Eine Firma auf Achse, bei Sonne, Regen, Schnee und Kälte, vom Oktober bis im Frühling und vom Fricktal bis weit in den Kanton Zürich. Das waren die seismischen Messungen der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung der radioaktiven Abfälle (Nagra). Jetzt liefert das mittelgrosse Unternehmen eindrückliche Zahlen, welche die Dimensionen erst erkennen lassen: «130 Personen waren mit 150 Fahrzeugen – wegen der nötigen Reserven – monatelang unterwegs», sagt Seismik-Projektleiter Philip Birkhäuser von der Nagra. Trotz gefährlicher Arbeit in teils schwierigem Gelände «gab es keine Unfälle, wir haben keinen einzigen Arbeitstag verloren», freut er sich. Das sei auch das Verdienst der ausgezeichneten Organisation durch die deutsche Firma DMT in Essen, die auf solche Messungen spezialisiert ist.

18000 Geofone ausgelegt

Die Reflexionsseismik ist vergleichbar mit dem Echo in den Bergen, nur kommt es aus der Tiefe und bildet die Gesteinsschichten 1000 bis 3000 Meter unter der Oberfläche ab. Ausgelöst wird die Erschütterung durch 22 Tonnen schwere Spezialfahrzeuge, die mit Bodenplatten das Gelände spürbar zum Zittern bringen. Auf 320 Kilometer Länge hat der Trupp 20 vorgegebene Linien abgefahren und 18000 Geofone ausgelegt, um die Daten von 38000 Vibropunkten aufzuzeichnen.

Mit 116000 Mannstunden wird die ganze Arbeitsleistung zusammengefasst – «doch, doch, Frauen waren auch dabei, aber das Team wegen schwerer Arbeit halt stark männerlastig», betont Birkhäuser. Eindrücklich auch die 587650 zurückgelegten Fahrkilometer, die ausreichen würden, um die Erde 14-mal zu umrunden. Eingerechnet sind darin alle 150 Fahrzeuge des Messtrosses. Von den schweren Schüttlern waren immer drei in einer Linie im Einsatz, plus einer in Reserve und einer in Reparatur. In schwierigem Gelände sind die Erschütterungen durch 2000 kleine Sprengungen ausgelöst worden.

Über 99 Prozent Zustimmung

Die ohnehin wegen ihres Auftrags kritisch beäugte Nagra konnte ihre Schüttler nicht nach Lust und Laune schütteln lassen. Über 1700 Grundstückbesitzer mussten einverstanden sein, nur 14 haben die Durchfahrt verweigert. «Diese grosse Zustimmung hat uns sehr gefreut», betont der Projektleiter – aber sie ist auch das Resultat einer professionellen Information und Ankündigung im Voraus. Selbst beim Abstecher nach Deutschland, in die Gemeinde Hohentengen gegenüber Kaiserstuhl, gab es keinen nennenswerten Widerstand. Die Leute wollten zwar wissen, «was die Schweizer denn hier mit ihren Abfällen suchen könnten», aber die Abklärungen wurden nicht behindert.

Neckisches Detail: Weil die tägliche Verzollung der schweren Fahrzeuge zu kompliziert war, wurden in Hohentengen Schüttel-Lastwagen aus Deutschland eingesetzt. Bei den 5000 Häusern entlang der benützten Strassen waren nicht immer alle Bewohner erreichbar. «In ein paar Fällen ist es nicht optimal gelaufen, dann haben wir uns entschuldigt», versichert Philip Birkhäuser. Die Erschütterungen bei den Häusern sind parallel gemessen worden, um Risse und Schäden zu vermeiden.

Auswertung in Hannover

Während der Messungen befand sich der Stützpunkt beim früheren Zementwerk der Holcim in Rekingen. Die rein elektronische Auswertung der Daten durch die Firma DMT erfolgt derzeit in Hannover. «Die machen praktisch die Brillen, damit die Geologen das Wellenfeld scharf sehen und richtig interpretieren können», erklärt Birkhäuser das Vorgehen. Grundlagen waren ja von früheren Messungen schon vorhanden, «jetzt geht es um eine Verdichtung dieses Datennetzes». Die ganze Auswertung ist erneut eine Mammutarbeit, die bis Ende Jahr dauern wird, wie es der Zeitplan vorsieht.

Im Bruttokredit von 16 Millionen Franken ist die Auswertung enthalten, die Eigenleistung der Nagra ebenfalls. Der für die Feldarbeiten zuständige Uwe Köhler lobt das gute Management, die effiziente Qualitätskontrolle und die hohen Sicherheitsstandards.