Im Jahr 2012, dem Jahr nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima, betrug der reine Strompreis ohne Abgaben und Netzentgelt im Gebiet des aargauischen Energieversorgers AEW Energie AG rund acht Rappen pro Kilowattstunde. In den Folgejahren sank er auf unter sechs Rappen. Dies, nachdem der Grosshandelspreis an der Strombörse in Leipzig massiv gesunken war. Diese Phase ist – mindestens vorläufig – vorbei. Der Preis für Energie ist im Grosshandelsmarkt in den vergangenen 12 Monaten um 60 Prozent gestiegen. Das wirkt sich auch auf den Strompreis im AEW-Gebiet aus. Allerdings bei weitem nicht in diesem Ausmass. Der Grund liegt darin, dass die AEW diese massive Preissteigerung dank der Verwertung ihrer Eigenproduktion teilweise abfedern kann.

So kündeten CEO Hubert Zimmermann und Marc Ritter, Leiter Geschäftsbereich Energie, am Mittwoch in Aarau an einer Medienorientierung per 2019 eine Preiserhöhung von fast neun Prozent an. Demnach kostet eine Kilowattstunde für einen Durchschnittshaushalt ab dann knapp über 20 Rappen (vgl. Grafik). Bei einem Haushalt mit einem Verbrauch von 4500 kWh bedeutet dies eine Mehrbelastung von 75 Franken pro Jahr bzw. Fr. 6.30 pro Monat. Für Haushalte mit grösserem Verbrauch fällt die Erhöhung in Franken stärker aus, für solche mit kleinerem Verbrauch tiefer.

Mehr Vergütung für Produzenten

Derzeit gehört der Aargau nach Zürich, den beiden Appenzell und dem Wallis beim Strom zu den günstigsten Kantonen überhaupt. 2019 könnte er mit der angekündigten Erhöhung einige Ränge verlieren, bleibt nach Einschätzung von Marc Ritter aber im vorderen Mittelfeld «und damit gut positioniert». Eine gute Botschaft hat Ritter für diejenigen, die zum Beispiel mit einer Photovoltaikanlage selbst Strom produzieren und ins Netz einspeisen. Ihre Rückvergütung für diesen Strom wird 2019 auch steigen.

Doch warum ist der Gesamtpreis heute deutlich höher als 2012, wenn der reine Energiepreis bloss wieder das Niveau von damals erreicht hat? Der Hauptgrund sind politisch gewollte massiv gestiegene Abgaben. Dies konkret für die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) mit Blick auf die Energiestrategie 2050 sowie leicht höhere Kosten für die Netznutzung.

Kraftwerke profitieren

Für die Konsumentinnen und Konsumenten wird es also teurer. Doch was heisst dies für die Wasserkraft, rentiert sie wieder? Laut CEO Hubert Zimmermann erfahren die Kunden die Schattenseite der höheren Preise. Gewissermassen für die Sonnenseite steht dafür eine Normalisierung der Preise, was der Wasserkraft guttue. Zimmermann: «Das gibt mehr Investitionssicherheit für die Zukunft.» Insgesamt sei eine gewisse Entspannung eingetreten. Die bisherige Entwicklung des Grosshandelspreises mahne aber zur Vorsicht. Man extrapoliere gern auf Basis der jüngst steigenden Kurve. Es gebe aber auch weiterhin Potenzial nach unten.

Zimmermann und Ritter verweisen beide darauf, dass die Preise für Kohle und Öl den Strompreis beeinflussen. Kohle und Öl sind jüngst teurer geworden. Doch selbst wenn der Preis hoch bleiben sollte, sieht Zimmermann ein Handicap für die Schweizer Wasserkraft. Diese wird durch den Wasserzins belastet. Mit Blick auf den europäischen Markt sei eine Harmonisierung notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Kraftwerke sicherzustellen, sagt er.

Mehr Dienstleistungen

Die AEW setze nach wie vor auf erneuerbare Energien und versorge ihre Privat- und Geschäftskunden auch künftig mit 100 Prozent Strom aus Schweizer Wasserkraft, sagte Marc Ritter weiter. Die Firma baut ihr Angebot an Dienstleistungen weiter aus. So führte sie Anfang Jahr das Smart-Home-Angebot «AEW myHome» zur Steigerung der Energieeffizienz und Optimierung der Eigenversorgung für Einfamilienhausbesitzer ein. In einigen Gemeinden wurde ein Angebot für Elektromobilität (Car-Sharing) initiiert. Verschiedene Standorte erhielten Elektro-Ladestationen, der Rollout der Smart Meter werde stetig vorangetrieben.

Die AEW, die zu 100 Prozent dem Kanton Aargau gehört, versorgt im Aargau rund 95'000 Abnehmerinnen und Abnehmer.