Das Wahlkampfteam und der Parteivorstand hatten sich alles schön ausgedacht: Wäre Parteipräsident Jonas Fricker in den Ständeratswahlkampf gestiegen, hätte man Irène Kälin, die Co-Präsidentin der Grossratsfraktion, die Nationalratsliste anführen lassen.

Mit Kälin als Ständeratskandidatin gehört dagegen Fricker zuvorderst auf die Nationalratsliste. Begründung für die Strategie: Man wolle den Wahlkampf nicht zu stark auf eine Person fokussieren, um ein möglichst breites Wählersegment anzusprechen.

Jonas Fricker

Jonas Fricker

Es war Regierungsrätin Susanne Hochuli, die diese Strategie gestern Abend gleich zu Beginn der Mitgliederversammlung in Frage stellte. Sie machte zwar kein Geheimnis daraus, dass Parteipräsident Fricker ihr persönlich politisch näher stehe als Irène Kälin.

Um den Nationalratssitz halten zu können, scheine es ihr aber erfolgversprechender, sich ganz klar auf einen Spitzenkandidaten bzw. eben eine Spitzenkandidatin zu konzentrieren.

Dies zumal weder Kälin noch Fricker bereits über einen Bekanntheitsgrad verfügen, der ihnen ohne Weiteres ein Stimmenpotenzial erschliesst, das an jenes des abtretenden Nationalrats Geri Müller heranreicht.

Grüne Aargau sorgen bei Nomination für Überraschung

Hochuli sollte nach einer langen Diskussion und mehreren Abstimmungen über die Listengestaltung schliesslich Recht behalten. Die Versammlung setzte die Ständeratskandidatin auch zuvorderst auf die Nationalratsliste, Fricker auf Platz zwei.

Listengestaltung

Es gab sogar einen Antrag auf eine Listengestaltung, die ihm erst den vierten Platz zugestanden hätte. Grossrätin Monika Küng mit ihrer Erfahrung gehöre ganz weit vorne auf die Liste, fanden deren Ortspartei Wohlen und die Grünen des Bezirks Bremgarten.

Es war dann aber doch eine eindeutige Mehrheit, die befand, eine solche Desavouierung des eigenen Parteipräsidenten wäre wohl nicht gerade der beste Start in den Wahlkampf. Der wird für die Grünen auch intern geeint schwierig genug.

Stunden vor der Versammlung wurde der aktuelle Stand des SRG-Wahlbarometers bekannt: Die Grünen liegen im Moment ein Prozent hinter dem Wahlergebnis von 2011 zurück. Sollte sich der Trend im Aargau im Herbst tatsächlich bestätigen, wird es sehr eng.

Zur Verteidigung des Nationalratssitzes treten mit Irène Kälin und Jonas Fricker folgende Kandidaten an: Monika Küng (Grossrätin, Wohlen), Robert Obrist (Grossrat, Schinznach), Kathrin Fricker (Grossrätin, Baden), Daniel Hölzle (Grossrat, Zofingen), Jolanda Oberle (Full-Reuenthal), Andreas Fischer (Grossrat, Möhlin), Christa Debrunner (Unterkulm), Micha Siegrist (Aarau), Mirjam Kosch (Aarau), Markus Dietschi (Widen), Connie Fauver (Stilli), Yahya Bajwa (Einwohnerrat, Baden), Gertrud Häseli (Grossrätin, Wittnau) und Martin Bossard (Kölliken).