Rheinkraftwerke
Deutsche wollen Wasserkraft zu Spitzenzeiten drosseln - Aargau wehrt sich

Bei viel Sonne und Wind entsteht in Deutschland derart viel Strom, dass andere Kraftwerke reduziert oder abgeschaltet werden müssen. Die Schwierigkeit bei der Schlüsselenergie besteht darin, dass die Spannung immer in einer gewissen Bandbreite liegt.

Hans Lüthi
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Im Kraftwerk Augst-Wyhlen stehen die Maschinenhäuser längs zum Rhein, hier könnten die Deutschen ihren Strom drosseln. Emanuel Freudiger

Im Kraftwerk Augst-Wyhlen stehen die Maschinenhäuser längs zum Rhein, hier könnten die Deutschen ihren Strom drosseln. Emanuel Freudiger

EMANUEL PER FREUDIGER

2014: Aare noch ohne Schneewasser

Das Jahr 2014 hat mit einer mittleren Wasserführung begonnen, auch die Schneehöhe im Einzugsgebiet der Aargauer Flüsse ist normal. Dies im Gegensatz zum Tessin, wo seit 1999 ein neuer Höchstwert erreicht wird. Die Schneeschmelze hat noch nicht eingesetzt. Aber mehr Wärme und starker Regen auf der Alpennordseite könnten sie beschleunigen. Dann stiegen die Pegel rasch an. 2013 kam es Anfang Juni zu einem bis 50-jährlichen Hochwasser der grossen Flüsse. Im Sulzerbach führte ein 300-jährliches Ereignis am 2. Mai zu einem Todesfall. (Lü.)

Wasserkraft am Rhein drosseln

Denn Deutschland denkt daran, auch die Wasserkraftwerke am Rhein zu drosseln, wenn der Stromüberfluss in Richtung Kollaps ansteigt. An den sieben grossen Wasserkraftwerken zwischen Reckingen und Augst-Wyhlen sind Aargauer und Deutsche in der Regel mit je 50 Prozent am Strombezug beteiligt. «Die nördlichen Nachbarn denken daran, diese Wasserkraftwerke zur Regulierung einzusetzen», bestätigt Patrick Rötheli, Leiter der Sektion Gewässernutzung im Departement Bau, Verkehr und Umwelt. «Aber wir wehren uns gegen eine solche Reduktion, diese Kraftwerke haben eine ausgezeichnete Umweltbilanz», erklärt Rötheli.

In der Energiebranche besteht die Befürchtung, dass die Marktverzerrung auf absehbare Zeit anhalten wird. Und weil Wind und Sonne Vorrang haben, bleibt die Praxis, andere Produktionen drosseln oder abschalten zu wollen.

Der Aargau steht in Kontakt mit dem Bundesamt für Energie und setzt darauf, dass der Bund solche Absichten verhindern kann. In den Konzessionen sei eine solche Option nicht vorgesehen. «Selbstverständlich darf man für Notfälle regulierend eingreifen, um einen Blackout zu vermeiden», unterstreicht Patrick Rötheli. Bei fast 50 Prozent Kohlestrom in Deutschland wäre es von der Logik her allerdings viel sinnvoller, diese Luftverschmutzer zu drosseln.

Freude über zweitbestes Jahr

Ungedrosselt liefen die 26 Flusskraftwerke an Aare, Limmat, Reuss und Rhein 2013 erneut in Hochform: Die gesamte Produktion überstieg 113 Prozent des langjährigen Mittels, der Rekord vom Vorjahr wurde nur leicht unterboten. Die 5831 Gigawattstunden (GWh) liegen nur zwei Prozent tiefer und reichen aus, um knapp 1,2 Millionen Menschen mit sauberem Wasserstrom zu versorgen.

«Das langjährige Mittel wird immer aus den letzten zehn Jahren errechnet, diesmal von 2004 bis 2013», erklärt Rötheli. Denn bei Ausbauten kommt es im Vergleich zu Verzerrungen: So kam Rheinfelden letztes Jahr auf 196 Prozent, Rupperswil-Auenstein auf 120 Prozent und Kappelerhof in der Limmat auf 125 Prozent des Mittelwerts.

Keinen Strom produzierte das im Umbau stehende Aarewerk Rüchlig in Aarau. Die vier neuen Maschinen werden im Laufe des Jahres sukzessive zugeschaltet. Auch beim Kraftwerk Aarau steht 2015 die Neukonzession an, ab 2019 wird es nach der Erneuerung rund 10 Prozent mehr Strom liefern können.

Potenzial nur noch gering

Einige Wasserkraftwerke im Aargau sind in den letzten 20 Jahren stark erneuert worden, das zusätzliche Potenzial ist heute gering. Ungestaute Strecken wie von Bad Zurzach zum Koblenzer Lauffen oder ab Bremgarten an der Reuss stehen unter Naturschutz. An Suhre und Wigger gibt es noch Möglichkeiten, aber an kleineren Bächen wird das Ökosystem höher gewichtet als der Wasserstrom.