Der Zurzibieter Radprofi Silvan Dillier (28) war schon als Junior ein Ausnahmekönner. Nach einiger Anlaufzeit zeigte er im vergangenen Frühling nun auch bei der Elite, was in ihm steckt: Beim Klassiker Paris–Roubaix, dem berühmtesten Eintagesrennen der Welt, beeindruckte er mit dem zweiten Platz. Nun haben auch die Stars ein Auge auf ihn. Paris–Roubaix ist für Radprofis die Hölle. Gleichzeitig ist es ein Mythos, dem sich niemand entziehen kann.

Wer sich in der «Hölle des Nordens» als Härtester der Harten erweist, landet im Radsporthimmel. Heftig an diesem Himmel gekratzt hat im April der Ehrendinger Silvan Dillier – mit einem sensationellen zweiten Platz. Am wichtigsten Eintagesrennen der Welt war er der Einzige, der bis zum Schluss mit dem dreifachen Weltmeister Peter Sagan mithalten konnte. Dass er vor fast allen Stars das Vélodrome von Roubaix erreichte, kam für viele überraschend. Silvan Dillier hingegen hat immer daran geglaubt: «Ich wusste, dass ich es draufhabe.»

Geboren in Baden und aufgewachsen in Schneisingen, begann Dillier im Alter von 13 Jahren mit den Velorennen. Bei den U23 machte er schnell von sich reden. In dieser Kategorie wird er unter anderem auf der Bahn Europameister im Madison, in der Einzelverfolgung und im Zweier-Mannschaftsfahren. Zudem wird er Schweizer U23-Meister im Strassenrennen und mehrfacher Schweizer U23-Meister im Einzelzeitfahren, gewinnt eine Etappe der wichtigsten U23-Rundfahrt, der Tour de l’Avenir. Dort trägt er drei Tage das Leadertrikot.

Schwieriger Start bei den Profis

2014 wird sein Traum von der Profikarriere wahr. Für diese Chance ist Silvan Dillier seinem damaligen Team BMC sehr dankbar. Zumal er in seinem ersten Profijahr gleich alle Klassiker und die Tour de Suisse bestreiten darf. Doch der junge Schweizer hat einen schwierigen Start. Bis er 2017 als Ausreisser eine Etappe des Giro d’Italia gewinnt – und auch noch Schweizer Meister wird. Für Silvan Dillier ist dies der richtige Zeitpunkt, um ein neues Kapitel aufzuschlagen. Auf die Saison 2018 wechselt er zum französischen Rennstall AG2R, wo er das Versprechen bekommt, auf eigene Rechnung fahren zu dürfen. Wenig später folgt seine epische Fahrt bei Paris–Roubaix. «Das zeigt mir, dass der Wechsel eine gute Entscheidung war.»

Nach diesem Erfolg gab es viele Medienanfragen. «Speziell war, dass beim Training auf der Strasse plötzlich Autos und Töffs neben mir herfuhren und mir die Lenker spontan zu meiner Leistung gratulierten.» Und was für eine Bedeutung hat der Aargau für Dillier? «Ich bin 200 Tage im Jahr unterwegs. Umso schöner ist es, wenn ich wieder hierher zurückkommen kann, wo ich aufgewachsen bin und wo meine Familie, meine Frau und meine Freunde sind.» Ausserdem sei besonders das Fricktal ein herrliches Trainingsgelände.

Und jetzt das: Anfang September kam Silvan Dillier im Training wegen eines Ölflecks in einer Kurve zu Fall und holte sich dabei eine tiefe Wunde am Kinn. Sein Kiefer musste genäht werden. Er nimmt es mit Humor: «Mein Traum, Mister Schweiz zu werden, ist nun ziemlich sicher zu Ende.» Seine Chancen, Aargauer des Jahres zu werden, sind aber weiterhin intakt. (NCH)

Hier stellt sich Silvan Dillier im Video vor: 

NAB-Award 2018: Silvan Dillier aus Ehrendingen radelte beim berühmtesten Eintages-Rennen der Welt auf den sensationellen zweiten Platz

NAB-Award 2018: Silvan Dillier aus Ehrendingen radelte beim berühmtesten Eintages-Rennen der Welt auf den sensationellen zweiten Platz

Die Neue Aargauer Bank hat die Nominierten für die Wahl des Aargauers oder der Aargauerin des Jahres bekannt gegeben. Ab sofort kann man online für seinen Favoriten abstimmen.