Mordfall Gränichen

Die Anwältin: «Mehr als fünf Jahre unschuldig im Gefängnis»

Anna Schuler, Anwältin

Anna Schuler, Anwältin

Anna Schuler, die Anwältin des nun freigesprochenen Zeljko J., zeigt sich zufrieden mit dem Urteil des Bundesgerichts, denkt aber auch an die Eltern des Mordopfers.

Die Zürcher Rechtsanwältin Anna Schuler hat Zeljko J. im Fall Gränichen zusammen mit ihrer Kanzleikollegin Caterina Nägeli vertreten. Die Verteidigerin hält auf Anfrage fest: «Wir haben von Anfang an und vor allen Instanzen auf einen Freispruch plädiert, weil die Schuld unseres Mandanten am Tod des Opfers nicht nachgewiesen werden kann.» Insofern seien sie mit dem nun erfolgten Freispruch durch das Bundesgericht zufrieden – die obersten Richter hätten ihre Einschätzung bestätigt.

Schuler ist bewusst, dass sich für die Eltern des Opfers mit dem Freispruch eine schwierige Situation ergibt, «zumal nun nicht feststeht, wer für den Tod ihres Sohnes verantwortlich ist». Die Rechtsanwältin von Zeljko J. betont, sie habe grossen Respekt für die Hinterbliebenen und ihren Schmerz. «Wichtig ist aber auch, dass mit dem Urteil des Bundesgerichts der Grundsatz unseres Rechtssystems gestützt wird, dass niemand ohne Beweise verurteilt werden darf», sagt sie.

Höhe der Entschädigung offen

Nach dem Freispruch würden nun die Vorbereitung für die Haftentlassung ihres Mandanten getroffen. «Er sass mehr als fünf Jahre lang unschuldig im Gefängnis und war von seiner Familie getrennt», sagt Schuler. Wie hoch die Haftentschädigung für Zeljko J. ausfallen wird, ist derzeit offen. «Darüber wird das Aargauer Obergericht entscheiden, wobei wir als Verteidiger und die Staatsanwaltschaft jeweils einen Antrag stellen können», sagt die Anwältin.

Sie ergänzt, derzeit erhebe ihr Mandant keine weitergehenden Forderungen gegen die Aargauer Justiz. «Primär wird es in nächster Zeit darum gehen, dass er sich wieder an das Leben in Freiheit gewöhnt.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1