Bestäuben der Fruchtblüten
Die Blüte lockt, doch die Biene bleibt im Moment zu Hause

Nässe und Kälte verhindern zurzeit ein Bestäuben der Fruchtblüten durch Bienen. Spitzenerträge wird es in diesem Sommer wahrscheinlich nicht mehr geben, trotzdem sind noch immer gute Erträge möglich.

Susanne Hörth
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Keine Bienen an den prachtvollen Chriesiblüten zu sehen. Toni Widmer

Keine Bienen an den prachtvollen Chriesiblüten zu sehen. Toni Widmer

«Wunderbar, wie das Fricktal, aber auch andere Regionen zurzeit in voller Chriesiblüte stehen», schwärmte eine Reisende Ende der zurückliegenden Woche auf der Zugfahrt von Baden nach Frick. Deutlich weniger begeistert fügt sie an: «Ob es im Sommer aber Chriesi gibt, daran zweifle ich ernsthaft.»

Die nasskalte Witterung mit den nach wie vor tiefen Temperaturen würde doch verhindern, dass Bienen fliegen und ihrem Befruchtungsauftrag nachkommen könnten. Da nütze es auch nichts, dass die prachtvollen Blüten den heranfliegenden Bienen feinen Nektar als Belohnung offerieren. Ausserdem, so die Zugreisende, sei doch allgemein bekannt, dass die Zahl der Bienenvölker infolge von nicht in den Griff bekommenden Krankheiten stetig abnehme.

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Kein Flugwetter

Sorgen Kälte und Nässe wirklich dafür, dass Bienen nicht fliegen? Bleiben dann die Chriesichratten in diesem Sommer leer? Dazu Fritz Imhof, Präsident des Verbandes aargauischer Bienenzüchtervereine: «Wir haben heute 4 Grad. Da fliegen die Bienen nicht. Es ist zu kalt.» Bei Nässe, so Imhof, bleiben die Insekten ebenfalls «zu Hause».

Auch wenn die Blütenbestäubung zurzeit infolge Nässe und Kälte nicht stattfindet, solle aber gleichwohl nicht schwarz gemalt werden, betont der Verbandspräsident. «Erfahrungen aus den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass trotz solchem Wetter erstaunlich viele Blüten bestäubt wurden. Es zwar keine Spitzenerträge gab, aber immer noch erstaunliche Erträge.»

Auf den reduzierten Bienenbestand angesprochen, nimmt Imhof ebenfalls Bezug auf das Wetter. Nicht schlechte, sondern schöne und warme Witterung hatte Einfluss auf die Zahl der Bienenvölker. «Im letzten Jahr war die Vegetation zirka drei Wochen früher als in den vergangenen Jahren. Auch das Wetter war aussergewöhnlich schön und günstig für unsere Bienen», erklärt der Bienenfachmann. Doch nicht nur die Bienen hätten sich dabei sehr gut entwickelt, sondern auch die Varroamilben in den Bienenstöcken. «Viele Imker haben dieser Situation zu wenig Rechnung getragen und zu spät mit der Bekämpfung der Milben begonnen.» Mit der Bekämpfung oder auch mit der Behandlung der Varroa in den Bienenstöcken kann erst begonnen werden, nachdem der Imker den Honig geerntet hat.

Bienensterben

Dadurch war vielerorts die Population der Varroa so stark, dass viele Völker zu stark von den Varroamilben geschädigt waren und somit keine Überlebenschancen mehr hatten. «Die Folge davon ist, dass in der Schweiz 30 bis 50 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht überlebten», so Fritz Imhof und fügt an: «Nach wie vor haben wir in der Schweiz gegenüber den Nachbarländern eine hohe Bienendichte. Trotzdem kann es in gewissen Gegenden Bestäubungsengpässe geben, sodass heute schon gewisse Obstbauern mit der Bitte an Imker gelangen, ein paar Bienenvölker in ihre Obstanlage zu stellen. Wir werden es sehen und hoffen bald auf besseres Wetter.»