Ein überaus erfahrener Jasser, doch keiner von den ganz Verbissenen, Spross einer Grossfamilie und Sportschütze. Das ist Franz Furrer. Der 63-jährige Schlosser aus Muri jasste sich am Freitagabend im «Sternen» in Würenlingen zum AZ-Jasskönig 2019. Saubere 3300 Punkte hatte er am Schluss auf dem Konto – das ist Finale-Rekord.

13 Geschwister

Wo hat Franz Furrer so gut jassen gelernt? «Das wurde mir von den Eltern in die Wiege gelegt», erklärt der strahlende Sieger. «Sonntags wurde immer gejasst.» Franz Furrer wuchs auf einem Bauernhof in Brunnwil am Horben auf – als Viertjüngstes von 14 Kindern. «Wir mussten viel auf dem Hof arbeiten. Das war streng, aber auch schön – ich habe ein bisschen alles gelernt.» Das Leben in der Grossfamilie hat Furrer bis heute geprägt. «Man kann sich auf den Grind geben oder man kann sich gernhaben. Ich bin ein absoluter Familienmensch.»

So sehr, dass er sein Arbeitsleben nach der Familie richtete. Nach 17 Jahren als Pöstler gab er den Job auf, als die drei Kinder in die Schule kamen. «Als ich sie am Mittagstisch nicht mehr sah, wusste ich, dass ich etwas ändern muss.» So kündigte er seine Stelle und wurde Schlosser. Ein Beruf, den er auch nach dreissig Jahren noch gerne ausübt. Daneben hütet Furrer gerne die drei Enkelkinder oder geht Sportschiessen – eine weitere Leidenschaft des Jasskönigs. Und dann verrät er zum Schluss, dass seine Frau und er am Vortag ihren Hochzeitstag gefeiert hätten – den 38. «Es ist ein Geschenk, eine solche Frau zu haben.»

Und so lief der triumphale Abend des Franz Furrer. Dass nur die beste Leistung genügen, würde, war allen 40 Finalisten klar. Nach der Begrüssung durch CH Media-Chefredaktor Patrik Müller im Weinkeller, wo der Wein aus den Fässern duftete und vielleicht schon dem einen oder anderen den Kopf vernebelte, und dem Abendessen ging es an die Jasstische. An je fünf Tischen wurde mit deutschen und mit französischen Karten gespielt.

«Schellen musst du bringen!»

Grosses Hallo an Tisch B nach der ersten Auslosung: Toni und Elsbeth, die schon in der Vorrunde zusammen gespielt haben, sind wieder Jasspartner. Was sie zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wissen: Auch die dritte Runde werden sie zusammen bestreiten. «Mangelhafte Auslosung oder höhere Macht?», fragt Toni. Am Schluss ist es egal, denn die beiden jassen erfolgreich – er belegt am Schluss den 9., sie sogar den 5. Platz. «Wir harmonieren einfach gut», sagt Elsbeth und lacht.

Zweite Runde am Tisch des künftigen Jasskönigs. Es läuft von Anfang an gut: Franz und seine Partnerin Lisbeth machen bald den ersten Match. Die Gegner hadern: «Rosen kommen nicht, etwas anderes kann ich nicht halten!», sagt Bruno und verwirft die Hände. Am Nebentisch geht es hoch her. Da sitzt Kurt Koch, ein heisser Kandidat auf den Titel. 2017 wurde er Dritter im Finale, und das Qualifikationsturnier auf dem Horben hat er souverän gewonnen. Auch jetzt punktet Kurt fleissig. Doch es wäre noch mehr dringelegen: «Du musst nicht Eicheln bringen, du musst Schellen bringen!», schilt er seinen Partner. Geduld bringt Rosen.

Die Entscheidung fällt

Auch eine Frau schaltet sich ins Fernduell um den Titel ein. Nach zwei von drei Runden liegt sie gar in Führung: Ursula Bittel. Doch dann ist der Wurm drin: Ursulas Partner Ruedi hat «nicht nichts, sondern gar nichts» auf der Hand. Und auch Ursula läuft es harzig: «Heute Abend hätte ich immer einen Slalom.» Und so kommt es, dass Ursula in der letzten Runde noch auf den vierten Platz zurückfällt. Dennoch: ein respektables Resultat. Zumal Ursula Bittel sagt: «Ich bin zum ersten Mal an einem Jassturnier.»

Die Spannung steigt vor der Rangverkündigung – gross die Erlösung, als Franz Furrers Name fällt. «Ich bin elend nervös», sagt er ins Mikrofon. Und: «Ich danke allen, die nicht mehr Punkte gemacht haben als ich!» Neben dem Siegerpokal, den ihm Patrik Müller übergibt, gewinnt Franz Furrer einen Startplatz an der Schweizer Schieber-Meisterschaft von Swisslos. Kurt Koch aus Villmergen beendet das Turnier auf dem zweiten Platz (3248 Punkte), Dritter wird Peter Bachmann aus Felsenau (3224 Punkte).