Die Stromproduktion aus Wasserkraft ist gemäss Bundesamt für Energie letztes Jahr leicht gestiegen.

Die Wasserkraft trägt 56 Prozent zur Schweizer Stromversorgung bei. Mit 3240 Gigawattstunden liefert der Aargau als fünftgrösster Produzent knapp 10 Prozent davon.

Gemäss Peter Barmet, Fachspezialist Energiewirtschaft im kantonalen Departement Bau, Verkehr und Energie (BVU), ist die effektiv erzeugte Strommenge an den Aargauer Flüssen für 2015 allerdings etwas tiefer – auch im Vergleich zum letzten Jahr.

Barmet: «Der provisorische Wert liegt bei fast 3000 Gigawattstunden. In den grösseren Wasserkraftwerken ging die Jahreserzeugung gegenüber dem Vorjahr etwas zurück.»

Die Niederschlagsarmut auf der Alpennordseite (der Jahresniederschlag erreichte auf der Alpennordseite meist nur 60 bis 85 Prozent der Norm) habe sich nicht allzu negativ auf die Produktion in den Laufwasserkraftwerken ausgewirkt. «Dies, so Barmet, «unter anderem auch, weil der Mai doch eher nass war».

So viel Strom produzieren Aargauer Wasserkraftanlagen

Im Jahr 2009 ist im schweizerischen Strommarkt eine Teilliberalisierung in Kraft getreten. Seither können Grosskunden ihren Stromversorger selbst wählen.

Für die Kleinkunden – also vorab alle Privathaushalte – gilt dies noch nicht. Die Grosskunden machen verbrauchsmässig aber immerhin die Hälfte des Strommarktes aus.

Bezüglich Rentabilität für Wasserkraftwerke heisst das: Ein Anbieter, dessen Kunden sich ihren Versorger (noch) nicht selbst aussuchen können, kann die Kosten voll auf diese überwälzen.

Das bedeutet laut Roger Pfammatter, Geschäftsführer des Schweizerischen Wasserwirtschaftsverbandes (SWV) in Baden: «Diese Kraftwerke rentieren normal.» Ganz anders verhält es sich aber mit Kraftwerken im Besitz von Versorgern, die einen hohen Anteil von Grosskunden oder gar keine direkten Kunden haben.

Pfammatter: . Diese produzieren je nach Standort und Investitionen zu Gestehungskosten im Bereich von 3 bis 10 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) – wovon allerdings ca. 1,5 Rappen alleine für den Wasserzins weggehen. Grosse Laufkraftwerke, von denen es im Aargau viele gibt, produzieren für eigentlich sehr kostengünstige 3 bis 5, grosse Speicherkraftwerke etwa für 5 bis 6 Rappen.»

Ostermontag gabs Geld für Strom

An der Strombörse in Leipzig schwanken die Preise derzeit um den Wert von 3 Cents (rund 3,3 Rappen).

Vergangenen Sonntag bekam man dort eine kWh für 1,55, gestern an Auffahrt für 2–2,5 Cent.

An Tagen mit grossem Überschuss gibt es sogar Geld, wenn man an der Börse Strom holt. So geschehen jüngst am Ostermontag. Da bekam, wer in der richtigen Stunde Strom kaufte, bis 4 Cent Entschädigung pro kWh! Kein Wunder, können nach den AKW jetzt auch die Schweizer Wasserkraftwerke nicht mehr mithalten.

Roger Pfammatter schätzt, dass von den über 30 grösseren Kraftwerken im Aargau heute kaum eines mehr mit Marktpreisen die Kosten decken kann.

Eine Besserung sei nicht absehbar. Gesamtschweizerisch fahren Schweizer Wasserkraftwerke, die zu 85 Prozent der öffentlichen Hand gehören, heute jährlich mehrere hundert Millionen Franken Verlust ein. Pfammatter: «Das geht nicht lange gut.»

Schutzmechanismus

Doch was soll man tun? Pfammatter sieht keine einfachen Lösungen: «Die Ursachen liegen in Europa, die Schweiz muss zusehen, was geschieht.»

