Daniel Hölzle
Der Neue greift an: «Es gibt noch hellere Grüne als jene von der SVP»

Daniel Hölzle, der neue Grünen-Präsident im Aargau, will bei den Grossratswahlen eine rechtsbürgerliche Mehrheit verhindern. Manchmal spannt Hölzle aber auch mit der SVP zusammen.

Fabian Hägler
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Daniel Hölzle, neuer Präsident der Grünen Aargau

Daniel Hölzle, neuer Präsident der Grünen Aargau

Sandra Ardizzone

Herr Hölzle, die SVP-Regierungsratskandidatin Franziska Roth will vor ihrer Nomination nicht mit der Presse reden, Sie geben uns schon vor ihrer Wahl als Grünen-Präsident ein Interview – sind Sie sicher, dass Sie gewählt werden?
Daniel Hölzle: Ja, da bin ich sicher, es gibt keine Kampfwahl. Ich werde von der Parteileitung vorgeschlagen und darf von einer Wahl ausgehen.

Der abtretende Grünen-Präsident Jonas Fricker hofft mit Ihnen auf «frischen Wind aus dem Wilden Westen» – was können Sie bieten?
Ich bin ein offener, direkter Mensch und werde sicher etwas mehr polarisieren als Jonas Fricker. Mit dem Wilden Westen meinte er den Bezirk Zofingen, der im Aargau oft etwas vergessen geht, was mir natürlich nicht gefällt.

Der Bezirk Zofingen ist aber nicht gerade ein Kernland der Grünen im Aargau, hier dominiert eher das Dunkelgrün der SVP ...
Das stimmt, aber es gibt zum Glück auch noch hellere Grüne in unserem Bezirk als jene von der SVP.

Das passt zu Ihrer Aussage, in der Politik solle «mehr Hirn statt der richtige Zwirn» entscheidend sein.
Das habe ich nach der Geschichte um den Auftritt von Jonas Fricker gesagt, der im Pulli statt im Veston im Nationalrat ans Rednerpult trat. Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass weniger die Äusserlichkeiten, dafür mehr die politischen Ideen und Inhalte wichtig sind in der Diskussion.

Sie tragen heute zum Interview auch Hemd und Kittel und nicht den selber gestrickten Wollpulli.
Heute gibt es auch ein Foto. Ich bin in Aarau auch schon oft im Kapuzenpullover ans Rednerpult getreten. Es ist entscheidend, welche Positionen eine Person vertritt, nicht was sie trägt.

Sie selber sitzen seit 2013 im Grossen Rat, im Herbst sind Wahlen – sind Sie zuversichtlich, dass Sie in einem Jahr noch Grossrat sind?
Ja, absolut, es ist wichtig, dass wir Grünen bei den Wahlen im Oktober zulegen und eine rechtsbürgerliche Mehrheit im Grossen Rat verhindern.

Daniel Hölzle will Grüne wieder zum Erfolg bringen.

Daniel Hölzle will Grüne wieder zum Erfolg bringen.

Sandra Ardizzone

Die Grünen verloren bei den letzten Grossratswahlen drei Sitze, der Wähleranteil ging von 8,9 auf 7,4 Prozent zurück – wie wollen Sie diesen Trend wenden?
Mit klaren Positionen gegen den Sparwahn der Bürgerlichen. Ich glaube, die Aargauer Bevölkerung will nicht ständig kürzen und den Kanton zu Tode sparen. Wenn es uns gelingt, den Leuten zu zeigen, dass es andere Wege gibt, haben wir gute Chancen.
Wie sieht dieser andere Weg aus, wollen Sie auch eine Reichensteuer einführen wie die Juso?
Wir müssen den Menschen aufzeigen, was im Bereich Umwelt, Bildung und Kultur alles verloren geht, wenn die bürgerlichen Sparpläne umgesetzt werden. Wer sieht, was er verliert, ist auch bereit, etwas dafür zu bezahlen.

Was ist Ihr konkretes Wahlziel – wie viele Sitze, wie viel Wähleranteil?
Wir möchten Sitze dazugewinnen und beim Wähleranteil langfristig in den zweistelligen Bereich kommen.

Es ist aber realistischer, dass die Bürgerlichen im Aargau zulegen.
Dagegen werden wir kämpfen – und wenn es doch so weit kommen sollte, gibt es immer noch die Möglichkeit, sich mit Referenden zu wehren. Gerade das Nein zum Sparpaket vor einem Jahr hat gezeigt, dass die Bürgerlichen offenbar nicht die Mehrheit vertreten.

Auch im Regierungsrat greifen die Bürgerlichen an – haben Sie Angst um den Sitz von Susanne Hochuli?
Nein, ich bin überzeugt, dass sie wieder gewählt wird, wenn sie antritt.

Und, tritt sie an?
Das weiss ich nicht, ich hoffe es aber und gehe auch davon aus.

Ist diese Ungewissheit für Sie als Parteipräsident nicht mühsam?
Nein, überhaupt nicht, ich sehe das sehr gelassen. Susanne Hochuli wird ihre Entscheidung treffen, wenn sie den Zeitpunkt für richtig hält, und dann auch öffentlich bekannt geben. Und sie wird danach sicher auch im Fernsehen auftreten, wenn sie angefragt wird.

Sie spielen auf SVP-Kandidatin Franziska Roth an, die einen Auftritt bei Tele M1 wieder absagte.
Ich habe das Gefühl, im Moment sind vor allem die Gegner von Susanne Hochuli nervös, das ist für uns sicher keine schlechte Ausgangslage.

Susanne Hochuli gehört eindeutig zum pragmatischen, eher rechten Flügel der Grünen – und Sie?
Ich zähle mich zum linken Flügel, zu den Melonengrünen – nicht ganz so rot wie Irène Kälin, aber doch klar links.

Dennoch haben Sie ausgerechnet mit SVP-Fraktionschef Jean-Pierre Gallati im Grossen Rat einen Vorstoss gegen E-Voting eingereicht.
Jean-Pierre Gallati ist ein intelligenter Politiker, und ich sehe nicht ein, weshalb ich hier nicht jemand von der SVP dazuholen sollte. E-Voting ist ein reines Prestigeprojekt, und solange bei der Bildung gespart wird, sollte man dafür nicht unnötig Geld ausgeben.

Sie wollen Ausländern und Jugendlichen ab 16 Jahren das Stimmrecht geben – wählen diese Gruppen grün?
Es geht bei diesen Vorstössen überhaupt nicht darum, mögliche Wähler für unsere Partei zu rekrutieren. Ausländer leisten einen wichtigen Beitrag zum Funktionieren der Gesellschaft. Zu sagen haben sie nichts. Das stört mich.

Gegner sagen, die Ausländer können sich ja einbürgern lassen.
Es geht ja nur um das Stimmrecht von Ausländerinnen und Ausländern auf Gemeindeebene. Das würde ja nicht heissen, dass sie die Macht im Land übernehmen. Wer mitbestimmen kann, wird sich eher integrieren.

Mitbestimmung aller Kräfte, das klingt sehr demokratisch – doch gerade Sie wollten kein Co-Präsidium bei den Grünen.
Das hat aber nichts mit Machtansprüchen zu tun. Ich glaube einfach, dass die Absprache über die Zuständigkeiten in einem Co-Präsidium sehr aufwendig und ineffizient wäre.

Daniel Hölzle, neuer Präsident der Grünen Aargau.

Daniel Hölzle, neuer Präsident der Grünen Aargau.

Sandra Ardizzone