Offiziell wird eine regionale Management-Holding gegründet. Faktisch ist es die Fusion von zwei Traditionsbetrieben des öffentlichen Verkehrs: der Bremgarten-Dietikon-Bahn (inklusive ihrer Tochtergesellschaften) und der Wynental- und Suhrentalbahn (WSB).

Angeordnet wurde das Zusammengehen vom grössten Aktionär der beiden Gesellschaften: dem Kanton Aargau. Bis die Management-Holding steht, müssen noch schwierige Entscheide gefällt werden: Wer wird Präsident? Wer Konzernchef? Wo wird die neue Gesellschaft ihren Sitz haben? Wo ihre Büros? Wird eine neue Dachmarke (Firmenname) geschaffen?

In einem politischen Umfeld sind das brisante Fragen. Im öffentlichen Verkehr soll möglich werden, was etwa bei den Kantonsspitälern nur sehr schwer denkbar ist: eine Fusion von staatsnahen Betrieben aus dem West- und dem Ostaargau.

13,7 und 15,5 Millionen Fahrgäste

Die Ausgangslage: Die AAR bus+bahn betreibt einerseits die WSB und andererseits den Busbetrieb Aarau AG (BBA). Die BBA sind nicht Teil der Fusion, weil die Stadt Aarau ihr Mehrheitsaktionär ist – und die Stimmbürger 2008 klar zum Ausdruck gebracht haben, dass das so bleiben soll. Aber: Die BBA dürften künftig von der Management-Holding geführt werden. WSB/BBA haben 271 Angestellte, 23 Züge und 36 Busse. Sie beförderten 2015 insgesamt 13,7 Millionen Passagiere.

Die BDWM Transport AG ist Besitzerin der Bremgarten-Dietikon-Bahn (BD, S17) als auch der Limmat Bus AG (60 Busse). Die Busse sind zwischen Zürich und Killwangen, im Raum Zofingen/Schöftland und zwischen Wohlen und Meisterschwanden unterwegs. Die BDWM Transport AG hat 252 Angestellte. Sie beförderte 2015 insgesamt 15,5 Millionen Fahrgäste.

Die BDWM hat im Mai einen Prestigeauftrag erhalten: Sie wird Betreiberin der neuen Limmattalbahn. Die Kantone Aargau und Zürich bauen bis 2022 für 755 Millionen Franken zwischen Zürich Altstetten und Killwangen-Spreitenbach eine 13,4 Kilometer lange Stadtbahn. Wie viel zusätzliches Personal für die geplanten acht Züge notwendig sein wird, ist noch unklar.

Fest steht: Der Kanton will die Fusion von BDWM und WSB bis spätestens 2019 durchziehen, damit die Startvorbereitungen der Limmattalbahn nicht durch die Reorganisation behindert werden.

Wer wird neuer Präsident?

In der Management-Holding WSB/BDWM werden die Bereiche Finanzen, Controlling, Personal und Unternehmensentwicklung zusammengeführt. Der operative Betrieb der Bahnen und Bussgesellschaften wird laut Medienmitteilung «weiterhin lokal verankert vor Ort sein». Hier sei weder ein leistungs- noch ein Stellenabbau geplant.

Severin Rangosch (55), Chef der BDWM

Severin Rangosch (55), Chef der BDWM

Wenn Synergien erzielt werden sollen, ist aber im Verwaltungsbereich mit einem moderaten Jobabbau zu rechnen. Ob es dabei zu vereinzelten Entlassungen kommen wird, ist zurzeit völlig offen. Fest steht dagegen, dass die Fusion auf der Führungsebene zu Veränderungen führen wird. «Der Regierungsrat hat beschlossen, den Verwaltungsrat und die Konzernleitung der Transportunternehmen zusammenzuführen», heisst es in der Medienmitteilung.

Die Ausgangslage: Der Verwaltungsrat der WSB hat sieben Mitglieder. Er wird von Kaspar Hemmeler (46, Aarau) präsidiert. Der Verwaltungsrat der BDWM hat fünf Mitglieder. Er wird von Herbert Huber (69, Tennwil) präsidiert.

Mathias Grünenfelder (55), Chef der AAR bus+bahn

Mathias Grünenfelder (55), Chef der AAR bus+bahn

Die Direktoren sind beide 55 Jahre alt. Mathias Grünenfelder ist seit dem Frühling 2001 Chef von WSB und BBA. Er arbeitete früher bei der RhB. Grünenfelder verdiente gemäss Geschäftsbericht letztes Jahr 245 000 Franken.

Severin Rangosch ist seit 2007 als Chef bei der BDWM Transport AG. Er kam von den SBB. Rangosch ist unter anderem Verwaltungsrat von Bernmobil (Bus und Tram in der Stadt Bern) und des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS). Er ist zudem seit 2009 Präsident der A-Welle (Tarifverbund Aargau-Solothurn). Von der BDWM erhielt er letztes Jahr 210 000 Franken Lohn.

Aarau für die Zürcher denkbar?

Völlig offen ist, wo der Sitz der Management-Gesellschaft und die Büros der zusammengelegten Verwaltung sein werden. Die BDWM-Angestellten sind im Bahnhof Bremgarten untergebracht. Die Expansionsmöglichkeiten sind eher beschränkt.

Das AAR bus+bahn-Personal hat die Büros in einem Neubau beim Bahnhof Aarau. Der Neubau ist nicht voll vermietet. Bei der Wahl der Standorte dürfte die Limmattalbahn eine Rolle spielen: Haben die Zürcher lieber, wenn die Management-Gesellschaft im nahen Bremgarten oder im fernen Aarau sitzt?

Gemäss Medienmitteilung werden die Details der neuen Management-Holding in den nächsten Monaten ausgearbeitet. Das Reorganisationskonzept soll den ordentlichen Generalversammlungen der betroffenen Unternehmen im Sommer 2017 vorgelegt werden.