Sichtung

Der Wolf ist zurück im Aargau – das sind die sechs wichtigsten Fragen

Wildlebende Wölfe (zwei Jungtiere, ca. sechs Monate alt) in der Schweiz (Fotofallenaufnahme)

Wildlebende Wölfe (zwei Jungtiere, ca. sechs Monate alt) in der Schweiz (Fotofallenaufnahme)

Erstmals wurde ein Wolf auf Aargauer Boden fotografiert. Muss man vor dem Tier Angst haben? Wird er abgeschossen? Diese und weitere Fragen beantworten wir in einem Listicle.

Wieviele Wölfe gab es schon im Aargau?

In den letzten paar Jahren hatte es vier Meldungen zu Sichtungen von Wölfen im Aargau oder an der Kantonsgrenze gegeben. Einer davon war im Jahr 2014 in Schlieren im Kanton Zürich unter die S-Bahn geraten und dabei gestorben. Kurz davor war er bei Oberwil-Lieli gesichtet worden. Die anderen drei Meldungen (zwei davon im unteren Fricktal) registrierte der Kanton anhand von plausiblen Beschreibungen, konnte diese aber nicht überprüfen. Nun gibt es den ersten fotografischen Beweis dafür, dass der Wolf den Weg in den Kanton Aargau gefunden hat.

Muss man Angst haben, dem Wolf zu begegnen?

Nein, die Tiere meiden den Kontakt zu Menschen. Angriffe von Wölfen auf Menschen sind extrem selten, sind aber schon vorgekommen. Die «Gruppe Wolf Schweiz» schreibt dazu: «Aus historischer Zeit liegen einige Berichte vor, welche auf Wolfsangriffe hindeuten. Der Wahrheitsgehalt dieser Schilderungen ist aber meistens nicht überprüfbar. Einige wenige gesicherte Wolfsangriffe liegen auch aus dem 20. Jahrhundert vor.» Angriffe würden aber stets spezielle Situationen voraussetzen. Dazu seien drei Faktoren eruiert worden:

  • Tollwut (Symptome der Tollwut sind u.a. eine veränderte Verhaltensweise mit Angst und Aggressivität)
  • Aktive Fütterung durch Menschen (Folge ist eine Futterkonditionierung, d.h. der Wolf bringt Menschen mit Futter in Verbindung)
  • Fehlen von natürlicher Beute (der Wolf ist gezwungen, auf Beute auszuweichen, die nicht seinem Beuteschema entspricht)

Testen Sie Ihr Wissen zum Wolf!

Der Ständerat hat sich am Mittwoch gegen eine Aufhebung des Wolfschutzes ausgesprochen. Doch wie gut kennen Sie das Tier eigentlich?

Der Wolf war in der Schweiz rund 100 Jahre lang ausgerottet. Wann kehrte er erstmals zurück?

2014 wurde der erste Wolf, der wieder in die Schweiz gewandert war, tot im Kanton Zürich aufgefunden.

Der Wolf kam in den 1970er-Jahren in die Schweiz zurück.

1995 wurde in der Schweiz erstmals wieder ein Wolf gesichtet, der von Italien herkam.

Welchen Vertrag hätte die Schweiz kündigen müssen, hätten National- und Ständerat einer Aufhebung des Schutzes des Wolfs zugestimmt?

Die Berner Konvention

Das Basler Übereinkommen

Die Erklärung von Bern

Wie sollte man sich verhalten, wenn man einem Wolf begegnet?

Mit den Armen fuchteln und bellen, um ihn einzuschüchtern.

Ruhig stehenbleiben und sich dann langsam entfernen.

Auf den Boden liegen und warten, bis er vorbeigezogen ist.

Wie gross werden hiesige Wölfe?

Zwischen 100 und 160 Zentimeter lang bei einer Schulterhöhe von 50 bis 100 Zentimetern

Zwischen 80 und 120 Zentimeter lang bei einer Schulterhöhe von 50 bis 80 Zentimetern

Zwischen 160 und 250 Zentimeter lang bei einer Schulterhöhe von 80 bis 130 Zentimetern

Im Juni 2014 wurde der Wolf M43 von einem Zug überfahren. Wo starb das Tier?

In Schlieren

In Baden

In Zürich-Altstetten

Wieso hiess dieser Wolf M43?

Die Behörden erteilen den Schweizer Wölfen einen Namen per Zufallsgenerator.

Der Zürcher Wildhüter, der ihn entdeckte, taufte ihn so: Dessen Frau heisst Marianne und wurde 1943 geboren.

Weil er der 43. in der Schweiz registrierte männliche Wolf ist.

Wie viele Wölfe gibt es heute weltweit?

Rund 200 000

Rund 500 000

Rund 2 Millionen

Der Film "Der mit dem Wolf tanzt" gewann 1991 sieben Oscars. Auf welchen Namen taufte Kevin Costners Figur den tierischen Hauptdarsteller?

