KVA Turgi
Der Konkurrenzkampf um den Aargauer Güsel drückt die Gewinne

Industrie und Gewerbe liefern mehr Abfall, der Kehricht pro Einwohner geht leicht zurück. Trotz Rekordzahlen bestehen weiter gewisse Überkapazitäten. Diese wirken sich auch auf den Preiskampf unter den Kehrichtverbrennungsanlagen aus.

Hans Lüthi
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Ferngesteuert bringt der riesige Greifarm den Kehricht in Turgi vom Bunker in den Ofen. Raphael Hegglin

Ferngesteuert bringt der riesige Greifarm den Kehricht in Turgi vom Bunker in den Ofen. Raphael Hegglin

KVA Buchs: Weniger Hauskehricht dank Sackgebühr

«Bei uns hat der Kehrichtanfall im letzten Jahr um 3 Prozent abgenommen», sagt Geschäftsführer Hans Suter von der KVA Buchs. Hier verbrennt der Gemeindeverband Kehricht Aarau-Lenzburg (Gekal) den Güsel aus dem Westaargau und dem oberen Fricktal. Im Jahr 2013 sind 112 741 Tonnen Kehricht nach Buchs geliefert worden. Der Rückgang beim Hauskehricht um 2,3 Prozent geht fast ausschliesslich auf das Konto von Oberentfelden. Nach Einführung der Sackgebühr lieferte die Gemeinde 1014 Tonnen oder 44 Prozent weniger! Ohne diese Abnahme wäre der Hauskehricht stabil geblieben, obwohl die Zahl der Einwohner im Gebiet um 3501 auf 288 786 Personen gestiegen ist.
Die Fernwärme nahm um 2 Prozent auf 67 Millionen Kilowattstunden zu, die Stromproduktion ging um 6,7 Prozent auf 42 Millionen kWh zurück.
Der Einbau der neuen Ofenlinie führte zu Umstellungen in Buchs. Der Probebetrieb ist abgeschlossen, die Übernahme erfolgt bald. (Lü.)

Erfreulich sind deshalb die Rekordzahlen der Ostaargauer Kehrichtentsorger in der Anlage Turgi. Der hohe Wert des Vorjahres wurde nochmals um 1,4 Prozent oder 1653 Tonnen übertroffen. Die 123 775 Tonnen des Jahres 2013 stellen den alten Rekord aus dem Jahr 2009 in den Schatten.

«Ein wenig Glück war auch dabei, weil dank schneefreier Festtage viele Bauabfälle geliefert werden konnten», sagt Peter Ender, Direktor der KVA Turgi. «Auch 2014 hat gut begonnen», versichert er, stets um volle Auslastung kämpfend, weil das die Wirtschaftlichkeit verbessert.

Stagnation beim Hauskehricht

Aber im Sektor Hauskehricht strebt der Ostaargauer Entsorger kein Wachstum an, im Gegenteil: «Recycling und konsequentes Trennen der Abfälle ist sinnvoll», betont Ender. Mit 36 788 Tonnen ist der Hauskehricht stabil geblieben und macht nur einen Drittel des Gesamtvolumens aus. Rechnet man das Bevölkerungswachstum um 0,7 Prozent ein, hat der Kehricht pro Einwohner um 1,16 Kilo auf 172,7 Kilo abgenommen. Mit diesem leichten Rückgang hat Direktor Ender gerechnet.

Durch die Verbrennung wird die KVA zu einem Wärmekraftwerk, das viel Energie produziert. Wegen des strengen Vorwinters hat der Bedarf an Fernwärme im Siggenthal um fast 10 Prozent zugenommen auf – umgerechnet – 49 Millionen Kilowattstunden (kWh). Deshalb ging auch die Stromproduktion zurück, um 2,2 Prozent auf 67 Millionen kWh.

Lieferpreise weiter gesenkt

Die Rekordmenge an Kehricht führt nicht automatisch zu einem Rekordergebnis. Denn die Lieferpreise und damit die Einnahmen sind um 2,4 Prozent gesunken. «Der Kampf um den Kehricht wird grösser, die zunehmenden Überkapazitäten wirken sich aus», begründet Peter Ender die Lage. Darum ist auch der Cashflow um 1,8 auf 9,9 Millionen Franken gesunken.

Eine gute Finanzlage und Zuversicht für die nächsten Jahre drücken auch die bei der KVA Turgi gesenkten Lieferpreise aus. Sie gingen um 15 Franken pro gelieferte Tonne Kehricht auf 115 Franken für Mitgliedergemeinden zurück und auf 135 Franken für reine Liefergemeinden, die nicht zum Verband gehören.

Direktor Ender hofft darauf, dass der Entsorgung keine neuen Abgaben aufgebürdet werden und die bestehenden nicht massiv steigen. Denn: «Als einziges Land in Europa hat die Schweiz die KVA der CO2-Abgabe unterstellt», betont Ender.

Wenig bekannt ist eine weitere Abgabe, die auf Schlacke und Filterstaub erhoben wird. Die umgerechnet 5 Franken pro Tonne Kehricht speisen den Vasa-Fonds des Bundes zur Sanierung von Altlasten. Aus diesem Fonds bezahlt der Bund 214 Millionen Franken für die Sanierung der Sondermülldeponie Kölliken.