Allerdings müsste man seines Erachtens über einen Schutzmechanismus nachdenken. Etwa Kohlestrom für das ausgestossene CO2 belasten, wie es der Aargauer Energiedirektor Stephan Attiger in der az kürzlich auch vorgeschlagen hat.

Pfammatter: «Allerdings gibt es mit den CO2-Zertifikaten schon einen solchen Mechanismus. Leider sind die Zertifikate viel zu billig.» Und wie ist es mit Sparen? Bei den Kraftwerken seien Kostensenkungsprogramme längst durchgeführt und in Umsetzung, so Pfammatter: «Da liegt kaum noch etwas drin.» Zudem macht der Betrieb meist weniger als einen Drittel der Kosten aus. Der grosse Rest sind Kapitalkosten und Abgaben.

Es müsse gelingen, der sauberen, einheimischen Wasserkraft wieder den Wert zu geben, den sie verdient. Er könnte sich vorstellen, Versorger zu verpflichten, 60 Prozent einheimische Wasserkraft im Portfolio zu haben, oder man könnte den Wasserzins, der die Wasserkraft mit rund 500 Millionen Franken jährlich belastet, anders finanzieren.

Es wird nichts mehr investiert

Ansonsten bleibe den Produzenten nichts anderes, als die Instandhaltungskosten zu minimieren. Neu investiert wird ohnehin nichts mehr. Die Diskussion im Parlament, unter dem Marktpreis produzierten Strom mit maximal einem Rappen pro kWh zu vergüten, unterstützt Pfammatter. Aber: «Es ist ein Tropfen auf einen sehr heissen Stein. Zudem kommt diese Massnahme wohl frühestens 2018. Es braucht noch mehr.»

Rentiert im Aargau tatsächlich kaum mehr ein Wasserkraftwerk, das dem Markt ausgesetzt ist? Werner Leuthard, Leiter der Abteilung Energie im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), formuliert es so: «Etliche Kraftwerke turnen derzeit an der Rentabilitätsgrenze herum. Eine Rendite ist heute wirklich schwer zu erwirtschaften. Zudem schwanken die Kosten von Jahr zu Jahr, sodass eine klare Aussage schwierig ist. Ein, zwei Kraftwerke dürften aber schon noch knapp im grünen Bereich sein, die anderen haben tatsächlich Schwierigkeiten.»

Die Axpo, an der auch der Kanton Aargau beteiligt ist, besitzt im Aargau mehrere Wasserkraftwerke, und ist an weiteren beteiligt. Sprecher Tobias Kistner bestätigt, «dass viele Kraftwerke an einem Punkt angekommen sind, wo die Rentabilität nicht mehr gegeben ist». Das gelte für den ganzen Kraftwerkspark. Diese Situation sei «äusserst herausfordernd für die grösste Energieressource der Schweiz».

Axpo: Noch keine Entscheide

Die aktuelle politische Diskussion um mögliche Lösungen für den Erhalt der bestehenden Anlagen sei vor dem Hintergrund der strategischen Bedeutung der Wasserkraft für die Versorgung der Schweiz mehr als gerechtfertigt.

Letztlich sei es aber Sache der Politik, «zu prüfen, welche Lösungen für den Erhalt der bestehenden Anlagen infrage kommen».

Wichtig ist, so Kistner, «dass eine für alle tragbare Lösung gefunden wird, die nicht nur neuen Projekten, sondern vor allem auch den bestehenden Kraftwerken zugutekommt, die ebenfalls aufgrund der schwierigen Marktlage unter mangelnder Rentabilität leiden.»

Die Axpo will im schwierigen Marktumfeld ihre Abhängigkeit vom Strompreis minimieren.

Deshalb wurde ein Portfolio von Kraftwerken (bestehend aus Gaskraftwerken in Italien, Kernenergie-Langzeitbezugsverträgen mit französischen Kraftwerken und Schweizer Wasserkraftwerken bzw. deren Axpo-Anteile) eruiert, «das zum Verkauf angeboten werden soll», so Kistner.

Der Verkaufsprozess stehe allerdings erst am Anfang. Kistner: «Es sind noch keine Entscheide gefallen. Wir kommunizieren keine Details zum Verkaufsprozess.»