Aargau
Der milde Winter vermiest den Pneuhändlern das Geschäft

Der milde Winter nützt den Marroni-Verkäufern, entlastet die Strassenkassen - und schadet den Garagisten. Viele würden etwa weiter auf ihren abgefahrenen Pneus fahren, sagt ein Garagist.

Josua Bieler
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Viele Autofahrer verzichten wegen des milden Winters auf einen Pneuwechsel.

Viele Autofahrer verzichten wegen des milden Winters auf einen Pneuwechsel.

Nicole Nars-Zimmer

Wer glaubt, die Marroni-Verkäufer hätten aufgrund des warmen Winters schlechtere Verkaufszahlen, täuscht sich. Laut Giovanni Kaufmann, der seinen Marroni-Stand in der Igelweid in Aarau hat, gibt es erst ab plus zehn Grad Umsatzeinbussen. «Die ideale Temperatur für den Marroniverkauf liegt zwischen drei und fünf Grad», so Kaufmann.

Während es im letzten Jahr zu kalt war, stiegen die Temperaturen dieses Jahr häufig über die Idealtemperatur. «Der Umsatz ist etwa gleich geblieben», sagt Kaufmann. Jetzt hofft er auf einen kühlen März zum Saisonabschluss.

So wichtig sind ihm die Verkaufszahlen aber nicht: «Die Unterhaltung mit den Kunden ist ebenso wichtig.» Damit erklärt er sich, dass neunzig Prozent seiner Kunden regelmässig vorbeikommen. Seine Gäste spricht er freundlich und direkt an: «Der Marroni-Verkauf ist ein Du-Geschäft», findet Kaufmann. Deshalb sei er für niemanden Herr Kaufmann, sondern für alle Giovanni.

Einen «durchzogenen Winter» erlebte hingegen Christoph Müller, Geschäftsführer von Pneu Egger in Aarau. Die Hauptaufgabe seiner Firma ist der Reifenhandel. Ab Dezember lief das Geschäft schlechter als normal. Der warme Winter führte dazu, dass viele Autofahrer auf neue Pneus verzichteten.

Das Gesetz schreibt vor, dass die Profiltiefe mindestens 1,6 mm beträgt. «Viele Autolenker fuhren nun den ganzen Winter mit stark abgefahrenen Reifen, die aber immer noch legal sind», erklärt Müller. Bei strengen Wintern wechseln die Kunden freiwillig die verbrauchten Pneus. «Damit sind sie auch bei schwierigen Strassenverhältnissen auf der sicheren Seite», so Müller. Weil der strenge Winter aber ausblieb, stehen in der Autowerkstatt viele bestellte Reifen, die nicht abgeholt wurden. «Das führte zu einer Umsatzeinbusse zwischen 300 000 und 500 000 Franken», schätzt Müller.

Freude herrscht dafür bei den Aargauer Gemeinden. «Der reduzierte Winterdienst entlastet die Strassenkassen», teilte Renate Gautschy, Präsidentin der Gemeindeammännervereinigung im Aargau, auf Anfrage mit. «Die letzten Winter waren überdurchschnittlich streng, die Ausgaben für den Winterdienst höher als erwartet», so Gautschy weiter. Ein milder Winter wie dieses Jahr reiche deshalb noch nicht, um auch die Steuerzahler sofort zu entlasten. «Dazu müssten jetzt auch mehrere warme Winter aufeinanderfolgen», so Gautschy.