Frost
Die Bauern wappnen sich gegen die klirrende Kälte

Kalte Luft aus Russland friert diese Woche das Mittelland ein. Die Landwirte des Kantons Aargau müssen sich dementsprechend auf die kommenden Tage vorbereiten.

Adrian Hunziker
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Den Aargauer Landwirten steht eine frostige Zeit bevor.

Den Aargauer Landwirten steht eine frostige Zeit bevor.

Der Januar 2012 war um zwei bis drei Grad zu warm. Dafür beginnt der Februar umso kälter. Denn ab Mitte Woche schickt ein riesiges Kältehoch über Russland eiskalte, aber trockene Luft in die Schweiz. Am Donnerstag soll es höchstens minus fünf Grad werden, die Meteorologen rechnen mit mehrere Eistagen in Folge. Die Landwirte haben nun Zeit, sich für die Kälte vorzubereiten.

Leidende Mäuse

«Die Mäuse werden bei diesen Temperaturen Mühe haben. Die hatten es bis jetzt super. Nun werden sie leiden», sagt Ralf Bucher, Geschäftsführer des Aargauer Bauernverbandes. Damit sieht Bucher auch noch einen positiven Aspekt der sich abzeichnenden Kälte. Denn die Nager machen den Landwirten immer wieder Probleme. Andere Schädlinge wird das kalte Wetter jedoch nicht tilgen. «Die heutigen Schädlinge sind resistent geworden», meint Thomas Käser, stellvertretender Präsident des Aargauer Gemüseverbandes.

«Ich bin seit 30 Jahren im Business, und es wird immer wieder argumentiert, dass es nach einem strengen Winter weniger Schädlinge gibt. Das traf aber bisher noch nie zu», so Käser weiter.

Der Nachteil des Kaltstalles

Mehr zu denken geben werden die Kaltställe. Diese sind geöffnet, so dass genügend Frischluftzufuhr möglich ist. «Heute werden beinahe alle Rindviehställe so gebaut. Das ist die moderne Bauweise», erklärt Bucher. Die kalten Temperaturen machen den Tieren aber nichts aus. Jedoch könnte die starke Bise ein Problem darstellen. Zugluft ist speziell für Kälber gefährlich. Denn die sind anfällig auf Lungenentzündungen. Es gilt daher, das richtige Mass zwischen genügend Frischluft und keiner Zugluft zu finden.

«Immerhin können sich die Bauern gebührend auf das Wetter vorbereiten, da man bereits jetzt weiss, dass die Kältewelle kommt», führt Bucher weiter aus. Ein zu berücksichtigender Aspekt dabei sind die Tränkeeinrichtungen in den Ställen. Durch Erwärmung oder mittels eines Umwälzsystems, das das Wasser stetig fliessen lässt, wird gewährleistet, dass in den Leitungen nichts gefriert. Jedoch sind nicht alle Systeme auf so tiefe Temperaturen ausgelegt.

Zudem müssen sich die Landwirte etwas für ihre Entmistungssysteme einfallen lassen. Denn wenn der Mist gefriert, kann das Schwierigkeiten bereiten, so zum Beispiel bei Spaltenböden. Dort fällt der Mist normalerweise durch oder wird von den Kühen nach unten getrampelt. Wenn alles gefriert, ist das nicht mehr möglich. «Wenn die Kälte nur ein paar Tage anhält, dann macht das nichts. Wenn es aber während zweier Wochen kalt sein sollte, dann kann das zu grösseren Herausforderungen führen», so Bucher.

Gemüsebauern nicht beunruhigt

Für die Gemüsebauern sind das kalte Wetter und die Bise noch kein Grund zur Panik. «In den Gewächshäusern müssen wir nur die Heizung höher schalten und die Wasserhähne abdrehen», sagt Käser. Draussen könnte es aber Folgen für Lauch und Wirz haben. Die kalten Temperaturen könnten Schäden anrichten. «Doch diese wachsen aller Voraussicht nach wieder raus», gibt Käser Entwarnung.

Er macht sich eher Gedanken über die Auswirkungen beim Gemüsepreis. Doch da die Kältewelle fast ganz Europa trifft, macht das nicht viel aus. «Alle haben die gleichen Voraussetzungen. Wenn es alle trifft, auch im Ausland, dann ist das eine annehmbare Situation für uns», schmunzelt der Gemüsebauer.