Flugzeugabsturz Birrfeld
«Der Tod von Walter ist ein grosser Verlust für unseren Verein»

Beim Absturz eines Kleinflugzeugs auf dem Birrfeld ist am Dienstagabend der 66-jährige Walter K. aus Niederweningen ums Leben gekommen. Werner Maag, Präsident des Vereins der Flugzeug-Eigenbauer der Schweiz, trauert um seinen Kollegen. Dieser sei ein erfahrener Pilot und sehr gewissenhaft beim Unterhalt seiner Maschine gewesen.

Fabian Hägler
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Piloten-Kollege Werner Maag ist traurig über den Tod von Walter K.

Piloten-Kollege Werner Maag ist traurig über den Tod von Walter K.

Fotos: TeleM1/ZVG

"Der Tod von Walter ist ein grosser Verlust für unseren Verein", sagt Werner Maag, Präsident von Experimental Aviation of Switzerland (EAS). Maag trauert um seinen Vereinskollegen, der am Dienstagabend mit auf dem Birrfeld abgestürzt und ums Leben gekommen ist.

Walter K. war laut Recherchen von Tele M1 mit einem Kleinflugzeug vom Typ HB Flugtechnik HB-207 Alfa unterwegs. Kurz nach dem Start verlor der 66-jährige Pilot, der in Niederweningen wohnt, die Kontrolle über sein Flugzeug - die Maschine stürzte fast senkrecht ab, zerschellte am Boden und ging in Flammen auf.

Auf dem Birrfeld ist am Dienstagabend ein Kleinflugzeug abgestürzt und in Flammen aufgegangen. Der erfahrene Pilot, der auf dem nahe gelegenen Flugplatz gestartet war, kam beim Absturz ums Leben.
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In der Nähe des Flugplatzes Birrfeld ist heute am späten Nachmittag ein Kleinflugzeug abgestürzt.
...und stürzte – nur wenige Meter neben der Autobahn – praktisch senkrecht in den Boden. Die Maschine brannte sofort lichterloh.
Nur wenige Minuten später ist vom Flugzeug nur noch ein schwarzes Wrack übrig.
Der 66-jährige Pilot stammte aus dem Kanton Zürich, wie die Aargauer Kantonspolizei am Mittwochmorgen mitteilte.
Der Pilot war kurz nach 17 Uhr vom Flugplatz Birrfeld in Richtung Osten gestartet und verlor weniger später die Kontrolle über das Flugzeug.
Etliche Zeugen beobachteten, wie das Flugzeug fast senkrecht abstürze und in einer Wiese unmittelbar neben der stark befahrenen Autobahn A1 aufschlug.
Der Pilot hatte sich alleine im Flugzeug befunden.
Die Feuerwehr und ein Helikopter der AAA Alpine Air Ambulance, der auf dem Flugplatz Birrfeld stationiert ist, ...
... waren rasch bei der Absturzstelle.
Die Feuerwehr löschte den Brand rasch – für den Piloten des einmotorigen Flugzeugs kam jede Hilfe zu spät.
Für den Verkehr auf der A1 ging vom Brand gemäss der Kantonspolizei keine Gefahr aus.
Die Absturzursache ist noch unklar. Die Polizei hat zusammen mit der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) ihre Ermittlungen aufgenommen.
Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach eröffnete eine Untersuchung und ordnete beim Verstorbenen eine Obduktion an.

Auf dem Birrfeld ist am Dienstagabend ein Kleinflugzeug abgestürzt und in Flammen aufgegangen. Der erfahrene Pilot, der auf dem nahe gelegenen Flugplatz gestartet war, kam beim Absturz ums Leben.

ENNIO LEANZA

Opfer war einst Untersuchungsleiter

"Ich wurde von Werner Neuhaus, dem Präsidenten des Aero-Clubs Aargau, über den Tod von Walter informiert", sagt Werner Maag. Er habe den tödlich verunglückten Piloten gut gekannt, sei mit ihm in der gleichen EAS-Gruppe im Birrfeld gewesen, sagt der Vereinspräsident.

