Seit Marco Hardmeier am Dienstagabend seinen Rücktritt als SP-Aargau-Präsident bekannt gegeben hat (az von gestern), erhält er viele
Reaktionen. «Auch intern waren sehr viele Leute überrascht von meiner Entscheidung, aber bisher gab es nur positive Rückmeldungen von Leuten, die meinen Schritt verstehen und zum Erreichten in den letzten Jahren gratulieren», sagt Hardmeier. Mit der Demission im Juni bleibe der Partei genug Zeit, die Nachfolge zu regeln.

«Bis Ende Mai läuft die Anmeldefrist für interessierte Personen, auch unsere Ortsparteien können Kandidaten melden», blickt Hardmeier voraus. Zudem wird eine Findungskommission mit sieben Mitgliedern eingesetzt, die vor dem Wahlparteitag am 21. Juni Hearings mit Kandidatinnen und Kandidaten machen wird.

«Ich wünsche mir, dass sich viele Frauen Gedanken bezüglich einer Kandidatur machen», hält Hardmeier fest. Einerseits sei die SP zwölf Jahre lang von Männern geführt worden, andererseits würden alle anderen grossen Parteien im Aargau von Männern präsidiert. Eine neue Präsidentin oder ein neuer Präsident müsse hingegen nicht zwingend im Grossen Rat sitzen, findet Hardmeier.

Fricktalerin in der Poleposition

Wer könnte die Nachfolge von Marco Hardmeier antreten? Die Aargauer Zeitung hat etablierte SP-Politikerinnen gefragt. Am meisten Interesse zeigt Elisabeth Burgener (1961, Gipf-Oberfrick), seit 2007 Grossrätin und zuletzt Kampagnenleiterin der SP-Pflegeinitiative. «Ich überlege mir eine Kandidatur, das Amt als Präsidentin ist reizvoll, es bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten», sagt Burgener, die auch in der Geschäftsleitung der SP Aargau sitzt.

Eva Schaffner (1969, Aarau), SP-Vizepräsidentin, möchte sich zu einer möglichen Kandidatur nicht äussern. Als Einwohnerrätin, Mitglied im VPOD-Landesvorstand und Präsidentin des Vereins Kaaz, der sich gegen ein Atomendlager in der Region einsetzt, sei sie stark engagiert. Astrid Andermatt (1956, Lengnau), die vor den Sommerferien ihren Sitz im Grossen Rat abgeben will, hat sich «noch keine Gedanken über eine mögliche Kandidatur gemacht».

Die ehemalige Grossratspräsidentin Kathrin Scholl (1962, Lenzburg) winkt ab: «Das Amt lässt sich nicht mit meinem Job vereinbaren.» Als stellvertretende Geschäftsführerin des Aargauischen Lehrerverbands könne sie in der Politik nicht zugleich noch die Position der SP vertreten. Definitiv nicht kandidieren wird auch Marie-Louise Nussbaumer (1954, Obersiggenthal). «Ich würde mich freuen, wenn es eine Frau wird, bin selber aber eher am Ende der politischen Karriere», sagt die Co-Präsidentin der SP-Grossratsfraktion.

Männer winken ab

Männliche SP-Parlamentarier sagen – ganz im Sinn von Hardmeier – ab. Dieter Egli (1970, Windisch) ist als Fraktionspräsident stark ausgelastet. «Ich denke derzeit nicht über ein anderes Amt nach», sagt Egli. Zudem sehe er den Wechsel im Präsidium auch als Chance für neue Leute, sich an der Spitze der SP zu engagieren. Für Thomas Leitch (1962, Wohlen) ist eine Kandidatur kein Thema. Der amtsälteste Grossrat, der seit 1997 im Parlament sitzt und die SP von 1996 bis 1998 als Co-Präsident führte, nennt ebenfalls zeitliche Gründe. Gleich tönt es bei Jürg Caflisch (1962, Baden): «Ich bin mit dem Mandat als Grossrat und meinem Beruf aber völlig ausgelastet», sagt der Präsident des VCS Aargau.

SP-Präsident Marco Hardmeier tritt zurück

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