Immobilien Aargau
«Der Stadt Aarau lassen wir die besten Lagen»

Der Kanton besitzt in der Hauptstadt für rund 633 Millionen Franken Gebäude und ist vielfach Mieter. «Der Stadt nehmen wir die besten Lagen nicht weg, wir stellen uns bewusst in die zweite Reihe», sagt Kantonsbaumeister François Chapuis.

Hans Lüthi
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«Halb Aarau gehört dem Kanton», ist eine Aussage, der man in der Hauptstadt auf Schritt und Tritt begegnet. Sie entspricht weder der Realität noch der Absicht.

Eine Verzettelung auf zu viele Gebäude sei Tatsache, aber die Zentralverwaltung mit ihren 2400 Arbeitsplätzen «wird auf einige wenige Standorte konzentriert».

Immobilien Aargau

Gemäss einem aktuellen Kurzporträt sind die Immobilien Aargau «die strategisch, unternehmerisch und nachhaltig wirkende Immobilienabteilung des Kantons». Sie erbringen für den Eigentümer und Bauherrn Leistungen im Portfolio-, Projekt- und Immobilien-Management. Beim Bau und bei der Bewirtschaftung ist die Vorbildfunktion wichtig, auch im Energiebereich. Mit Gesamtkonzepten soll das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Immobilien deutlich gesteigert werden.
«Wir entscheiden und handeln effizient und nachhaltig und wahren dabei die kulturellen Aspekte», lautet ein Kernsatz zur Ausrichtung 2013-2016. Das Kompetenzzentrum optimiert den ökonomischen und ökologischen Ressourceneinsatz, sorgt für den Werterhalt und eine optimale Abdeckung des Bedarfs. (Lü.)

Das schreibt die Regierung im Raumkonzept Zentralverwaltung und gibt den im Finanzdepartement angesiedelten Immobilien Aargau (Imag) in 18 Leitlinien die Richtung vor.

Ein gewisses Wachstum wird daraus ersichtlich, in jüngster Zeit durch die Gerichte und die Kantonspolizei. «Aber wir wollen grössere Zentren auf weniger Standorten», betont François Chapuis, Kantonsbaumeister und Leiter von Immobilien Aargau.

«Der Stadt nehmen wir die besten Lagen nicht weg, wir stellen uns bewusst in die zweite Reihe», sagt Chapuis zur Absicht, der Stadt und den Privatunternehmen genug Spielraum für ihre Entwicklung zu lassen.

Der neue Bahnhof ist eine Ausnahme, weil die SBB nur nach Beteiligung des Kantons und der Stadt Aarau bereit war, zu bauen.

Eine ständige Optimierung

Selbst bei genügend Platz auf grüner Wiese wäre ein riesiger Verwaltungskomplex nicht in der Absicht des Kantons. Die heutige Aufteilung in Regierungs- und Departementsviertel funktioniert ordentlich, obwohl der Kanton vielerorts nur Mieter ist, entgegen seinem Prinzip.

272 Gebäude: Aargau hat Bauten für 1,6 Milliarden Franken und 7000 Parzellen in offener Flur

Dem Kanton gehören im Aargau 272 Gebäude im Versicherungswert von rund 1,6 Milliarden Franken. Der Preis für das Land, das etwa 20 Prozent des Gebäudewerts ausmacht, ist darin nicht eingerechnet. Nicht mehr zu den Immobilien gezählt werden die selbstständigen Kantonsspitäler in Aarau, Baden und die Klinik in Windisch, die zusammen rund 1,1 Milliarden Franken Versicherungswert haben. Der Kanton besitzt zudem 7000 Parzellen in offener Flur, die mit 500 Verträgen verpachtet sind. Mit 157 Verträgen ist der Kanton Mieter, mit 302 Verträgen hat er selber Objekte vermietet, die er nicht benötigt. Für Investitionen und Erneuerungen stehen im Jahr 70 Millionen Franken zur Verfügung. Für den Unterhalt zur Substanzerhaltung und Sicherstellung der Tauglichkeit wendet der Kanton jährlich 1,5 bis 2 Prozent des Gebäudeversicherungswerts auf. «Das Parlament nimmt seine Verantwortung wahr und prüft die Zahlen regelmässig», betont Kantonsbaumeister François Chapuis. Gebaut wird derzeit der Fachhochschul-Campus in Brugg-Windisch, saniert das Strassenverkehrsamt in Schafisheim. Schulräume und Sportanlagen entstehen an den Mittelschulen in Aarau, Baden und Wohlen. In Lenzburg wird ein Produktionsgebäude für die Justizvollzugsanstalt gebaut. Geplant ist in Lenzburg auch eine Gesamtsanierung des markanten Fünfstern-Gebäudes der Justizvollzugsanstalt. Für die Kantonsschule Wettingen ist eine unterirdische Dreifach-Sporthalle in Planung. Die fünf eingereichten und bewerteten Projekte werden ab nächster Woche an der Kanti Wettingen öffentlich ausgestellt. (Lü.)

