Aargau
Die Bürgerlichen wollen sich den zusätzlichen Sitz im Nationalrat holen

Der neue FDP-Präsident Matthias Jauslin strebt eine bürgerliche Listenverbindung für die eidgenössischen Wahlen 2015 an: Er will damit die Zersplitterung der bürgerlichen Mitte aufhalten. SVP und CVP halten alle Türen offen.

Mathias Küng
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FDP-Präsident Matthias Jauslin, SVP-Präsident Thomas Burgherr, CVP-Präsident Markus Zemp.

FDP-Präsident Matthias Jauslin, SVP-Präsident Thomas Burgherr, CVP-Präsident Markus Zemp.

Aargauer Zeitung

Die eidgenössischen Wahlen 2015 nahen. Der Wunsch von FDP-Präsident Matthias Jauslin ist es, dass sich die drei traditionellen, grossen bürgerlichen Parteien FDP, SVP und CVP bei den Nationalratswahlen in einer grossen Listenverbindung präsentieren. Dies sagt Jauslin gegenüber der az.

Der neue FDP-Präsident appelliert an die beiden anderen Parteien, sich auf die gemeinsamen Grundwerte zu besinnen und zusammen dafür einzustehen, «damit das Land vorwärtskommt». Jauslin will damit auch der bei den letzten Wahlen ausgeprägten Zersplitterung in der politischen Mitte entgegentreten. Ziel müsse sein, so Jauslin, «den neuen 16. Aargauer Nationalratssitz ins bürgerliche Lager zu ziehen». Diesen erhält der Kanton aufgrund des starken Bevölkerungswachstums.

Bei Wahlen 2011 gab es drei Listenverbindungen

Bei den Nationalratswahlen 2011 wurden nach vielen Gesprächen drei Listenverbindungen vereinbart. Je eine Listengruppe bildeten Grüne, GLP und EVP, dann die SVP und die EDU sowie die CVP mit der BDP und der neu gegründeten SLB (Sozial Liberale Bewegung). Die beiden Traditionsparteien FDP und SP marschierten allein - ausser natürlich wie alle anderen in Unterlistenverbindungen mit ihren Jungparteien, und die SP zusätzlich mit den Gewerkschaften und den Second@splus.

Die SP hatte sich wie schon 2007 klar eine Listenverbindung mit den Grünen gewünscht. Diese strebten ursprünglich eine grosse Anti- AKW-Koalition an, die dann nicht zustande kam.

Der damalige FDP-Präsident Thierry Burkart hatte klargemacht, dass er sich nur eine gemeinsame Listenverbindung von FDP, SVP und CVP vorstellen könne. Das misslang. So marschierte die FDP allein, und der SVP blieb ausser der kleinen EDU auch kein anderer Partner übrig. SVP und FDP verteidigten ihre Sitze , für die CVP endeten die Wahlen mit zwei Sitzverlusten (von drei Sitzen) in einem Fiasko. (mku)

Jauslin: Absage an FDP-SVP

Könnte sich Jauslin auch eine Verbindung nur mit der SVP vorstellen, wie dies jüngst SVP-Schweiz-Präsident Toni Brunner gefordert hat? Jauslin schüttelt den Kopf: «Brunners Forderung nach einer schweizweiten Listenverbindung SVP-FDP kann ich nicht ernst nehmen, weil die Situation von Kanton zu Kanton verschieden ist. Und jede Kantonalpartei entscheidet für sich selbst. Zudem sind wir nicht der Seitenwagen der SVP.»

Flächendeckend wird es also keine solche Verbindung geben, aber eventuell im Aargau? Auch hier winkt Jauslin klar ab: «Einer reinen Listenverbindung FDP-SVP würde ich nicht zustimmen. Für viele FDP-Wähler und -Sympathisanten käme dies nämlich als Botschaft rüber, dass die FDP die rechtspopulistische Politik der SVP mittragen würde. Unsere Wählerschaft und ich wollen aber eine liberale Politik, geprägt von Gemeinsinn und Fortschritt.»

Umgekehrt wäre eine Listenverbindung allein mit der CVP wohl genauso wenig praktikabel, sagt Matthias Jauslin: «Es funktioniert nur, wenn alle drei zusammen dafür einstehen.» Bei den letzten Wahlen ist dies nicht gelungen. Auch der damalige FDP-Präsident Thierry Burkart hatte eine bürgerliche Listenverbindung angestrebt. Nachdem sich dies nicht realisieren liess, beschloss die FDP dann, 2011 allein in den Nationalratswahlkampf zu ziehen.

CVP: Eine mögliche Variante

Sehen es die anderen bürgerlichen Kräfte auch so wie Jauslin? Die CVP war 2011 mit der BDP zusammen eine Listenverbindung eingegangen. CVP-Präsident Markus Zemp verweist wie Jauslin auf gemeinsame Gespräche in guter Atmosphäre. Man arbeite gut zusammen. Und ja, die CVP strebe eine Listenverbindung an, bestätigt Zemp. So, wie von Jauslin vorgeschlagen? Da hält sich die CVP noch mehr als eine Türe offen. Markus Zemp: «Das ist für mich eine von mehreren möglichen Varianten.»

SVP am liebsten mit der FDP

SVP-Präsident Thomas Burgherr teilt natürlich Jauslins Ziel, dass der 16. Nationalratssitz, den der Aargau 2015 erstmals zugute hat, bürgerlich sein müsse. Er macht gegenüber der az allerdings keinen Hehl daraus, dass seine Partei am liebsten (wie schon vier Jahre zuvor) einfach mit der FDP eine Listenverbindung eingehen würde. Burgherr erinnert sich gut daran, dass die CVP letztes Jahr die Regierungsratskandidatur der SVP nicht unterstützen wollte.

«Doch jetzt werden die Karten neu gemischt», sagt Burgherr. Auch für ihn ist eine Dreier-Listenverbindung «eine mögliche Variante». Doch für den Präsidenten der deutlich grössten Partei im Kanton Aargau ist ebenso klar: «Zuerst müsste man dann, obwohl eine Listenverbindung ein reiner Selbstzweck ist, über Inhalte reden.»