Bahnhof-Check
Dichtestress im Aargau: So eng ist es für Pendler auf den Perrons

Tausende von Reisenden drängen sich jeden Morgen und Abend in Aargauer Bahnhöfen. Besonders kritisch ist die Situation in Lenzburg, wo die Perrons schmal, die Menschenmassen gross und die Schnellzüge nahe sind.

Fabian Hägler
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Dichtestress an Aargauer Bahnhöfen
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Brugg: Studenten drängen sich durch die Unterführung Vor dem Einsteigen in den Zug nach Hause kommt in Brugg der Gang durch die enge Unterführung. (Bild: Sandra Ardizzone)
Aarau: Schnellzüge rasen an den Wartenden vorbei «Achtung, Zugdurchfahrt»: Mit dieser Lautsprecher-Durchsage werden die Pendler in Aarau gewarnt. (Bild: Mario Heller)
Baden: Perronfläche für die vielen Passagiere ist knapp Baden ist mit 39 100 Passagieren pro Werktag stark belastet, die Perronfläche ist aber kleiner als in Turgi. (Bild: Alex Spichale)

Dichtestress an Aargauer Bahnhöfen

az

Von den 20 Bahnhöfen mit dem grössten Passagieraufkommen der Schweiz liegen mit Aarau auf Platz 15 und Baden auf Platz 18 nur zwei im Aargau. Dennoch sagte Walter Hohl, Leiter Architektur und Personenflüsse bei den SBB, kürzlich in der «NZZ am Sonntag», in Lenzburg sei die Situation von allen Bahnhöfen am schlimmsten.

«Die Situation dort ist an der Grenze», liess sich Hohl zitieren. Dies zeigte auch eine az-Reportage vor rund einem Jahr. Morgens um 6.30 Uhr zeigte sich: Die Unterführung und die Rampe aufs Gleis 2/3, wo die Züge Richtung Aarau und Zürich fahren, war dermassen überlaufen, dass man in der Menschenmenge einfach nicht vorwärtskommt.

«Es stimmt, gerade zur Hauptverkehrszeit morgens zwischen 6.30 und 8 Uhr und abends zwischen 17 und 18 Uhr wird es am Bahnhof Lenzburg eng», sagte SBB-Mediensprecherin Lea Meyer damals.

«Sehr hohe Belegung erwartet»

Ein Blick in den Online-Fahrplan zeigt: In dieser Zeit verkehren heute Dienstagmorgen acht Züge ab Lenzburg Richtung Zürich, bei fünf davon stehen drei rote Männchen hinter dem Eintrag: «Sehr hohe Belegung erwartet.» In der Gegenrichtung nach Aarau sind es 14 Züge, die Belegung ist entsprechend etwas niedriger.

Um mehr Platz für Pendler zu schaffen, haben die SBB inzwischen die Wartehäuschen auf dem Perron zwischen den Gleisen 2 und 3 abgerissen. Dort drängeln sich am frühen Morgen und im Feierabendverkehr die Menschen auf einer kleinen Fläche.

Kritisch wird es vor allem, wenn auf beiden Gleisen gleichzeitig oder kurz nacheinander Züge einfahren. Wo es eng ist, wissen die SBB laut «NZZ am Sonntag» genau. Anhand ihrer Daten können sie den Personenfluss im Bahnhof simulieren.

Intern orientieren sich die SBB demnach an Schwellenwerten, die zusammen mit der ETH erarbeitet und vom Bundesamt für Verkehr genehmigt wurden. So dürfe ein Stau vor einem Abgang nicht länger als sechs Sekunden andauern. Werde diese Limite überschritten, besteht laut Walter Hohl zwar noch keine Gefährdung, aber Handlungsbedarf.

Staudaten sind vertraulich

An welchen Bahnhöfen dies der Fall ist, geben die SBB nicht bekannt. Erfahrungen von Pendlern und die az-Reportage vor einem Jahr zeigen aber: In Lenzburg kommt es immer wieder zum Pendlerstau. In mehreren Untersuchungen zum Personenfluss heisst es, ab 1,5 Personen pro Quadratmeter sei ein Vorwärtskommen kaum noch möglich.

Der problematische Perron in Lenzburg weist eine Fläche von 2251 Quadratmetern auf, daraus ergibt sich, dass sich zu Spitzenzeiten mindestens 3377 Personen dort aufhalten, wenn es zum Stau kommt.

Bis sich die Situation grundlegend verbessert, dürften noch Jahre vergehen. Eigentlich hätte bis Ende Dezember eine funktionale Studie der SBB vorliegen sollen, die aufzeigt, wie der Bahnhof künftig aussehen soll. «Wir warten darauf, dass die Grundlagen gelegt werden, damit Lenzburg vom überlasteten Bahnhof zur Station wird, die gut funktioniert und für die Reisenden komfortabel ist», sagt Stadtammann Daniel Mosimann.

SBB-Studie liegt noch nicht vor

Vor einem Jahr war seitens der SBB die Rede von zwei breiten Mittelperrons, einer zweiten Personenunterführung und einem neuen Perron für die alte Nationalbahn-Linie Richtung Suhr. Die neue Studie liegt laut SBB-Sprecher Oli Dischoe aber noch nicht vor. «Wir werden proaktiv kommunizieren, wenn dies der Fall ist», sagt er.

Ziel der Studie sei, eine Gesamtsicht zu liefern, welche die Publikumsanlagen der SBB und Funktionen im Umfeld des Bahnhofs enthalte. Eine konkrete Kostenschätzung gibt es nicht, der Baustart ist «nach jetzigem Kenntnisstand» für 2022 vorgesehen. Eine leichte Entlastung dürfte der anstehende Fahrplanwechsel bringen.

Mit der neuen S25 müssen Reisende aus dem Freiamt keine Schlaufe mehr über Lenzburg machen, der Zug verkehrt neu über Othmarsingen. Markant verbessern dürfte sich die Situation aber nicht, rechnen doch alle Prognosen mit einem weiteren Wachstum im Bahnverkehr.

Probleme an weiteren Orten

Davon ist nicht nur Lenzburg betroffen, sondern auch andere Bahnhöfe im Aargau. So rasen in Aarau die Züge mit 140 km/h an wartenden Reisenden vorbei, diese werden lediglich von der Durchsage «Achtung, Zugdurchfahrt» gewarnt. Pendlerstaus gibt es auch in Brugg, wenn sich die Fachhochschul-Studenten morgens durch die Unterführung quetschen.

Zuletzt hat der Verein «region brugg jetzt» einen Ausbau gefordert. Derweil steht in Baden für die gut 39 000 Reisenden pro Werktag eine relativ kleine Perronfläche zur Verfügung. Und in Rheinfelden kommen den Pendlern auf den schmalen Perrons die durchfahrenden Schnellzüge unangenehm nahe.