Mit dem Raumkonzept strebt die Regierung eine ständige Optimierung an. Dazu gehört die Absicht, den Behmen beim Bahnhof ganz dem Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) zu überlassen und das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) komplett ins Zeughaus umzusiedeln.

Ein schlechtes Beispiel ist das zu weit entfernte Telli-Hochhaus mit den Finanzen und Ressourcen. François Chapuis kennt selber diesen Umstand: «Wer quer durch die Verwaltung arbeitet, hat grosse Zeitverluste in Kauf zu nehmen.» Wege von 20 Minuten von einem Departement ins andere sind keineswegs ideal.

Besser kaufen als mieten

Für die Verwaltungsstellen mit regem Kontakt zur Aargauer Bevölkerung ist ein guter öV-Anschluss unabdingbar. Gebäude mit historischer Bedeutung oder spezifischer Bauart sind oft zwingend durch die Verwaltung zu nutzen. Diese soll sich auch nicht in Wohnräumen einnisten und gemietete Räume mittel- bis langfristig grundsätzlich abbauen.

«Kauf schlägt Miete», ist aus finanzieller Sicht für Chapuis mehr als ein Schlagwort, weil der Kanton als hervorragender Schuldner (AAA) sehr günstig zu Geld komme. Bei einem Horizont von 20 oder 40 Jahren falle die Differenz ins Gewicht.

Nicht mehr benötigte Objekte, wie kürzlich im Gönhardquartier, werden verkauft – wobei der Kanton nicht als Preistreiber auftreten will. Zur Optimierung gehört die Absicht, das Labor der Abteilung für Umwelt mit jenem der Abteilung für Verbraucherschutz in einem Neubau im Buchenhof, am Sitz des Departementes Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), zusammenzulegen.

Das Kasernenareal gehört dem Kanton, die armasuisse des Bundes hat die Infanterie-Kaserne bis Ende des Jahres 2030 gemietet.

Gerichte und Schulen wachsen

Mit den neuen Staatsanwaltschaften und dem per 2013 eingeführten Kindes- und Erwachsenenschutzrecht (Kesr) mussten relativ kurzfristig neue Räume bereit sein. In Aarau gehören auch die Alte Kanti und die Neue Kanti dem Kanton, die ebenfalls Ausbaubedarf hatten.

Der Ausbau der Gerichte und der Kantonsschulen im Kanton sind mit ein Grund, weshalb andere Grossprojekte auf der Prioritätenliste zurück gefallen sind. Auf Gesamtsanierungen warten in Aarau das Telli-Hochhaus und die höhere Fachschule Gesundheit und Soziales.

Marktpreis wird nicht berechnet

Obschon viele Objekte in Aarau vom Kanton gemietet sind (siehe Plan), macht der eigene Besitz doch beachtliche 633 Millionen Franken aus. Das ist aber nur der von der Aargauischen Gebäudeversicherung geschätzte und versicherte Wert.

Zu den teuersten Bauten gehören der Buchenhof mit 107 Millionen Franken Versicherungswert, Kunsthaus und Kantonsbibliothek mit 45 Millionen, Regierungs- und Grossratsgebäude mit 32 Millionen Franken.

Der Markt- oder Verkaufswert wäre allerdings viel höher. Eine solche Berechnung «macht wenig Sinn, sie würde nur die Bilanz aufblasen. Wir können ja das Regierungs- und das Grossratsgebäude nicht verkaufen», erklärt Kantonsbaumeister François Chapuis dazu.