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Der Wolf ist im Aargau im Anmarsch – doch woran erkennt man ihn?

Woran erkennt man den Wolf

Woran erkennt man den Wolf

Vor einer Woche wurde in Schlieren ein Wolf vom Zug überfahren – nun fragen sich die Menschen, ob das Raubtier auch im Aargau bald gesichtet wird. Doch wie erkennt man überhaupt einen Wolf?

Die 88-jährige Hella Bodin aus Baden ist sich sicher, vor rund zwei Wochen einen Wolf gesehen zu haben. Doch wie schwierig ist es, einen Hund von einem Wolf zu unterscheiden?

Gabor von Bethlenfalvy ist Wolfsexperte beim WWF Schweiz. Er sagt: «Für einen Laien ist es nicht ohne weiteres auf den ersten Blick möglich, einen Wolf sicher zu erkennen.» Grundsätzlich sehe das Raubtier ähnlich aus wie ein Schäferhund, «der Wolf ist aber etwas schlanker, hat eine lange Schnauze und abgerundete Ohren», nennt er einige Merkmale.

Die Fellfarben der Wölfe in der Schweiz variieren laut von Bethlenfalvy zwischen Hellbraun und Ocker, auf dem Rücken findet sich meist ein schwarzer Bereich. «An der Stirn weisen Wölfe eine dunklere Färbung als Schäferhunde auf, die sogenannte Maske ist markanter abgesetzt.»

Wolf oder doch Hund?

Vergleicht man die Bilder des Wolfes, unten, und des Tschechischen Wolfshundes, oben links, werden die Unterschiede sichtbar. Dennoch rät der WWF-Wolfsexperte allen, die einen vermeintlichen Wolf sehen, ein Foto zu machen und dies dem zuständigen Wildhüter vorzulegen. «Dass sich nun auch im Aargau Leute melden, die einen Wolf gesehen haben wollen, war zu erwarten», sagt von Bethlenfalvy.

Die Menschen seien nun sensibilisiert und schauten deshalb genauer hin. Es sei durchaus möglich, dass das Tier, das am Mittwoch vor einer Woche in Schlieren überfahren wurde, zuvor auch durch den Aargau gestreift sei. «Wölfe können pro Tag ohne Probleme zwischen 50 und 70 Kilometer zurücklegen», gibt er zu bedenken.

Es könne aber gut sein, dass sich ein Wolf relativ lange völlig unbemerkt in einem Gebiet aufhalte. «Anders als ein Hund, der eher zickzack durch die Gegend läuft, ist ein Wolf sehr zielstrebig, hält sich aber weitgehend in Deckung», sagt der WWF-Experte.

Er selber habe sich gefreut über die Meldung des Wolfes in Schlieren. Dies zeige, dass sich längerfristig eine überlebens-
fähige Wolfspopulation in der Schweiz entwickeln könne. «Aber ich bin natürlich traurig, dass das Tier in Schlieren überfahren wurde und nun tot ist.»

Tipp: Langsam entfernen
Doch wie soll man sich verhalten, wenn man einem lebendigen Wolf begegnet? Gabor von Bethlenfalvy rät, zuerst einmal ruhig stehen zu bleiben und sich dann langsam zu entfernen. «Provozieren Sie den Wolf nicht, gehen Sie nicht auf ihn zu, rennen Sie aber auch nicht weg», sagt der Wolfsfachmann. Normalerweise werde sich ein Wolf bei einer Begegnung mit Menschen scheu verhalten und rasch wieder entfernen. «Besonders bei Jungtieren kann es aber vorkommen, dass sie neugierig sind, stehen bleiben und Sie anschauen», sagt von Bethlenfalvy. Auf keinen Fall sollte man versuchen, Wölfe zu berühren oder zu füttern. «Der Wolf ist ein Wildtier, dementsprechend ist ein gesunder Respekt im Umgang mit ihm geboten», betont der Experte.

Wer eine Wolfsspur entdecke – die Tiere hinterlassen charakteristische Fährten, weil sie oft die Hinterpfote in den Abdruck der Vorderpfote derselben Körperhälfte setzen – sollte dieser laut von Bethlenfalvy nicht folgen. «Das könnte gefährlich werden, in solchen Fällen sollte man die Jagdaufsicht oder den zuständigen Wildhüter informieren», rät der Wolfsfachmann.

Nur einzelne Wölfe

Für ihn ist aber klar, dass solche Begegnungen im Aargau auch künftig selten bleiben dürften. «Es gibt viel bessere Reviere für Wölfe in der Schweiz, deshalb dürften sich im Mittelland keine Tiere niederlassen.» Es sei aber gut möglich, dass Wölfe gesichtet würden, die auf Wanderschaft seien und neue Partner und Reviere suchen. Dabei dürfte es sich um einzelne Tiere handeln – daher erwartet Gabor von Bethlenfalvy auch keine Konflikte mit Nutztierhaltern. «Wölfe ernähren sich in erster Linie von Rehen und Hirschen, dazu könnten im Mittelland auch Wildschweine kommen», sagt er.

Dennoch sei es nicht ganz ausgeschlossen, dass ein Wolf auch im Mittelland ein Schaf reisse oder Kaninchen oder Hühner bei Bauernhöfen erbeute. «Es wäre aber völlig verfehlt, nun schon über mögliche Schutzmassnahmen zu sprechen. Tatsache ist, dass im Aargau noch kein Wolf gesichtet wurde», hält der Experte fest.

Haben Sie einen Wolf gesehen? Schicken Sie uns Fotos oder Videos auf online@azmedien.ch

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