Neu-Blechburg
«Die Burg lebt»: Schlosswart berichtet von seinen Erfahrungen mit der Geisterwelt

Seit 15 Jahren ist Patrick Jakob schon Schlosswart der Neu-Bechburg. Nun erzählt er von seinen Erfahrungen mit der Geisterwelt.

Merken
Drucken
Teilen
2 Kopie von Auf Geisterjagd im Oensinger Schloss Neu Bechburg
25 Bilder
Das ist Anita Voser, Geisterjägerin und Vorstandsmitglied des Vereins Ghosthunters Schweiz.
Hier ihr Kollege Tom Frei, Geisterjäger und Präsident des Vereins Ghosthunters Schweiz.
Im Wehrturm des Schlosses Nach einer kurzen Lagebesprechung machen sich die Geisterjäger zusammen mit Schlosswart Patrick Jakob auf in den Wehrturm der Burg.
Im Wehrturm des Schlosses Hinter dieser Mauer soll Raubritter Kuoni in einer kleinen Kammer zu Tode gekommen sein – historisch belegt ist das jedoch nicht.
Im Wehrturm des Schlosses Tom Frei inspiziert die Mauer. Doch genau wie seine Kollegin Anita Voser spürt der Geisterjäger keine paranormalen Energien. Da Voser aber im unteren Stockwerk etwas wahrgenommen hat, schreiben wir Kuoni ab.
Ghosthunter-Equipment Frei und Voser sind professionell ausgerüstet. In den Koffern transportieren sie allerlei Gerätschaften, mit denen die Kontaktaufnahme beziehungsweise das Aufspüren von Geistern erleichtert wird. Hier sind sie auf dem Rückweg in das zweite Geschoss der Burg – dort hat Anita Voser die Anwesenheit eines Geistwesens gespürt.
Ein junger Mann im Nachthemd Vor der Kaplanstube halten wir an. Die Geisterjägerin Anita Voser erzählt hier von einem Geist, der momentan direkt rechts neben ihr stehe. Es sei ein junger Mann mit zarter Haut, der ein Nachthemd trägt.
Tom Frei macht sich für den Einsatz parat
Ghosthunter-Equipment "In dieser Flasche ist ein Band mit einer Glocke befestigt", erklärt Frei. Die Flasche stelle man in einem Raum auf, in dem man Spuk vermutet. "Das Glöckchen hat keinen Kontakt zur Flaschenwand. Doch ein Geistwesen kann es zum Klingeln bringen", so der Geisterjäger.
Ghosthunter-Equipment Diese Kamera projiziert kleine Laserpunkte auf eine Wand und filmt gleichzeitig. Die Geisterjäger nennen das Gerät "Ghostlaser".
Ghosthunter-Equipment "Wir verwenden den Ghostlaser um eine Wand oder einen Gang damit auszuleuchten, stellen dazu noch eine Kamera auf und fertig ist eine passive Überwachung", so Geisterjäger Frei. "Geht jetzt ein Geistwesen durch das Laser-Streufeld, sieht man dies danach auf den Aufnahmen der Kamera."
Ghosthunter-Equipment Die Flasche wird auf einem Tisch in der Studierstube platziert.
Ghosthunter-Equipment Rechts neben der Flasche liegt das so genannte "Ghostmeter Pro". Dieses sei ein Gerät, das Elekromagnetfelder misst. "Es unterscheidet zwischen jungen und alten Geistern. Dazu kommt ein Kommunikationsmodus, bei dem es möglich ist, mit dem Geistwesen zu sprechen", erklärt Tom Frei.
Ghosthunter-Praxis Der Geisterjäger Tom Frei macht sich ständig Notizen und dokumentiert zum Beispiel die Temperatur in den Räumen.
Ghosthunter-Praxis Geisterjägerin Anita Frei fotografiert jeden Raum mehrmals um mögliche Spuk-Phänomene auch bildlich festzuhalten. "Ausserdem mache ich Referenzbilder", erklärt sie. «Damit wir später Veränderungen besser feststellen können.» Denn manchmal würden die Geister Gegenstände verschieben und auch an merkwürdigen Schatten könne man die Wesen aus der anderen Welt identifizieren.
Geist Gottlieb in der Kaplanstube In der Kaplanstube der Burg wollen Voser und Frei probieren, mit einem Geist zu kommunizieren.
Geist Gottlieb in der Kaplanstube Dafür stellen sie einen "Rem Pod" auf. "Ein Rem-Pod erzeugt ein eigenes Elektromagnetfeld und gibt einen Alarm aus, wenn dieses Feld gestört wird. Dadurch lässt sich feststellen, ob sich in der Umgebung des Rem-Pods Geister aufhalten", sagt Ghosthunter Frei.
Geist Gottlieb in der Kaplanstube Der Rem-Pod fällt zwischen den altertümlichen und antiken Gegenständen der Kaplanstube besonders auf.
Geist Gottlieb in der Kaplanstube Das Licht wird ausgeschaltet. Tom Frei startet jetzt den ersten Versuch, mit dem Geist Kontakt aufzunehmen.
Geist Gottlieb in der Kaplanstube Tom Frei schaltet zwei Aufnahmegeräte ein. Dann stellt er dem Geist Fragen und lässt ihm Zeit, diese zu beantworten. Beim Abhören des Bandes ist tatsächlich ein seltsames Geräusch vernehmbar – ein Stöhnen, dass die Geisterjäger aber nicht richtig einordnen können.
Geist Gottlieb in der Kaplanstube Mithilfe der "Spirit Box" soll Anita Voser nun mit dem Geist kommunizieren. Ghosthunter Tom Frei erklärt: "Die Spirit Box scannt einen bestimmten oder den gesamten Radio-Frequenzbereich, so als ob man bei einem Radio sehr schnell alle Frequenzen durchläuft." Voser höre nur Rauschen, doch der Geist kann die Frequenz nutzen, um sich mitzuteilen. Und das tut er dann auch...
Geist Gottlieb in der Kaplanstube Über die "Spirit Box" erzählt der Geist unter anderem, dass er Gottlieb heisse, 22 Jahre alt sei und starb, weil er "von den Bergen gestossen" wurde. Anita Voser hört die Worte Gottliebs durch ihre Kopfhörer und gibt diese dann weiter.
Geister haben einen freien Willen Nachdem Gottlieb keine Lust mehr hatte, mit Anita Voser zu kommunizieren, machen sich die beiden Geisterjäger auf, die anderen Räume der Burg nach paranormalen Aktivitäten zu durchsuchen. Doch auch hier läuft nicht mehr viel. "Geister haben, wie wir Menschen, einen eigenen Willen", resultiert Tom Frei.
Der Orb Tage nach unserer Geisterjagd schickte Tom Frei dieses Bild. Er habe die Fotografien ausgewertet und dabei sei ihm ein "Orb" aufgefallen. "Orbs kann man auch Geisterflecken nennen", erklärt er. "Das sind Seelen, bestehend aus gebündelter Energie. Sie reflektieren Licht, weshalb man sie fotografieren kann."

