Mit 215 statt der erlaubten 120 Stundenkilometer raste Anfang August ein 58-jähriger Deutscher über die Autobahn 1 bei Spreitenbach. Den Führerschein konnte die Kantonspolizei ihm nicht entziehen – er war ohne gültige Papiere unterwegs. Sein Mercedes hingegen wurde beschlagnahmt. Seither steht dieser in einer Garage im Aargau.

Gestern teilte die Aargauer Staatsanwaltschaft mit, dass der Besitzer seinen Mercedes nie mehr zurückerhält. Sie hat nun Anklage erhoben und fordert, das Auto einzuziehen und an den Meistbietenden zu verkaufen. Darüber hinaus beantragt sie eine bedingte 20-monatige Freiheitsstrafe und eine Busse von 4000 Franken. 

Grosser Wirbel in Deutschland

Allerdings dürfte das Fahrzeug nicht allzu viel Geld einbringen. Trotz des hohen Tempos, einen luxuriösen Sportwagen ist der Raser nicht gefahren: «Das beschlagnahmte Auto – Jahrgang 2001, 105 000 Kilometer – hat keinen hohen Wert», sagt Fiona Strebel, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft. Genau beziffern könne sie diesen aber nicht.

Aargau will Auto von deutschem Raser versteigern

Aargau will Auto von deutschem Raser versteigern

Der Fall des deutschen Rasers hat auch in Deutschland für Schlagzeilen gesorgt. Von der «Raserfalle Schweiz» berichtete etwa die Nachrichtenagentur DPA: «Für Strassenrowdys kennen die Eidgenossen keine Gnade.» Das Nachrichtenportal «Spiegel Online» liess seine Leserschaft darüber abstimmen, ob das Schweizer Modell auch für Deutschland eine Option wäre. Mehr als 160 000 Personen nahmen teil. Das Resultat: Über 60 Prozent finden das Schweizer Vorgehen richtig.

Wer als Raser gilt

Auch wenn das Interesse im Nachbarland gross war, der Mercedes war nicht das erste Auto mit deutschem Nummernschild, das im Aargau beschlagnahmt wurde, sagt Fiona Strebel auf Anfrage. Die Beschlagnahmung der Autos von Rasern ist hierzulande seit der Einführung des Verkehrssicherheitsprogramms «Via sicura» 2013 möglich. Auf Autobahnen gilt demnach als Raser, wer die Höchstgeschwindigkeit um mindestens 80 km/h überschreitet. Der Deutsche war nach Abzug des Toleranzwerts gar 88 km/h zu schnell.

Wie oft seither im Aargau Autos wegen massiven Tempoüberschreitungen eingezogen worden sind, ist bei der Staatsanwaltschaft nicht bekannt. Die einzigen Zahlen stammen aus einer Zwischenbilanz vom Sommer 2013: In den ersten sieben Monaten waren im Aargau acht Autos und zwei Motorräder beschlagnahmt worden.