Vierfachmord Rupperswil

Der Mörder kommt aus dem Dorf: «Wem kann ich noch meine Kinder anvertrauen?»

Düstere Stimmung in Rupperswil

Düstere Stimmung in Rupperswil

Der Schock, dass der Täter inmitten von ihnen wohnte, sitzt bei den Rupperswilern tief. Der Mörder der Familie Schauer kam aus dem eigenen Dorf.

Unglauben, Schock – und gleichzeitig eine riesige Erleichterung. Am Tag, den sie wohl nie mehr vergessen werden, erschüttern Gefühle ganz unterschiedlicher Art die Rupperswiler. Der Täter während Monaten mitten unter ihnen, wer hätte das für möglich gehalten? Klar, dass es vor dem Volg, am Bahnhof und erst recht rund um die Wohnorte von Opfer und Täter nur ein Thema gibt: den Vierfach-Mord und dessen unerwartete Aufklärung.

So reagieren die Rupperswiler auf die Verhaftung Vierfachmörders

So reagieren die Rupperswiler auf die Verhaftung Vierfachmörders

Gebannt verfolgen Carla Schauers Nachbarn die Übertragung der Medienkonferenz. Im Dorf ist man «erleichtert» und «dankbar».

«Das Schlimmste war das Ungewisse», sagt eine Mutter, die in unmittelbarer Nähe des Tatorts wohnt und gerade ihre kleinen Kinder ins Auto setzt. «Und wenn man jetzt hört, dass sich Täter und Opfer nicht mal kannten, wird einem bewusst: Es hätte jeden von uns treffen können», sagt sie und zieht die Kapuze tiefer ins Gesicht. Besonders erschütternd sei, dass der Mann offenbar bereits weitere Taten geplant habe.

«Leute gingen nicht mehr aus»

Es liegt nicht nur am garstigen Wetter, dass die Menschen mit trübem Blick durch die Rupperswiler Strassen gehen. Viele geben einsilbige Antworten oder gehen gar kommentarlos weiter. Die Medienschaffenden, die gestern Nachmittag wie ein Heuschreckenschwarm über die Gemeinde fielen, kommen immer nur dann, wenn es dramatische Nachrichten gegeben hat.
«Als ich erfahren habe, dass der Täter scheinbar aus dem Nichts gekommen ist, hat es mich richtig erschaudert», sagt Nadine. Fast mehr noch als zuvor begleite sie jetzt ein ungutes Gefühl. «Wem kann ich jetzt noch meine Kinder anvertrauen?», fragt sie rhetorisch.

Und doch muss er irgendwie zurückkehren, der Alltag. Ganz wie früher wird er nie mehr sein, zu tief sitzt in der Rupperswiler Seele der Schock über den Mord und die grausige Tatsache, dass der Täter noch monatelang im gleichen Dorf wohnte. Die Aufklärung des Falles dürfte aber doch für eine spürbare Entspannung sorgen. «Es herrschte eine komische Stimmung im Dorf seit der Tat. Ich hatte das Gefühl, dass die Leute gar nicht mehr aus dem Haus gingen», sagt Maria Urbonaviuta. Sie selber habe auch Angst gehabt und schlafe wohl erst ab jetzt wieder besser. «Heute Nachmittag ging ich wieder entspannter auf die Strasse.»

«Wir haben gemerkt, dass wir zu einander schauen müssen»

«Wir haben gemerkt, dass wir zu einander schauen müssen»

Der Rupperswiler Gemeindeammann Rudolf Hediger im Interview nach der Medienkonferenz zum Ermittlungserfolg im Vierfachmord in Rupperswil.

Bald wieder Würfelzucker?

Das Wechselbad der Gefühle kennt keiner so gut wie der höchste Rupperswiler, Gemeindeammann Ruedi Hediger. Gleich nach der Tat im Dezember band ihn die Kantonspolizei in die Ermittlungen ein, seither sei er aber nicht mehr direkt involviert gewesen. Gestern habe er dann erfahren, dass es in seiner Gemeinde eine Hausdurchsuchung im Zusammenhang mit der Tat gegeben habe.

Es werde eine Weile dauern, bis man alles verarbeitet habe. Auch sei es nicht zu verhindern, dass der Name der Gemeinde nun mit dem Mord assoziiert werde. Einen längerfristigen Image-Schaden befürchtet Hediger nicht: «Ich hoffe aber, dass man Rupperswil bald wieder mit dem Würfelzucker in Verbindung bringt!»

Autor

Antonio Fumagalli

Antonio Fumagalli

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