Walter K. (66✝)

Walter K. (66✝)

Zur Verfügung gestellt

"Walter war ein erfahrener Pilot und sehr pflichtbewusst, wenn es um den Unterhalt seines Flugzeugs ging", betont Werner Maag. Auch beruflich beschäftigte sich Walter K. mit Sicherheitsfragen: Er war bis zu seiner vorzeitigen Pensionierung im Jahr 2014 Untersuchungsleiter für Unfälle mit Bahnen und Schiffen bei der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust).

«Pilot hatte praktisch keine Chance»

Genau diese Untersuchungsstelle, allerdings die Abteilung für Flugunfälle, hat am Dienstag schon ihre Abklärungen zur Absturzursache aufgenommen. Werner Maag sagt, aufgrund des Unfallhergangs sei es wohl zu einem Strömungsabriss gekommen. "Wenn das in geringer Höhe passiert, hat der Pilot keine Chance, das Flugzeug wieder in den Griff zu bekommen, dann ist ein Absturz praktisch unvermeidlich."

Ob ein Problem mit dem Motor oder allenfalls eine starke Windböe der Grund für das Unglück gewesen sei, lasse sich heute noch nicht sagen. "Ich weiss aber, dass der Flugbetrieb auf dem Birrfeld am Nachmittag ganz normal lief, es wurden auch Schulungsflüge durchgeführt, die Wetterbedingungen waren demnach nicht schlecht", sagt Maag.

Notlandung vor drei Jahren

Walter K. erlebte mit demselben Flugzeug bereits im August 2016 eine sehr heikle Situation. Er musste kurz vor dem Flugfeld Bad Ragaz in einem Acker notlanden, weil zuvor der Antriebsriemen des Motors gerissen war. Damit hatte der Propeller seines Flugzeugs keinen Antrieb mehr, der Pilot musste die Maschine im Gleitflug zu Boden bringen. Das Flugzeug wurde bei der Landung an Fahrwerk, Propeller, Motorverkleidung und beiden Tragflächen schwer beschädigt.

Das notgelandete Flugzeug von Walter K. auf dem Acker vor Bad Ragaz.

Das notgelandete Flugzeug von Walter K. auf dem Acker vor Bad Ragaz.

SUST

Der Pilot konnte das Wrack selbständig und unverletzt verlassen, wie es im damaligen Bericht der Sicherheitsuntersuchungsstelle heisst. "Das war eine brenzlige Situation, in der Walter sein fliegerisches Können und seine Fähigkeiten als Pilot unter Beweis gestellt hat", sagt sein Vereinskollege Werner Maag.

Keine Aufsicht durch den Bund

Wer wie Walter K. ein Eigenbau-Flugzeug besitzt, wartet und unterhält dieses laut Werner Maag zumeist auch selber. Eben erst wurde auf dem Birrfeld ein neuer Maintenance-Hangar eingeweiht - Walter K. war seitens EAS der Verantwortliche dafür. Die Aufsicht über den Bau und Unterhalt von Eigenbauflugzeugen nimmt nicht das Bundesamt für Zivilluftfahrt vor, sondern die EAS übertragen. In einer Vereinbarung, basierend auf der Verordnung über die Lufttüchtigkeit von Luftfahrzeugen sind die Details geregelt. Experimental Aviation of Switzerland ist ein Verein, der seine Mitglieder beim Bau ihres eigenen Flugzeuges begleitet und unterstützt. Zur EAS gehören laut Angaben auf ihrer Website rund 530 Mitglieder. Sie betreiben eine Flotte von ca 130 Flugzeugen, zudem sind gegenwärtig etwa weitere 135 Flugzeuge in verschiedenen Stadien des Bauprozesses.

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