2 Kopie von Auf Geisterjagd im Oensinger Schloss Neu Bechburg

Hansruedi Aeschbacher

Patrick Jakob ist seit rund 15 Jahren Schlosswart der Neu-Bechburg, wo sich die AZ zusammen mit zwei Aargauer Ghosthunters zur Geisterjagd traf. Er weiss am besten, wer in den alten Mauern sein Unwesen treibt – oder eben nicht. «Als ich hier neu angefangen habe, musste ich mich erst an die Geräusche gewöhnen. Die Burg lebt, nicht wie moderne Häuser», erzählt er.

«Das Holz knarzt, die Steine heben und senken sich, Wasser plätschert aus dem offenen Brunnen im Haupteingang.» Es komme oft vor, dass er bis in die frühen Morgenstunden in der Burg arbeiten müsse. Zum Beispiel, wenn er nach einem Anlass noch aufräumt. Angst habe er aber keine, wenn es draussen dunkel ist und die Geisterstunde beginnt. «Manchmal habe ich ein komisches Gefühl – als würde man einen Rucksack tragen», erzählt er. Am wohlsten fühle er sich in der Küche, da habe früher das Leben stattgefunden. «Es gibt Räume in der Burg, in denen ich nie übernachten würde. In der Küche schon», sagt Jakob.

Grundsätzlich glaube er daran, dass es so etwas wie Geister gibt – denn er habe auch schon «komische» Erfahrungen gemacht: «Einmal blieb ein Mädchen im Schloss wie angewurzelt stehen. Ich habe gefragt, was los sei, aber es antwortete mir nicht. Ich habe überlegt und wollte dann wissen, ob sie jemanden sieht. Das Mädchen hat genickt.» Oder ein Freund sei mit seinem Hund vorbei gekommen, um die Burg zu besichtigen. «Beim Brunnen im Eingang ist das Tier aber sofort umgekehrt, jaulend wieder herrausgerannt und hat vor der Burg auf uns gewartet.»

«Nieder zu den Füss»

Auch für Patrick Jakob hat der Brunnen eine besondere Bedeutung. Einmal habe er im Schloss ein paar Arbeiten nachgehen wollen. Doch als der Schlosswart den Brunnen passierte, sei er, ohne es zu realisieren, hinaus gelaufen und habe angefangen, im Garten zu arbeiten. «Irgendwann merkte ich dann, dass ich dort ja gar nicht arbeiten wollte. Aber ich hatte das Gefühl, im Schloss nicht erwünscht zu sein.» Solchen Zeichen leiste er immer Folge. «Ich respektiere das Schloss und alles, was dazu gehört. Auch das vermeintlich Paranormale», sagt er.

Die Oensinger Burg war schon häufig Anlaufstelle für Geisterjäger und Personen mit medialen Fähigkeiten. Jakob steht ihren Methoden grundsätzlich etwas vorsichtig gegenüber. Doch eine Erfahrung wird er wohl niemals vergessen: «Ein ganzes Kamerateam war zur Stelle und auch damals wurden Tonaufnahmen gemacht», erinnert sich der Schlosswart zurück.

«Beim Abhören des Bandes ertönte plötzlich eine Stimme.» Auf Althochdeutsch habe sie gesagt: «Nieder zu den Füss.» Dann habe eine der Kameras ausgesetzt. «Der Techniker hat alles Mögliche probiert, um das Gerät wieder zum Laufen zu bringen. Aber erst als er sich niederkniete, um von unten die Anschlüsse zu prüfen, hat die Kamera wieder funktioniert.» Da sei ihm kurz etwas anders geworden, schliesst Patrick Jakob seine Erzählung.