Wenn es auf das Ende eines Jahres zugeht, ist das Bedürfnis gross, Rückschau zu halten: Was hat das Jahr gebracht, was nicht? Das tat man gestern im Park Innovaare auf dem Areal des Paul-Scherrer-Instituts (PSI) in Villigen. Oder wie es CEO Daniel Kündig formulierte: «Wo stehen wir und wo soll die Reise 2018 hingehen?»

Kündig bezeichnete 2017 als «ereignis- und erfolgreiches Jahr». Elf Unternehmen sind inzwischen angesiedelt – sechs mehr als vor zwölf Monaten. Dabei handle es sich sowohl um neu gegründete Start-ups als auch um etablierte Firmen. «Wir könnten heute auch locker eine höhere Zahl präsentieren», sagte Managing Director Nils Gebhardt: «Wir haben viele Anfragen, aber wir nehmen nicht alle an.» Wer im Park Innovaare seinen Sitz einrichten will, muss Ideen haben, die «die Gesellschaft weiterbringen». So wird derzeit etwa in den Bereichen Protonentherapie, Mammografie und Radiopharmazeutik geforscht, an besseren Medikamenten und Behandlungsmethoden getüftelt oder nach nachhaltigen Energiespeichermethoden gesucht. Die Unternehmen mieten dafür vom Park Innovaare Büros und Labors für verschiedenste Zwecke und schaffen sich dank der Anlagen und dem Fachwissen des grössten Schweizer Forschungsinstituts einen Technologievorteil.

Chinesische Pharma getroffen

2018 dürfte es mit Neuansiedlungen in ähnlich schnellen Takt weitergehen: vier Spin-offs, die gerade aus PSI-Forschungsprojekten entstehen, dürften dazu kommen, sowie ein Projekt von ausserhalb. Mit dieser Entwicklung sei man «ganz zufrieden», sagte Nils Gebhardt gestern vor den Medien. Zwei Jahre nach Gründung des Innovationsparks merke man jetzt, dass man immer bekannter werde: «PSI-Wissenschafter, die an eine Unternehmensgründung denken, denken langsam automatisch auch an uns.»

Neue Unternehmen bedeuten auch neue Stellen. Für Techniker, Ingenieure, Biologe; Biochemiker, Physiker, Marketingexperten. Aktuell werden 37 Personen beschäftigt, 2018 werden weitere 8 bis 10 Neuanstellungen erwartet. Und das ist erst der Anfang. Denn mit dem geplanten Bauprojekt, das im März dieses Jahres eingegeben wurde, sollen bis in vier Jahren 36 000 Quadratmeter Nutzfläche für Werkstätten, Speziallaboratorien, Reinräume, Büro- Konferenz- und Erholungsräume entstehen mit bis zu 550 Arbeitsplätzen. Für 75 Prozent der Fläche liegen bereits Mietabsichten vor. Das Ziel für die Zukunft: nicht «nur» Start-ups und Spin-offs anzulocken, sondern auch innovative Weltkonzerne. «Wir bereiten den Acker vor, auf dem die Saat der Grossen gedeihen kann», drückte sich Daniel Kündig aus.

Dafür weibelt der Park Innovaare international. Nils Gebhardt reiste in die USA, nach England und China. Um möglichen Partnern aufzuzeigen, «dass sie es noch besser machen könnten, wenn sie sich bei uns ansiedeln». In China organisierte man eine Fachkonferenz zur Arzneimittelentwicklung, Top Shots aus der Branche wurden die Vorzüge des Parks Innovaare aufgezeigt.

Suche nach CEO und Investor

Die Baueingabe für die erste Etappe wurde im März gemacht, im Frühling 2018 wird die Baubewilligung erwartet und im Mai sollen im Wiesland neben dem PSI die Bagger auffahren. Das erste Gebäude soll Ende 2021 bezugsbereit sein. Projektkosten betragen 160 Millionen Franken – dafür wird jetzt ein Investor gesucht. «Das Problem ist nicht, einen zu finden, sondern den richtigen», sagte Kündig.

Er wird diesen Prozess selber nicht mehr lange begleiten. Denn er leitete den Aufbau des Parks Innovaare seit 2013 im Mandat. Dieses läuft Ende März nächsten Jahres aus. Das operative Team von vier Personen wird dann von der Innovaare AG übernommen, Kündig tritt als CEO zurück und widmet sich wieder mehr seinem eigenen Beratungsunternehmen. Das Auswahlverfahren für einen neuen Vollzeit-CEO ist inzwischen angelaufen.