Regierungsratswahlen

Die Aarauer Stadträtin Franziska Graf will Regierungsrätin werden – darum stehen ihre Chancen gut

Die Aarauer Stadträtin Franziska Graf will für die SP in den Regierungsrat, wie sie am Montagmorgen bekannt gab. Damit ist der parteiinterne Wahlkampf lanciert. Bisher hat mit Marco Hardmeier erst ein Mann sein Interesse an der Nachfolge von Regierungsrat Urs Hofmann angemeldet.

Ihre Kandidatur hat sich Mitte letzter Woche angedeutet. Sie wollte sich übers Wochenende entscheiden, ob sie für den Regierungsrat kandidieren will. Nun sind die Würfel gefallen: Franziska Graf-Bruppacher will. Am Montagmorgen bestätigte die 48-jährige Aarauerin auf ihrer Website, dass sie am SP-Parteitag vom 25. April zur Nomination für die Regierungsratswahlen antritt.  «Ich habe grosse Lust und Energie, mich dieser Wahl zu stellen und stelle mich meiner Partei als Kandidatin zur Verfügung», schreibt Franziska Graf. «Der Zeitpunkt für eine Kandidatur ist für mich ideal», so Graf weiter. Die Kinder seien erwachsen und gingen ihre eigenen Wege, während sie jung genug sei, um sich mindestens acht Jahre im Amt vorstellen zu können.

Franziska Graf ist seit 2014 nebenamtlich Stadträtin in Aarau, wo sie das Ressort Bildung und Jugend leitet. Bis 2018 war sie sechs Jahre Grossrätin und Mitglied der Kommission für Justiz. Beruflich ist Graf selbständige Buchhalterin und Kinesiologin. Graf ist verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Kindern.

Politisch hervorgetan hat sich die über den Raum Aarau hinaus noch wenig bekannte Aarauer Stadträtin unter anderem mit der Schaffung der Kreisschule Aarau-Buchs und der Umsetzung des Kinderbetreuungsgesetzes, bei dem sie zwischenzeitlich auch mit Widerstand aus der eigenen Partei zu kämpfen hatte.

Unterstützung bekommt Graf auch von den SP Frauen* Aargau, wie diese via Medienmitteilung verlauten lassen. SP Frauen* Aargau Vize-Präsidentin Mia Gujer lobt Franziska Graf in der Mitteilung als «eine qualifizierte Frau» und sieht in ihr eine «mögliche Nachfolge von Urs Hofmann.»

Neue Ausgangslage: Mann gegen Frau

Mit Franziska Graf hat die SP Aargau endlich eine Frauenkandidatur. Endlich, weil in den ersten Wochen bisher mit Marco Hardmeier erst ein Mann, wie Graf aus Aarau, ins Rennen gestiegen ist. Die Partei tat sich bisher schwer, ihren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden und eine Frau für die Regierungsratskandidatur zu finden.

Bis letzte Woche hagelte es nur Absagen. Grossrätin Simona Brizzi (Ennetbaden) und Parteipräsidentin und Nationalrätin Gabriela Suter (Aarau) waren die prominentesten. Gut ein halbes Dutzend weiterer angefragte SP-Frauen sagte ebenfalls ab.

Der Druck innerhalb der Partei, eine Frau zu nominieren, ist gross. Die SP Frauen machten früh klar, dass sie eine Männerkandidatur nicht akzeptieren. Schliesslich machte die SP bei der Regierungsratsersatzwahl letzten Herbst eine klare Ansage: Eine reine Männerregierung sei nicht akzeptabel. SP-Kandidatin Yvonne Feri sagte vor dem entscheidenden zweiten Wahlgang, sie wolle sich nicht schämen müssen für den Kanton Aargau, falls tatsächlich ein Mann gewählt werde. Trotzdem bekam dann Jean-Pierre Gallati knapp mehr Stimmen als Feri und wurde Nachfolger von Franziska Roth als Vorsteher des Departements Gesundheit und Soziales.

Mit einem halben Bein im Regierungsrat

Ob sich neben Graf und Hardmeier noch weitere SP-Kandidaten melden, ist offen. Dieter Egli, Fraktionschef im Grossen Rat, überlegt es sich noch. Er wird von allen Seiten gelobt, einziges Handicap: das Geschlecht.

Die interne Ausmarchung der SP ist diesmal besonders wichtig. Denn von den fünf Regierungsräten tritt nur Urs Hofmann (SP) zurück. Da der SP-Sitz auch bei der Konkurrenz kaum bestritten wird, hat die Person, die für die SP in die Regierungsratswahlen zieht, sehr gute Chancen, am 18. Oktober gewählt zu werden.

Die Grünen fordern die Regierungsparteien heraus

Anspruch auf einen Sitz in der Regierung erheben auch die Grünen. Sie sind nach dem Rücktritt von Susanne Hochuli 2016 nicht mehr in der Aargauer Kantonsregierung vertreten. Wen sie nominiert, ist noch offen. Klar ist nur: Es soll eine Frau sein. Im Vordergrund steht zur Zeit Christiane Guyer, Stadträtin von Zofingen.

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