Einkaufszentren
Der VCS Aargau kritisiert Aldi und Lidl für «Aufruf zu Gesetzesbruch»

Der Umweltverband verlangt eine Parkplatzgebühr und eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr.

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Eine Lidl-Kundin verstaut ihre Einkäufe im Auto.

Eine Lidl-Kundin verstaut ihre Einkäufe im Auto.

Keystone

Aldi und Lidl finden im Aargau kaum noch Standorte für neue Einkaufszentren (die az berichtete). Die beiden Discounter kritisieren das Raumplanungsrecht im Aargau als zu restriktiv. Damit lösen sie selber heftige Kritik aus – und zwar beim VCS Aargau.

Fabio Gassmann, Geschäftsführer des Verkehrsclubs, hat kein Verständnis für die jammernden Grossverteiler. «Erstens ist es wünschenswert, wenn Einkaufszentren vermehrt in den Ortszentren betrieben werden.»

Dies führe zu kurzen Wegen und minimiere den Einkaufsverkehr. «Zweitens könnten sich Aldi und Lidl vom starren Filialgrössenkonzept lösen und sich wie andere Detailhändler flexibel an die verschiedenen verfügbaren Ladengrössen anpassen», fordert der VCS-Geschäftsführer. Drittens sei das Raumplanungsrecht im Aargau aus Umweltsicht relativ lasch.

Gassmann weist darauf hin, dass die Bevölkerung das Raumplanungsgesetz mit grosser Mehrheit angenommen habe. «Vor diesem Hintergrund erwartet der VCS, dass die Grossverteiler bei der Umsetzung aktiv und konstruktiv mitwirken und nicht zum Verstoss gegen das Gesetz auffordern», sagt er.

Parkplätze direkt beim Eingang?

VCS-Aargau-Präsident Jürg Caflisch sagt: «Mit eingeschossigen Einkaufszentren auf der grünen Wiese mit Gratisparkplätzen haben insbesondere Lidl und Aldi zur Verbetonierung im Aargau beigetragen.» Caflisch kritisiert, die beiden Discounter würden jeweils gerade so viele Parkplätze bauen, damit sie keine Umweltverträglichkeitsprüfung machen müssen und sich nicht um die Anbindung an den öffentlichen Verkehr kümmern müssten. «Wir fordern deshalb Gebühren auch bei den bestehenden Parkplätzen», sagt er.

Thomas Bätzold, Immobilienleiter bei Lidl, verweist in einer Arbeit an der Hochschule Luzern auf Kundenwünsche. «Diese liegen darin, die Ware auf möglichst kurzem und direktem Weg zu ihrem Fahrzeug zu transportieren.» Ein öV-Anschluss vor der Tür sei gut, entschärfe das Transportproblem aber nur geringfügig, schreibt Bätzold.

«Detailhandelsflächen benötigen ausreichende und grosszügig bemessene Parkplätze in unmittelbarer Nähe zum Eingang.» Sei dies nicht gegeben, falle der durchschnittliche Wareneinkauf pro Kunde sehr gering aus. Kompensieren liesse sich das nur mit einer sehr hohen Kundenfrequenz, die aber nur an wenigen Stellen erreicht werde. «Der Detailhändler trägt das Risiko und ist kaum bereit, ohne entsprechende Umsatzerwartung einen Standort zu errichten, der nicht die geforderten Mindestkriterien erfüllt», hält Bätzold fest.

Sihlcity als positives Beispiel

VCS-Geschäftsführer Gassmann führt das Sihlcity am Rande von Zürich als Gegenbeispiel für diese Theorie auf. Sihlcity zeige, dass es auch grosse Einkaufszentren mit einem vorbildlichen Modal-Split, also einer ausgewogenen Nutzung der Verkehrsmittel durch die Besucher, geben könne.

Zudem seien oberirdische Parkfelder direkt vor dem Einkaufszentrum wirtschaftlich ineffizient genutzt Flächen, dazu schädlich für die Umwelt, hält Gassmann fest. Es sei erfreulich, dass sich Regionalplanungsverbände und Gemeinden «im Sinn des übergeordneten Interesses gegen solche Nutzungen entscheiden».

Aktuell gibt es im Aargau keine Projekte von Aldi und Lidl, zu denen der VCS eine Beschwerde eingereicht hat. Im Clinch ist der Umweltverband hingegen mit der Migros, die in Spreitenbach das Projekt Tivoli-Garten realisieren möchte.

Erst im Frühling hatte das Bundesgericht entschieden, dass sämtliche Parkplätze der bestehenden Einkaufszentren im Projektgebiet bei der Umweltverträglichkeitsprüfung berücksichtigt werden müssen. Inzwischen hat die öffentliche Auflage des überarbeiteten Projektes stattgefunden. Der VCS hat eine Mitwirkungseingabe verfasst, zum Inhalt will sich Fabio Gassmann derzeit nicht genauer äussern.