Posstellennetz
Der klassische Postschalter ist auch im Kanton Aargau ein Auslaufmodell

E-Mail und Internetbanking machen der Post Konkurrenz. In den vergangenen dreieinhalb Jahren wurden im Kanton Aargau 21 Poststellen geschlossen und durch so genannte Postagenturen oder Hausservice-Lösungen ersetzt.

Oliver Baumann
Merken
Drucken
Teilen
Gibt es im Aargau immer weniger: Der klassische Postschalter (Archiv)

Gibt es im Aargau immer weniger: Der klassische Postschalter (Archiv)

Keystone

Ende Jahr ist die Poststelle in Uerkheim Geschichte. Einwohner der Gemeinde im Bezirk Zofingen werden ihre Postgeschäfte künftig in der Volg-Filiale an der Hauptstrasse 644 tätigen müssen.

Das Post-Angebot im Aargau

Per 1.9.2012 bietet die Schweizerische Post im Kanton Aargau nach eigenen Angaben 249 Zugangspunkte. Es handelt sich dabei um

• 134 herkömmliche Poststellen
• 48 Postagenturen (46 «normale» Agenturen, 1 Postunternehmer in Herznach und 1 Agentur mit bedienter Posttheke in Aarau)
• 1 bediente Geschäftskundenstelle in Baden-Dättwil
• 60 Hausservice-Lösungen
• 6 reine PickPoststellen (Abholstellen für Pakete und eingeschriebene Briefe, meist an Bahnhöfen)

Quelle: Die Schweizerische Post

In dem Dorfladen betreibt die Post in Zusammenarbeit mit dem Detailhändler ab Januar 2013 eine so genannte Postagentur, in der die Kunden ihre Briefe und Pakete aufgeben und abholen, Briefmarken beziehen, Geld beziehen oder bargeldlose Einzahlungen erledigen können.

Postagentur Agenturen entsprechen dem Prinzip «Post im Laden». Die Post arbeitet mit selbständigen Partnern zusammen, die in ihrem Auftrag das Postgeschäft betreiben. In Frage kommen dafür in erster Linie Detaillisten, aber auch Gemeinden, Tourismusbüros und Bahnen.

Postagentur Agenturen entsprechen dem Prinzip «Post im Laden». Die Post arbeitet mit selbständigen Partnern zusammen, die in ihrem Auftrag das Postgeschäft betreiben. In Frage kommen dafür in erster Linie Detaillisten, aber auch Gemeinden, Tourismusbüros und Bahnen.

Keystone

Ganz ähnlich sieht es in Wohlenschwil aus. Die dortige Poststelle schliesst ebenfalls in absehbarer Zeit ihrer Türen. Voraussichtlich ab Oktober 2013 wird dafür eine Postagentur im Volg an der Hauptstrasse 21 eröffnet.

Keine Einzelfälle

Hausservice Beim Hausservice wird der Postschalter an die Haustür verlegt. Wer ein Postgeschäft erledigen möchte, bringt am Briefkasten ein kleines Schild an, das die Post zur Verfügung stellt. Der Briefträger klingelt dann bei der nächsten Zustelltour, um nach den Wünschen zu fragen.

Hausservice Beim Hausservice wird der Postschalter an die Haustür verlegt. Wer ein Postgeschäft erledigen möchte, bringt am Briefkasten ein kleines Schild an, das die Post zur Verfügung stellt. Der Briefträger klingelt dann bei der nächsten Zustelltour, um nach den Wünschen zu fragen.

Keystone

Hauptgrund für diese Entwicklungen seien die veränderten Lebens- und Kundengewohnheiten, sagt Erich Schmid, Leiter Kommunikation Ost bei der Schweizerischen Post. SMS, E-Mail und Internetbanking würden die herkömmlichen Postdienstleistungen verdrängen. Dies führe zu massiven Mengenrückgängen bei den Poststellen.

Landesweit wurden zwischen 2000 und 2011 59 Prozent weniger Brief- und 43 Prozent Paketgeschäfte getätigt. Im gleichen Zeitraum reduzierten sich die Einzahlungen am klassischen Postschalter um 27 Prozent.

«Unbefriedigende Nutzung»

Gemäss Schmid wirkt sich dies je nach lokalen Verhältnissen sehr unterschiedlich auf eine einzelne Poststelle aus. Allerdings haben auch die Filialen in Uerkheim und Wohlenschwil zuletzt «eine tiefe Anzahl Postgeschäfte» und «eine unbefriedigende Nutzung» aufgewiesen, wie es heisst.

In beiden Fällen bedauern die zuständigen Behörden die Aufhebung der Poststellen. Sie haben sich mit der neuen Lösung aber einverstanden erklärt - nicht zuletzt, weil eine Postagentur im Dorfladen für die Bevölkerung attraktiver ist als die mögliche Alternative: eine Postfiliale mit sehr beschränkten Öffnungszeiten.

Positive Rückmeldungen

«Die Rückmeldungen zeigen uns», sagt Post-Sprecher Schmid, «dass die Postagenturen nach einer gewissen Zeit eine breite Akzeptanz geniessen.»

In einer Umfrage der Post zu Kundenzufriedenheiten aus dem Jahr 2011 erreichten die Postagenturen bei den Privatkunden 75 von 100 Punkten, die Hausservices 79 Punkte - die herkömmlichen Poststellen aber gar 87 Punkte.

Weitere Poststellen betroffen?

Es ist davon auszugehen, dass im Aargau auch in Zukunft weitere herkömmliche Poststellen durch moderne – und gleichzeitig kostengünstigere – Poststellenmodelle, Postagenturen oder Hausservice-Lösungen ersetzt würden.

Die Überprüfung des Poststellennetzes «im Sinne von mehr Kundefreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit» sei entsprechend dem Auftrag des Bundes eine «Daueraufgabe» und erfolge «von Fall zu Fall», sagt Schmid.

Zu laufenden Abklärungen und Gesprächen an einzelnen Standorten will die Post allerdings keine Angaben machen.