Neue Spitalliste
Die Aargauer Regierung will spezialisierte Medizin konzentrieren

Mit der neuen Spitalliste bleiben Aufträge im Aargau im Wesentlichen bestehen. Für das Spital Muri gibt es keinen Zusatzauftrag.

Mathias Küng
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Kantonsspital Aarau: In einer ersten Stellungnahme zufrieden mit dem Entscheid.

Kantonsspital Aarau: In einer ersten Stellungnahme zufrieden mit dem Entscheid.

Claudio Thoma

Die Kantonsregierung hat die neue, ab dem 1. Januar 2020 für vier Jahre geltende, Spitalliste beschlossen und publiziert. Die Liste besagt, welches Spital welche Leistungsaufträge bekommt. Nur wer auf der Liste ist, kann entsprechende Leistungen über die Obligatorische Krankenversicherung (OKP) abrechnen. 55 Prozent der stationären Kosten übernimmt dann der Kanton, 45 Prozent die Krankenkasse.

28 Spitäler und Kliniken aus dem Aargau sowie anderen Kantonen haben sich laut Mitteilung der Regierung für Leistungsaufträge beworben: 16 nur für die Akutsomatik, sieben nur für den Bereich Psychiatrie und fünf für beide Bereiche.

Ziel der Spitallisten sei es, «eine bedarfsgerechte, effiziente und qualitativ hochstehende Versorgung für die Aargauer Bevölkerung sicherzustellen und eine angebotsinduzierte Mengenausweitung zu verhindern». Das sagten der interimistische Gesundheitsdirektor Stephan Attiger und Barbara Hürlimann, die Leiterin Gesundheit im Departement Gesundheit und Soziales, vor Medienvertretern in Aarau. Die Regierung will zudem komplexe spezialisierte Aufträge auf die Zentrumsstandorte Aarau und Baden beschränken und sodann bei einem Leistungserbringer pro Standortgemeinde konzentrieren.

Für den Standort Aarau mit dem Kantonsspital KSA und der Hirslanden Klinik heisst das, dass zum Beispiel der Leistungsauftrag für spezialisierte Wirbelsäulenchirurgie oder spezialisierte Neurochirurgie nur noch am KSA angeboten werden. Zudem ermuntert der Regierungsrat die Spitäler zu mehr Kooperationen und Partnerschaften.

Die bestehenden Leistungsaufträge wurden laut Hürlimann im Wesentlichen – bis auf die vorerwähnten Angebotskonzentration – bestätigt, sofern sich ein Spital überhaupt wieder für die bisherigen Leistungsaufträge beworben hat.

Leistungsaufträge wurden den Regionalspitälern, etwa in Muri, dann nicht erteilt, wenn diese zu den komplex-spezialisierten Leistungen – zum Beispiel Wirbelsäulenchirurgie oder Kieferchirurgie - gehören.

Die bisherigen auf der Spitalliste figurierenden Universitätsspitäler (Basel, Zürich), bleiben auf der Liste, ebenso die Kinderspitäler Zürich und Basel. Leistungsaufträge erhalten weiterhin auch die Spezialklinik Lengg, die Universitätsklinik Balgrist, Zürich und das Paraplegiker Zentrum, Nottwil. Die letzten beiden aber jeweils nur für die Behandlung von Querschnittgelähmten. Das St. Clara-Spital in Basel erhält neu Leistungsaufträge im Rahmen seiner Kooperationsvereinbarung mit der Gesundheitszentrum Fricktal AG. Laut Attiger haben sich die Unispitäler Zürich und Basel um zusätzliche spezialisierte Aufträge bemüht. Dies wurde abgelehnt.

Herzchirurgie bleibt bei der Hirslanden Klinik

Schon länger klar war, dass die Herzchirurgie bei der Hirslanden Klinik bleibt, nachdem das KSA einen Antrag dafür schon vor dem Regierungsentscheid zurückgezogen hatte.
Wichtig sei auch, betonte Barbara Hürlimann, dass die Spitäler den Ärzten keine direkt mengenabhängigen Bonifikationen mehr auszahlen dürfen. Damit entfällt ein Anreiz für medizinisch nicht wirklich notwendige Operationen.

Kantonsspital Aarau zufrieden

Reaktion

Robert Rhiner, CEO des Kantonsspitals Aarau sagt zur AZ: «Wir sind mit der Spitalliste zufrieden. Sie bestätigt die gute Leistung und Qualität unseres Spitals. Das Departement hat mit einer Ausnahme die beantragten Leistungsaufträge erteilt.» Ein kleiner Wermutstropfen sei der nicht erhaltene Auftrag für Nuklearmedizin, für die man sich beworben habe «und deren Potenzial das KSA gern genutzt hätte».
Ebenfalls kurz äussert sich Omar Gisler, der Mediensprecher des Kantonsspital Baden (KSB): «Auf den ersten Blick enthält die Spitalliste 2020 für uns keine Überraschungen. Wir werden die Liste nun im Detail studieren und gegebenenfalls Stellung beziehen.»

Im Spital Muri will man die Unterlagen laut Marketingchefin Martina Elisabeth Wagner auch erst analysieren und dann Stellung nehmen. (mku)