gefüllt mit einer Chemie-Altlast, die schon vor der eigentlichen Eröffnung im Mai 1978 eingelagert wurde.

Optisch präsentieren sich die Materialberge bei unserer Rundfahrt fast wie normales Erdreich. Weil aber die Fässer mit den Chemikalien wild auf der Deponie verteilt und früh durchgerostet sind, hat sich die Giftfracht überall verteilt. Das ist auch der Hauptgrund für die sehr hohen Sanierungskosten von rund 1000 Franken für jede Tonne über alles gerechnet. «Auch Fachleute staunen immer wieder, weil es aussieht wie eine Deponie von Hauskehricht», betont Müller. Es sind nicht nur Chemikalien eingelagert worden, sondern auch belastetes Erdreich, Kehrichtschlacke, Sonderabfälle und aller mögliche Dreck der Industriegesellschaft – der zuvor überall verscharrt wurde.

106 Felsanker sind am Nordrand gesetzt worden, damit der Hang stabil bleibt und nicht ins Rutschen kommt – wenn der Gegendruck durch die Deponie wegfällt. Jeder der 106 Anker geht 25 bis 30 Meter in die Tiefe und kann Lasten von 100 bis 300 Tonnen aufnehmen. Den nötigen Gegendruck gibt es erst wieder, wenn die ganze Grube gefüllt ist. Ja, das gehört auch noch zum Sanierungsprogramm! 400 000 Kubikmeter Material werden benötigt, um den ursprünglichen Geländezustand herzustellen. Ob das saubere Material aus dem Eppenbergtunnel, einem anderen Tunnel oder aus sonst einem Aushub kommt, ist noch offen. Jedenfalls wird es zwei bis drei Jahre dauern, bis das per Bahn angelieferte Material verfüllt ist.

«Eine Teilfüllung muss noch in der Halle erfolgen, denn sie muss stehen bleiben, bis es nicht mehr stinkt», erklärt Müller. Das in der eigenen Kläranlage gereinigte Sickerwasser sticht noch immer höchst unangenehm in die Nase.

Für eine Verwendung der Halle mangelt es nicht an gut gemeinten Ratschlägen, die von der Tennishalle bis zur Skiarena Mittelland reichen. Die grenzenlose Fantasie für neue Nutzungszwecke ist allerdings weit von der Realität entfernt. Denn die 2006 und 2007 für über 100 Millionen Franken gebaute Riesenhalle ist erstens nur auf eine Lebensdauer von rund 10 Jahren ausgelegt. Zweitens hat die Gemeinde die Zusage, dass sie wieder abgebrochen wird, wenn die Altlast aus Kölliken verschwunden ist. Vorerst ist sie noch nötig, um die Umwelt vor schädlichen Immissionen zu schützen. Am Anfang war die Sicht wegen der Feuchtigkeit schlecht, jetzt hat es beim Rückbau viel Staub in der Halle, der die Sicht deutlich trübt.

Das Gelände ist noch immer keiner Zone zugeordnet, denkbar wäre eine Landwirtschaftszone, weil diese ans Gebiet angrenzt. Aber es gibt auch dazu viele weitere Ideen.