Poker

Die Aargauer Pokerszene ist schwer angeschlagen

Gemeindeleiter Robert Weinbuch pokert im Pfarrhaus Waltenschwil.

Gemeindeleiter Robert Weinbuch pokert im Pfarrhaus Waltenschwil.

Pokerturniere mit Geldeinsatz soll wieder erlaubt werden - das will zumindest der Ständerat. Doch selbst dann glauben nur wenige daran, dass sich die Pokerszene im Aargau nach einem Verbot wieder erholen wird.

Nachdem das Bundesgericht Anfang 2010 Pokerturniere mit Geldeinsatz ausserhalb der lizenzierten Casinos verboten hatte, hat der Ständerat am Dienstag eine Motion gutgeheissen, welche die Turniere unter Auflagen wieder erlauben soll. Das Spielen um Geld soll wieder erlaubt werden. In der Pokerszene hält sich die Begeisterung jedoch in Grenzen - zu viel Schaden hat das Verbot bisher angerichtet.

Viele private Organisatoren, die zuvor mit viel Herzblut Turniere organisiert haben, liegen auf der Strecke. Jürgen Haidacher, der Mann der unter dem Namen «24 Poker» der wohl grösste private Veranstalter im Aargau gewesen ist, glaubt nicht an eine Erholung der Pokerszene: «Ich werde keine Turniere mehr veranstalten, auch wenn das Gesetz wieder rückgängig gemacht wird», sagt er. Er glaubt, dass das Verbot mehr Schaden angerichtet hat, als es zum Schutz der Spieler beigetragen hat.

Pokerspieler flüchten in die Illegalität

Es gibt zahlreiche begeisterte Pokerpieler im Aargau - beim Pokerportal buy-in.ch sind alleine über 4000 registriert. Von ihnen sind aber in der Zwischenzeit die meisten in den Onlinepoker oder in die Illegalität geflüchtet. Darum wird es in Zukunft schwer sein, genügend Spieler für private Turniere zu finden, glauben die meisten Organisatoren.

Die Veranstalter sind skeptisch: «Wir warten ab bis die Gesetzesänderung ausgearbeitet ist, es liegen noch einige Stolpersteine im Weg», sagt Sascha Crescionini von «Buy-In». Ob sich die Pokerszene nicht nur im Aargau, sondern in der ganzen Schweiz erholen wird, würde in erster Linie auch von den Auflagen, die gemacht werden, abhängen: «Es ist schwierig mit einem Turnier keinen Verlust zu machen, welches nur einen Einsatz von 50 Franken haben darf. Wenn man dann noch Kameras installieren muss, lohnt es sich erst recht nicht mehr für die kleinen, privaten Turnierveranstalter.» Crescionini vermisst die Zeiten vor dem Verbot. Er glaubt, dass Poker einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Austausch liefert: «Weil da der Banker sozusagen mit dem Büezer an einen Tisch sitzt.»

Den Casinos wird die Schuld gegeben

Viele Pokerspieler und private Veranstalter geben den Lobbyisten der grossen Casinos die Schuld an dem Verbot, dass jetzt wieder rückgängig gemacht werden soll. Die Casinos hätten mit den hohen Sicherheitsauflagen viel Geld verloren und deshalb wenigstens ein Verbot für die privaten Veranstalter von Pokerturnieren gefordert.

Das tatsächliche Verbot habe dann aber nur dazu geführt, dass sich der Pokertisch dann aus der Öffentlichkeit in die dunklen Keller und Nebenzimmer oder ins Internet verlagert habe - Poker gespielt werde aber immer.

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