Aargauer Politik
Der Veteran unter den Aargauer Parteipräsidenten macht Politik im Namen des Evangeliums

Wir stehen offen für unsere Grundlage ein, und daran soll man unsere Politik auch messen können.» Das sagt EVP-Präsident Roland Bialek. Er gilt als Veteran unter den Aargauer Parteipräsidenten und hofft auf eine Trendwende.

Urs Moser
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Roland Bialek steht schon seit 16 Jahren an der Spitze der Aargauer EVP.

Roland Bialek steht schon seit 16 Jahren an der Spitze der Aargauer EVP.

Mario Heller

Ein Zuckerschlecken ist das Amt des Parteipräsidenten nicht. Ausser vielleicht einer bescheidenen Spesenentschädigung gibt es dafür keine Bezahlung.

Der zu leistende Aufwand dagegen ist durchaus beträchtlich, die meisten Präsidenten schätzen ihn auf einen halben bis sogar einen ganzen Arbeitstag pro Woche.

Und grossen Ruhm kann man sich an der Spitze einer Kantonalpartei auch nicht gerade erwerben: Man wird etwas gefeiert, wenn eine Wahl gewonnen wird.

Kassiert eine Partei eine Schlappe, hat allerdings auch der Präsident dafür die Prügel einzustecken.

Roland Bialek tut sich das seit 16 Jahren an. Er ist mit Abstand der amtsälteste aktuelle Aargauer Parteipräsident, Amtskollegen hat er in dieser Zeit im Dutzend kommen und gehen sehen.

Und er wird seine Partei auch dieses Jahr ein weiteres Mal durch die Grossratswahlen führen: Die EVP, gesamtschweizerisch eine Minipartei mit gerade noch zwei Nationalratsmandaten, im Aargau immerhin nach wie vor in Fraktionsstärke mit sechs Mitgliedern im Kantonsparlament vertreten.

Diese Mandate halten, möglichst in allen Bezirken mit einer eigenen Liste antreten und den leichten Aufschwung bei den eidgenössischen Wahlen vom letzten Herbst mitnehmen, das sind seine Ziele.

Aufschwung? Die EVP erreichte bei den Nationalratswahlen 2015 im Aargau 3,34 Prozent Wähleranteil, vier Jahre zuvor waren es 3,22 Prozent.

Dass der Anteil am Kuchen damit wieder spürbar grösser geworden wäre, kann man kaum behaupten. Aber es sei eben doch ein Wachstum um 4 Prozent, und so betrachtet habe man doch wieder deutlich zugelegt, entgegnet Bialek, da nimmt es der promovierte Chemiker genau.

Und das lässt ihn hoffen, dass der bescheidene Erfolg für seine auf den Grundlagen des Evangeliums fussende Partei das Zeichen für eine Trendwende in der Welt des fortschreitenden Wertezerfalls war.

Natürlich habe jede Partei ihren ideellen Hintergrund, aber heute werde Politik zunehmend weniger aus der Überzeugung vom eigenen Menschenbild und der Vorstellung von der Gesellschaft heraus als mehr mit dem Blick auf den kurzfristig wirkungsvollen Effekt betrieben, stellt Bialek auf seine Laufbahn zurückblickend fest.

Während in der CVP immer wieder mal die Diskussion aufkommt, ob das «C» im Parteinamen noch zeitgemäss und richtig ist, steht es für den EVP-Präsidenten gar nicht zur Debatte, auf Distanz zur Verbindung des christlichen Gedankenguts mit der Politik zu gehen.

Das Evangelium als Namensgeber für die Partei, das ist für ihn auch ein «Akt der Transparenz». «Wir stehen offen für unsere Grundlage ein, und daran soll man unsere Politik auch messen können», sagt Bialek.

Der EVP-Präsident entspricht kaum dem Bild, das man sich von jemandem macht, den man ein «animal politique» nennt, und doch würde der Begriff eigentlich auf ihn passen. Die Politik begleitete Roland Bialek das ganze Leben.

Er stieg schon mit 23 Jahren – damals lag das Stimm- und Wahlrecht noch bei 20 – als Einwohnerrat in Buchs in die Politik ein und bekleidete dieses Amt 15 Jahre lang.

In den Grossen Rat wurde er 1990 gewählt, bis zu seinem Rücktritt 2014 war er also 24 Jahre im Amt. Und Parteipräsident ist er nun eben auch schon 16 Jahre. Die Amtszeit läuft 2017 ab. Dann, denkt er, wäre es an der Zeit, das Präsidium in neue Hände zu geben, denn idealerweise sollte der Präsident oder die Präsidentin auch Mitglied des Parlaments sein.

Selber war Bialek als Parlamentarier sicher kein Effekthascher. Eine Abfrage in der Geschäftsdatenbank des Grossen Rats (die allerdings nur bis 1997 zurückreicht) spuckt gerade einmal neun Vorstösse aus seiner Feder aus.

Fragt man ihn nach einem persönlichen politischen Erfolg, nennt er spontan, dass die Spitalseelsorge wieder erleichtert worden ist, nachdem eine Änderung des Gesundheitsgesetzes sie durch eine restriktive Datenschutzbestimmung erschwert hatte.

Kein spektakuläres Thema, und man bringt es noch nicht einmal auf Anhieb mit dem EVP-Präsidenten in Verbindung. Denn er hatte so wirkungsvoll auf sein Ziel hingearbeitet, dass er am Schluss in keiner Ratsdebatte mehr öffentlichkeitswirksam dafür kämpfen musste.

Man war sich über alle Fraktionen hinweg einig und beschloss mehr oder weniger stillschweigend, den Seelsorgern wieder einen einfacheren Zugang zu den Daten der Spitalpatienten zu ermöglichen.

Bialek fuchst das nicht, er nennt sich als Politiker (und überhaupt als Mensch) einen Idealisten.

Das sollte auch sein Nachfolger als Parteipräsident sein, denn: Die Präsidenten seien heute nicht mehr unbedingt die in der Öffentlichkeit auffallenden Frontfiguren, stellt Bialek fest. Ihre Rolle sei mehr und mehr die des Dienstleisters.