Landwirtschaft
«Die Bauern werden mehr oder weniger links liegen gelassen»

Der Bund revidiert die Verordnung über den Schutz für spezielle Naturräume. Den Entwurf weist der Aargauische Bauernverband vehement zurück. Geschäftsführer Ralf Bucher befürchtet eine weitere Einschränkung der produktiven Landwirtschaft.

Tobias Schilling
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Bauern müssen über die Höhe von Silos in «schutzwürdigen Gebieten» diskutieren. Doch wegen der Futterqualität müsse es mindestens 25 Meter hoch sein.

Bauern müssen über die Höhe von Silos in «schutzwürdigen Gebieten» diskutieren. Doch wegen der Futterqualität müsse es mindestens 25 Meter hoch sein.

Jiri Reiner

Der Bauernverband ist nicht einverstanden mit der Vorlage des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) zur Überarbeitung des «Bundesinventars der Landschaften von nationaler Bedeutung».

Die Bauern kritisieren die «ungenügende Dokumentation» der Landwirtschaft. Denkmälern erhielten im Gegensatz zur Landwirtschaft zu viel Aufmerksamkeit. Der Entwurf soll «ihre Rechte und Entwicklungsmöglichkeiten nicht weiter einschränken», teilt der Aargauer Verband mit.

Landwirtschaftsbetriebe sind keine Heimatmuseen

Der Verband befürchtet, dass so schleichend die Bauernhöfe handlungsunfähig gemacht werden und sagt, «Landwirtschaftsbetriebe sind keine Heimatmuseen».

Doch wie würden die Bauern konkret eingeschränkt? Aargauerzeitung.ch hat bei Ralf Bucher, Geschäftsführer des Aargauischen Bauernverbandes, nachgefragt.

Wenn ein Betrieb ein Silo in einem schutzwürdigen Gebiet errichten will, würde lange über die Verträglichkeit von dessen Höhe diskutiert, sagt Bucher. «Doch ein Silo muss aus Gründen der Futterqualität heute 25 Meter hoch sein.» Es gebe «gewisse Sachen», die man als Bauer einhalten müsse, um überhaupt produktiv zu wirtschaften. «Die Landwirte sind die Hauptakteure, das kommt nicht zum Vorschein im Bericht», bemängelt Bucher.

Das Bundesamt sucht das Gespräch nicht, meint Ralf Bucher: «Wir wissen nicht, was uns erwartet, und wir wissen nicht, was der Bund von den Landwirten erwartet. Das ist unhaltbar.» Eine Übereinkunft müsse an einem gemeinsamen Tisch ausgehandelt werden. «Die Grundeigentümer werden mehr oder weniger links liegen gelassen».

Schutz ist jetzt schon stark

Beim Schutzgebiet Hallwilersee wurden beispielsweise Witterungsschutzmassnahmen von Obstanlagen eingeschränkt, obwohl das Gebiet für den Obstanbau prädestiniert sei. Schöne Früchte, die der Markt verlangt, könnten aber nur noch mit Hagelschutznetzen oder Regendächern produziert werden. Ähnlich spezialisierte Bauten oder produktive Anlagen wären in Zukunft nur noch schwieriger zu realisieren, sagt Bucher.

Es könne sein, dass ein «gewöhnlicher» Betrieb nichts merkt von neuen Schutzauflagen. Doch bei einer Hoferweiterung müssten die Besitzer dann unter anderem nachweisen , dass ein Projekt nicht ausserhalb des Schutzgebietes realisiert werden kann oder auch, dass eine alternative Lösung mit gleicher Wirkung nicht in Frage kommt, alles unter dem «Gebot der grösstmöglichen Schonung».

Bereits Mitte April hat der Bauernverband eine Resolution gefasst. Er erwartet vom Kanton eine höhere Eigenversorgung und eine Bekämpfung des Extensivierungs- und Bürokratietrends auf nationaler Ebene. Das wäre nur möglich, wenn die bewirtschafteten Flächen nicht weiter schrumpfen.

Landschaftsschutz im Überblick

Erstmals wurde das Inventar zum 1963 vom Bund für Naturschutz (heute Pro Natura), dem Heimatschutz und dem Alpenclub erstellt.

In die erste Kategorie «Einzigartige Landschaften» fallen heute zum Beispiel der Rheinfall und das Matterhorn. Eine «für die Schweiz typische Landschaft», die zweite Kategorie, ist beispielsweise der Aargauer Faltenjura.

Unter die dritte Kategorie «grossräumige Erholungslandschaften» fällt etwa die Emmentallandschaft. Die vierte Sparte sind «Naturdenkmäler» wie Findlinge oder der Gletschergarten Luzern. Je nach «Schutzobjekt» sind die Bauern betroffen oder nicht.