Aarau
Deshalb erhält Aarau den Wakkerpreis 2014 – doch noch ist nicht alles perfekt

Aarau wird wegen ihrer vorbildlichen Umsetzung einer qualitätsvollen Verdichtung mit dem Wakkerpreis ausgezeichnet. Die Stadt wurde aus 24 Gemeinden ausgewählt. Doch trotz des Preises – es warten noch Herausforderungen auf die Kantonshauptstadt.

Janine Müller
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Wohnüberbauung Aarepark Mit der Wohnüberbauung Aarepark wurde auf dem Areal des früheren städtischen Werkhofs durch Transformation neue Identität geschaffen. Dank einer klugen Bepflanzung konnte auf Barriere bildende Elemente wie Zäune oder Trennwände verzichtet werden.
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Mehrfamilienhäuser an der Augustin-Keller-Strasse Dieses massgeschneiderte privat lancierte Verdichtungsbeispiel aus dem ruhigen, durchgrünten Gönhardquartier zeigt auf, wie wichtig die Grundstückabschlüsse und Einfassungen mit ihren Bepflanzungen an den Rändern und den typischen Umfriedungen für den Erhalt des Quartiercharakters und für die Qualität des öffentlichen Strassenraums sind.
Deshalb erhält die Stadt Aarau den Wakkerpreis 2014
Markthalle am Färberplatz Ein Beispiel für Verdichtung am richtigen Ort ist auch die Markthalle in der Altstadt.
Schulanlage Gönhard Die Schulanlage Gönhard, ein pavillonartiges Primarschulhaus aus den 50er Jahren, wurde so qualitätsvoll und sorgfältig restauriert und erweitert, dass es gleich unter kantonalen Denkmalschutz gestellt und erst noch mit dem Denkmalpreis 2013 der Konferenz der Schweizer Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger ausgezeichnet wurde.
Neuer Bürobau und zwei Wohnbauten zwischen Bahnhof und Gartenstadtquartier Ein Beispiel für qualitätsvolle Verdichtung am richtigen Ort ist der Bürobau und zwei Wohnbauten zwischen Bahnhof und Gartenstadtquartier.
Büro- und Wohnüberbauung an der Hinteren Bahnhofstrasse Mit dem Rücken zu Strasse und Bahn im Norden und unter Beachtung der Topografie bildet diese Überbauung eine städtebaulich klare Trennung von Innenstadt und durchgrünter Wohnstadt.
Eine historische Häuserzeile in der Laurenzenvorstadt in Aarau
Geschützte Arbeitersiedlung mit charakteristischen Vorgärten Ein Beispiel, wie in Aarau die verschiedenen Stadtquartiere bewahrt werden.

Wohnüberbauung Aarepark Mit der Wohnüberbauung Aarepark wurde auf dem Areal des früheren städtischen Werkhofs durch Transformation neue Identität geschaffen. Dank einer klugen Bepflanzung konnte auf Barriere bildende Elemente wie Zäune oder Trennwände verzichtet werden.

Keystone

Der Schweizerische Heimatschutz hat am Dienstagmorgen der Stadt Aarau den Wakkerpreis verliehen. Die Kantonshauptstadt erhält die Auszeichnung für die vorbildliche Umsetzung einer qualitätsvollen Verdichtung am richtigen Ort, heisst es in der Medienmitteilung. Und trotzdem werden die Identität der verschiedenen Stadtquartiere bewahrt. Nach Turgi (2002) für die qualitätsvolle Siedlungsentwicklung und Laufenburg (1985) für sein Ortsbild von nationaler Bedeutung erhält die Stadt Aarau als dritte Aargauer Gemeinde den Wakkerpreis.

In Aarau ist noch nicht alles perfekt

Für den Schweizer Heimatschutz sei die Annahme der Revision des Raumplanungsgesetz am 3. März 2013 ein Freudentag gewesen, sagt Geschäftsleiter Adrian Schmid. „Dieses verpflichtet die Gemeinden, verdichtet zu bauen." Und weil Aarau dies besonders gut macht und qualitativ verdichtet, habe die Aargauer Kantonshauptstadt den Wakkerpreis verdient.

Die Entscheidung für Aarau fiel am 23.November 2013. Der Zentralvorstand wählt jeweils zwischen rund 24 Gemeinden aus, welche von einer Kommission über Jahre hinweg verfolgt werden.

Doch nicht alles in Aarau ist perfekt. „Die Stadt Aarau steht mit der Entwicklung des Torfelds vor einer grossen Herausforderung", sagt Schmid. „Aber Aarau kann auf einem guten Fundament aufbauen." Eine sorgfältige Planung über fünf bis zehn Jahre sei dabei wichtig.

Einsatz gegen Zersiedelung

Die Stadt Aarau setze sich seit Jahren gegen die Zersiedelung der Landschaft ein. Aarau zeige Wege auf, wie sich Wachstum und der Erhalt und die Pflege von Stadtquartieren und Grünräumen vereinbaren lassen. Das können sich andere Städte und Gemeinden als Vorbild nehmen.

Der Heimatschutz lobt auch die hohe Lebensqualität, welche durch die städtebauliche Vielfalt entstehe. Von der dichten Altstadt über Gartenstadtquartiere bis hin zur Grosssiedelung Telli sei alles vorhanden.

Historische Bauten wurden erhalten

Drei Aspekte hebt der Schweizerische Heimatschutz besonders hervor: die Gartenquartiere, die Altstadt sowie auch die Freiräume und Naherholungsgebiete entlang der Aare, aber auch die verschiedenen Grünanlagen innerhalb des Siedlungsgebiets.

Die Stadt Aarau weist knapp über 20'000 Einwohner auf. Um die Kantonshauptstadt herum hat sich eine Agglomeration mit weiteren 87'000 Einwohnern entwickelt. Geprägt ist die Stadt vom Kontrast ihrer Altstadt mit der Grosssiedlung Telli mit ihren vier grossen Wohnblöcken mit 2500 Bewohnerinnen und Bewohnern.

Der Wakkerpreis würdigt vor allem die differenzierten Verdichtungsstrategien, die sorgfältig auf quartiertypische Gegebenheiten abgestimmt sind. Historisch wertvolle Stadtteile und Grünräume konnten erhalten oder aufgewertet werden.

Öffentliche Anerkennung ist wichtig

Der Wakkerpreis wird jährlich vom Schweizer Heimatschutz vergeben. Die Gemeinde erhält 20'000 Franken. Das Preisgeld hat aber eher symbolischen Charakter. Wichtiger ist die öffentliche Anerkennung, die eine Gemeinde mit der Verleihung erhält. Der Wakkerpreis wird jenen Gemeinden verliehen, die besondere Leistungen vorzeigen können. Darunter fällt zum Beispiel das Fördern gestalterischer Qualität bei Neubauten, der respektvolle Umgang mit historischen Bauten, aber auch eine vorbildliche Ortsplanung, die Rücksicht auf die Umwelt nimmt.

Die offizielle Preisübergabe findet am 28. Juni mit einer öffentlichen Feier statt.