Singh Salinder, Besitzer des grössten Bad Säckinger Pizzaservice gleich ennet der Schweizer Grenze, staunte nicht schlecht, als dieser Tage einer seiner Fahrer die Pizza wieder zurückbrachte. Der Schweizer Zoll hatte ihn am Grenzübergang Stein/Bad Säckingen angehalten und abgewiesen.

Der Grund: Zubereitete Lebensmittel, die von Schweizer Pizzahungrigen bestellt werden, seien eine Handelsware und müssten daher elektronisch angemeldet werden. Dies war zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht möglich, da die Zollverwaltung längst geschlossen hatte.

Ein paar Tage später flatterte bei Salinders Pizzadienst die schriftliche Bestätigung der Regelung ins Haus – per Einschreiben. Bislang, so heisst es in dem Schreiben, sei die Einfuhr der Waren von den Zollorganen an der Grenze toleriert worden, dies habe aber «gegenüber den Anbietern in der Schweiz zu einer Ungleichbehandlung und somit zu Wettbewerbsverzerrungen geführt.»

Deutsche Pizzas bleiben am Zoll hängen. Lieferant: «Das ist mein Untergang.»

Deutsche Pizzas bleiben am Zoll hängen. Lieferant: «Das ist mein Untergang.»

Dies, weil die Pizza-Lieferungen in den Aargau in letzter Zeit markant zugenommen hätten. Das hat die Schweizer Zollverwaltung nun veranlasst, künftig geltendes Recht anzuwenden.

Kein Wunder, haben sich die deutschen Kuriere bisher die Hände gerieben: Gleich ennet der Schweizer Grenze bekommt der Aargauer eine Pizza Margherita für 6 Euro (umgerechnet Fr. 7.35), Das ist nur rund halb so teuer wie hierzulande.

60 Prozent Schweizer

Dass eine Zollanmeldung an Sonn- und Feiertagen oder in den Abendstunden – also in den Hauptgeschäftszeiten der Lieferdienste – nicht möglich ist, verschweigt die Zollbehörde nicht: «Wir sind uns bewusst, dass diese Regelungen faktisch Lieferungen in die Schweiz verunmöglicht», heisst es im Schreiben.

Sollte sich ein Kurierdienst nicht an die Regeln halten, drohe ein Strafverfahren. Das ist bisher nicht geschehen, wie die Zollverwaltung auf Anfrage ausrichtet. Entsprechende Schreiben gingen auch an andere deutsche Pizza-Kuriere.

«Seit über 14 Jahren liefere ich in die Schweiz, noch nie gab es irgendein Problem», erzählt der 50-jährige Salinder. 60 Prozent des Umsatzes macht seine Pizzeria mit acht Angestellten in der Schweiz.

Nun sieht er seine Geschäftsgrundlage gefährdet. «Ohne Schweizer Kunden kann ich meinen Laden dichtmachen», sagt Salinder. Die Schweizer Kunden würden völlig verständnislos auf die Regelung reagieren.

Was die deutschen Pizzakuriere ärgert, könnte die Schweizer Berufskollegen freuen. Doch bisher haben sie von den verschärften Bedingungen noch nichts bemerkt. «Seit rund drei Jahren läuft das Geschäft ganz schlecht», sagt Roberto Ciardo von der Pizzeria La Roccia in Laufenburg.

Auch eine Preissenkung habe bisher nicht die erhoffte Wirkung gezeigt. Beim Sunshine Pizza Drive in Rheinfelden spürt man die Einbussen ebenfalls: «Die Deutschen nehmen uns viele Kunden weg», sagt Davut Kara.

Nun wird die Politik aktiv

Weil sich die deutschen Pizzakuriere benachteiligt fühlen, wird nun die Politik aktiv. Uwe Böhm, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee, kündigt Gespräche mit der Eidgenössischen Zollverwaltung an.

«Wir sprechen gerade über Einfuhrerleichterungen für ein grosses Schweizer Unternehmen, da geht es um Milliardensummen, und dann streiten wir uns um die Einfuhr von Pizzas. Er hofft auf eine schnelle und pragmatische Lösung.

Die Schweiz schade sich letztlich selbst, wenn sie die Lieferung aus Deutschland unterbinde. Gerade in den kleineren Gemeinden in Grenznähe gebe es oft gar keinen Schweizer Pizzaservice, welchen die Regelung zu schützen glaube.