Hallwilerseelauf

Die besten Bilder: Tadesse Abraham war zu schnell für die Konkurrenz - und die Mücken

Tadesse Abraham wurde am 42. Hallwilerseelauf seiner Reputation gerecht und lief zum sechsten Mal als Tagessieger über die 21,1 km ein.

Das Bild im Ziel des Hallwilerseelaufs beim Standbad Beinwil am See erregte Aufmerksamkeit und erschreckte: hunderte kleine, schwarze Punkte im Gesicht, am Hals und an den Armen der schweissfeuchten Topathleten. Nicht um Spritzer aus den Wasserlachen des Regens wegen handelte es sich, sondern um tote Mücken. Diese überlebten an diesem feuchten Tag den Aufprall der im 20-km-Tempo daherbrausenden Toplangstrecklern nicht. „Ja, diese Mücken gehörten heute einfach dazu“, sagte Abraham, der nach 1:03:55 Stunden die Ziellinie als Erster gequert hatte und mit diversen Handbewegungen die Insekten wegzuwischen versuchte.

Trotz den ungeliebten Begleitern sprach Tadesse Abraham von einem Tag von „Laufbedingungen 1 A“. Der Regen am Vormittag hatte für angenehme Temperaturen und  saubere Luft gesorgt. Und weil der Niederschlag bald aussetzte, konnten die Strassen und Wege weitgehend trocknen. Abraham beschäftige dies wenig. Er, der den Hallwilerseelauf bei seinen acht vorangegangenen Teilnahmen bereits fünf Mal zu seinen Gunsten entschieden hatte, liess auch in seinem grossen Jahr keine Fragen über den Stärksten im Feld aufkommen.

Grosser Chef

Von Beginn an war der Halbmarathon-Europameister und Olympia-Siebte im Marathon Chef im Feld. Und weil sich seine Beine nach gut einem Drittel der Distanz „gut und frisch“ anfühlten, erhöhte er seinen Rhythmus. Weder die andern Spitzenläufer mit afrikanischen Wurzeln und schon gar nicht die besten Schweizer vermochten zu kontern. Abraham lief auf und davon. An seinem Sieg war fortan nicht mehr zu zweifeln.

Nicht mehr herausgefordert und auf sich alleine gestellt, beschränkte sich der 34-Jährige aus Genf darauf, „den Sieg sicher nach Hause zu bringen“. 2:10 Minuten betrug sein Vorsprung auf seinen nächsten Verfolger Tadi Fikru, den Sieger des Pfäffikderseelaufs drei Wochen zuvor. 4:35 Minuten lag er vor dem drittplatzierten Mohammed Boulama. „Die Formkurve entwickelt sich wie gewünscht“, strahlte Abraham. Nach dem Olympia-Marathon gönnte er sich eine kurze Erholungsphase. Mitte September begann er mit dem Wiederaufbau. Am Greifenseelauf musste er sich noch mit Rang 3 begnügen. Am Murtenlauf konnte er sich wie um den Hallwilersee als Sieger feiern lassen. „Diese Rennen bringen mich auf Touren“, sagte Abraham, der die vorweihnächtlichen Stadtläufe als nächstes Ziel nennt – auch sie gezielt nutzend für nächste Grosstaten über die Marathon-Distanz im nächsten Jahr.

Entthronte und dennoch glückliche Vorjahressiegerin

Bei den Frauen verfügte die erst 20-jährige Nema Hassan (Äth) über die grösste Klasse. Ihr nicht Paroli bieten konnte Vorjahressiegerin Susanne Rüegger. Die Chamerin strahlte dennoch: „Mir war bei der Hinfahrt im Auto übel geworden und ich stieg voller Ungewissheit ins Rennen“, sagte die 32-Jährige. Dieses Gefühl konnte sie rasch hinter sich lassen. „Mir lief es immer besser“, sagte sie. Nach 1:18:12 Stunden und nur 51 Sekunden hinter der Siegerin war sie im Ziel.

Von „einem Aufsteller und einer tollen Zeit“, sprach Rüegger. Nicht weniger als 1:54 Minuten blieb sie unter ihrer letztjährigen Siegerzeit. „Ich habe ein gutes Jahr ohne Verletzungen hinter mir“, muss sie nicht lange nach dem Unterschied suchen. Letztes Jahr lief sie nach schwierigen Monaten ohne adäquate Vorbereitung. Das Ergebnis bestätigt: „Jetzt ist die Arbeit getan, folgt das Tappering.“ Als nächsten Zielwettkampf hat sich Susanne Rüegger den Swiss City Marathon Luzern vorgenommen, wo es um den Schweizer Meistertitel gehen wird.

Hallwilerseelauf 2016

Hallwilerseelauf 2016

Das sind die Highlights des Traditionsanlasses, der zum 42. Mal rund um das malerische Gewässer stattfindet.

Als beste Aargauer am grössten und bedeutendsten Aargauer Volkslauf profilierten sich  bei den Männern der Aarauer Kadi Nessero und bei den Frauen die Dottikerin Monika Vogel. Prominenz zierte auch die Ranglistenspitze des 10-km-Rennens. Mit Michael Ott gewann ein EM-Teilnehmer von 2014. Bei den Frauen setzte sich die bekannte Luzernerin Yvonne Kägi vor der Berner U18-Europameisterin Delia Sclabas durch.

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