Tattoo-Sommer

Dermatologe Felix Bertram erklärt die Risiken des Tätowierens

In der Serie Tattoo-Sommer erklärt der Dermatologe Felix Bertram, wo die Risiken liegen und was ein ideales Tattoo ist.

Stört sich der Dermatologe grundsätzlich an Tattoos?

Felix Bertram: Ich persönlich störe mich überhaupt nicht an Tattoos – es gibt ja durchaus sehr schöne Exemplare.

Was ist die grösste Fehleinschätzung, die Leute vor dem Stechen eines Tattoos machen?

Ein Tattoo ist eine Entscheidung fürs Leben, und das sollte man sich bewusst sein. Geschmäcker, Partner und Prioritäten ändern sich. Ebenso natürlich die Beschaffenheit der Haut.

Lassen sich Tattoos ganz entfernen?

Wer glaubt, man könne ein Tattoo problemlos mittels Laser entfernen, der liegt falsch. Nur wenn ein Tattoo einfarbig ist, nicht zu gross und die Pigmente in der richtigen Hautschicht liegen, lassen sich Tattoos relativ gut mit dem Laser entfernen. Allerdings bleibt meistens ein «weisser Schatten» bestehen.

Welche Methode wird am häufigsten angewendet?

Am häufigsten und effizientesten ist noch immer der Laser. Dieser kommt allerdings bei bestimmten Farben und Amateurtätowierungen an seine Grenzen.

Was passiert beim Lasern?

Ein Laser zerstört mit einer hohen Lichtenergie einzelne Farbpigmente und zertrümmert diese. In der Folge werden sie dann einerseits über die Hautoberfläche ausgeschafft, andererseits vom Immunsystem über die Lymphbahnen abtransportiert. Nach heutiger Datenlage ergeben sich daraus keine gesundheitlichen Bedenken. Da Tattoofarben aber nicht zulassungspflichtig sind, ist nie hundertprozentig gesichert, dass die Inhaltsstoffe völlig risikolos und unschädlich sind.

Gibt es Farben, die sich schlechter lasern lassen?

Für unterschiedliche Farben braucht es unterschiedliche Laser, einige Farben wie Gelb, Violett und teilweise auch Grün reagieren eher schlecht auf eine Laserbehandlung. Und wenn die Farbpigmente in unterschiedlichen Hautschichten liegen, wird es auch schwierig.

Wie teuer ist das Lasern?

Der Preis richtet sich nach der Fläche und dem Aufwand. Es beginnt bei 450 Franken pro Sitzung, und man benötigt fünf bis acht Sitzungen. Was man sicher sagen kann: Die Entfernung ist in der Regel deutlich teurer als das Stechen des Tattoos.

Tut das Lasern mehr weh als das Stechen?

Nein, das nicht. Ich würde sagen, es ist etwa gleich. Ausserdem haben wir gute Möglichkeiten, den Behandlungsbereich unempfindlich zu machen, sodass der Kunde praktisch gar nichts spürt.

Besteht die Aussicht, dass es im Bereich der Tattoo-Entfernung in absehbarer Zeit einen technologischen Durchbruch geben könnte?

Die Lasertechnologie ist durchaus fortschrittlich und wird sich weiter entwickeln. Schwierig ist es, ein Tattoo völlig ohne sichtbare Folgen zu entfernen – denn meistens bleibt eine diskrete weisse Vernarbung zurück. Diese entsteht allerdings bereits durch die Tätowierung, welche ja eine Verletzung der Haut darstellt. Die Laserbehandlung ist nun die zweite Verletzung, und die sichtbare Folge ist fast unausweichlich. Andere Methoden wie Cremes haben sich nicht durchgesetzt. Innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre wird es aus meiner Sicht in der Tattooentfernung keine Wunder geben.

Was wäre aus Sicht des Dermatologen ein optimales Tattoo?

Ein ideales Tattoo ist ein wohlüberlegtes Tattoo, ein schönes Motiv von einem Profi gestochen auf einem schönen Körper und in einer Region, die sich bei Bedarf auch abdecken lässt. Denn es gibt im Leben immer wieder mal Situationen, wo es angebracht ist, ein Tattoo zu verdecken. Ein ideales Tattoo ist eines, dass nie entfernt werden muss, weil der Träger es sich gut überlegt hat und sich das Tattoo bewusst als lebenslangen Begleiter hat stechen lassen.

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