Gewalt gegen Polizisten – das Thema ist seit den massiven Ausschreitungen um die Berner Reitschule fast täglich in den Schlagzeilen. Mehrfach kam es in den letzten Jahren auch zu Attacken auf Polizeifahrzeuge. So rissen im Dezember 2014 in Zürich gewalttätige Teilnehmer des «Reclaim the Streets»-Umzugs die Tür eines Streifenwagens auf und warfen eine brennende Fackel hinein. Und im April 2016 wurde bei Ausschreitungen in Basel nach dem Spiel zwischen dem FCB und dem FCZ ein Polizeiauto angezündet.

Zu ähnlichen Szenen ist es im Aargau bisher nicht gekommen. Dennoch plant die Kantonspolizei nun die Anschaffung eines Panzerfahrzeugs. Nach az-Informationen soll es sich um einen Radschützenpanzer des Typs Piranha handeln.

Bei der Kantonspolizei gibt man sich bei diesem Thema zurückhaltend. «Ich kann bestätigen, dass Absichten vorhanden sind, ein solches Fahrzeug zu beschaffen», sagt Sprecher Bernhard Graser auf eine erste Anfrage hin. Er verweist jedoch darauf, dass nur Kommandant Michael Leupold weitere Auskünfte erteilen dürfe.

Polizei gibt keine Details bekannt

Der neue Polizeipanzer ist also Chefsache, und tags darauf meldet sich Roland Pfister, Dienstchef Kommunikation, bei der az. «Ich kann Ihnen mitteilen, dass die Kantonspolizei aktuell über ein Schutzfahrzeug (gepanzertes Fahrzeug) verfügt.» Derzeit evaluiere die Kapo den Ersatz dieses Fahrzeugs, schreibt Pfister weiter. Und er schiebt nach: «Detaillierte Angaben dazu geben wir nicht bekannt, das Vorhaben ist noch nicht abgeschlossen.» Viel mehr ist auch auf Nachfrage nicht zu erfahren. Pfister gibt nicht bekannt, was für ein Panzerfahrzeug angeschafft werden soll, sondern sagt nur, verschiedene Modelle und Optionen würden geprüft. Zum Preis des neuen Polizeipanzers äussert sich der Sprecher nicht, sagt aber: «Die Beschaffung erfolgt aus dem laufenden Budget der Kantonspolizei Aargau.»

Auch über das gepanzerte Fahrzeug, das ersetzt werden soll, verrät Roland Pfister kaum etwas. Aus taktischen Gründen gibt er keine Auskunft über Typ, Kaufjahr und bisherige Einsätze. Er sagt lediglich, das Fahrzeug stehe der Kantonspolizei seit einigen Jahren zur Verfügung und habe einen Sonderschutz. Und wofür braucht die Kantonspolizei ein solches Panzerfahrzeug? «Im Vordergrund stehen Einsätze im öffentlichen Raum, wo erhebliche Sicherheitsgefährdungen möglich wären», erläutert Pfister, ohne allerdings konkrete Beispiele zu nennen.

Nur wenige Panzerfahrzeuge

So lässt sich nur mutmassen, welche Modelle für die Kantonspolizei Aargau infrage kommen könnten – und wie teuer sie sind. Ein Blick über die Kantonsgrenze zeigt: Panzerfahrzeuge sind bei Polizeikorps in der Schweiz eine Seltenheit. Die Kantonspolizei Bern verfügt laut Sprecherin Ramona Mock über keine gepanzerten Fahrzeuge. Trotz der Ausschreitungen um die Reitschule seien aktuell auch keine solchen Anschaffungen in Planung.

Auf dem Flughafen Zürich ist seit 2011 ein «New Eagle IV» der Schweizer Rüstungsfirma Mowag im Einsatz. Das rund acht Tonnen schwere und knapp eine Million Franken teure Fahrzeug soll Flugzeuge beschützen und durch seinen Anblick abschreckend wirken. 2014 kam es zu einem Zwischenfall mit dem «Eagle»: Ein Polizist fuhr das Fahrzeug in einen Graben, es fiel monatelang aus und musste für über 200'000 Franken repariert werden. Als Ersatz mietete die Zürcher Polizei einen typengleichen Radschützenpanzer der Kantonspolizei Thurgau. Diese hat den «Piranha» seit 2004 im Bestand, wie Mediensprecher Andy Theler sagt.

Thurgauer Fahrzeug nie eingesetzt

«Das Fahrzeug kann bei Bedrohungslagen zum Schutz der eigenen Kräfte oder zur Evakuation von gefährdeten oder verletzten Personen eingesetzt werden», führt er aus. Eingesetzt wurde der Thurgauer Piranha bisher nur ausserkantonal. Kantonsintern wurde das Fahrzeug bei einem einzigen Einsatz bereitgestellt. Es sei dann aber nicht benötigt worden, sagt Theler. Noch dieses Jahr wird der 22-jährige Piranha ausgemustert.

Ersetzt wird der Radschützenpanzer durch ein gepanzertes Mercedes-Sprinter-Modell. Dieses sogenannte «Schutzfahrzeug Ostpol» könnte bei Geiselnahmen, Schusswechseln, Amoksituationen oder Terroranschlägen zum Einsatz kommen, wie die «Südostschweiz» berichtete. Der Kostenrahmen bei der Ausschreibung lag bei rund 600'000 Franken, der Preis liege darunter, erklärte Reto Cavelti, Präsident des Ostschweizer Polizeikonkordats. Den genauen Betrag wollte er allerdings nicht bekannt geben. Kommentar Meinungsseite