Flocke - weil der Wolf auf dem ganzen Körper weisse Fleckchen hat

Socke - weil der Wolf weiss gefärbte Vorderpfoten hat

Locke - weil der Wolf ein aussergewöhnlich langes und lockiges Fell hat

Die Gründer welcher Stadt wurden der Legende nach von einer Wölfin gesäugt?

Rom

Athen

Heidelberg

Wie heissen die jagdlichen Einrichtungen, bei denen zum Anlocken von Raubtieren wie Wölfen Fleischstücke ausgelegt werden?

Balgplatz

Flittchenplatz

Luderplatz

Von wem stammt das musikalische Märchen "Peter und der Wolf?"

Pjotr Iljitsch Tschaikowski

Sergei Sergejewitsch Prokofjew

Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch

In welchem Märchen kommt kein Wolf vor?

Rotkäppchen

Dornröschen

Die drei kleinen Schweinchen

Uiuiui, da heulen ja die Wölfe.

Weniger als die Hälfte richtig - da ist wohl jemand kein Experte.

Sehr gut!

Sie haben mehr als die Hälfte der Antworten richtig.

Wie gut ist der Wolf geschützt?

Der gesetzliche Schutz des Wolfes wird derzeit überarbeitet: Nachdem 2018 der Ständerat der Revision des eidgenössischen Jagdgesetzes zugestimmt hat, die eine Lockerung des Wolfsschutzes beinhaltet, hat die Umweltkommission des Nationalrats ebenfalls zugestimmt. Am 8. Mai wird das Geschäft im Nationalrat behandelt.

Bereits heute dürfen Wölfe abgeschossen werde, allerdings nur bei grossen Schäden, die nicht mit Herdenschutz verhindert werden können, oder bei einer Gefährdung von Menschen.

Die «Gruppe Wolf Schweiz» schreibt zur Gesetzesrevision: «Gemäss dem aktuellen Entwurf der Revision, wie ihn die Umweltkommission des Nationalrates beschlossen hat, könnte der Wolf während fünf Monaten im Jahr faktisch bejagt werden, die Kantone könnten die Bejagung selbstständig und ohne Bewilligung des Bundes verfügen und es müsste kein grosser Schaden mehr dafür vorliegen.» Der Bundesrat dagegen begründet, mit der Revision «sollen die gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden, um zukünftig Wolfsbestände regulieren zu können, bevor grosse Konflikte entstehen.» Er weist darauf hin, dass solche Eingriffe im Rahmen des Übereinkommens über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume (Berner Konvention) erfolgen müssen.

Wann wirds für den Wolf kritisch?

In der nationalen Jagdverordnung heisst es: Wenn im Streifgebiet eines Wolfes innerhalb von vier Monaten mindestens 15 Nutztiere getötet wurden, darf «reguliert» werden. Sprich: Ein Wolf darf zum Abschuss freigegeben werden. Taucht ein Wolf regelmässig in unmittelbarer Nähe von Siedlungen auf und zeigt sich zu wenig scheu oder aggressiv, könnten Menschen gefährdet sein – auch dann ist eine Abschussfreigabe möglich. 

Dieser Abschnitt aus der Jagdverordnung des Bundes beschreibt die Regulierung von Wölfen.

Ausschnitt aus der «Verordnung über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel» des Bundes

Dieser Abschnitt aus der Jagdverordnung des Bundes beschreibt die Regulierung von Wölfen.

Wird sich der Wolf im Aargau niederlassen?

«Vermutlich nicht», sagt Thomas Stucki von der kantonalen Jagdverwaltung. Der Wolf bevorzuge grosse und weite Gebiete, in die er sich zurückziehen kann und genügend Beutetiere findet.

Im Gegenzug zu alpinen und voralpinen Regionen wie dem Wallis oder Graubünden ist die Nutztierhaltung im Aargau in den meisten Fällen siedlungsnah und die Tiere sind eingezäunt. Dass der Wolf in der Region Schafe reisst, ist also eher unwahrscheinlich. 

Woran erkennt man einen Wolf?

Einen Wolf zu erkennen, sei für einen Laien gar nicht so leicht, sagte, erklärte Gabor  Bethlenfalvy in einem früheren Bericht der Aargauer Zeitung. Er ist Wolfsexperte beim WWF Schweiz. Grundsätzlich sehe das Raubtier ähnlich aus wie ein Schäferhund, «der Wolf ist aber etwas schlanker, hat eine lange Schnauze und abgerundete Ohren.» Die Fellfarben der Wölfe in der Schweiz variieren laut von Bethlenfalvy zwischen Hellbraun und Ocker, auf dem Rücken findet sich meist ein schwarzer Bereich. «An der Stirn weisen Wölfe eine dunklere Färbung als Schäferhunde auf, die sogenannte Maske ist markanter abgesetzt.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1