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Der Kanton zählt so oder so zu den Lottogewinnern – auch wenn der Glückspilz kein Aargauer ist

Die Lotto-Begeisterung zahlt sich für den Kanton aus – nicht nur, wenn der Glückspilz ein Aargauer ist. Denn über den Swisslosfonds sind auch die Kantone beteiligt.

Manuel Bühlmann
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Wer den Rekordgewinn will, muss die Zahlen auf allen sieben Kugeln richtig voraussagen. Oliver Hochstrasser

Wer den Rekordgewinn will, muss die Zahlen auf allen sieben Kugeln richtig voraussagen. Oliver Hochstrasser

Oliver Hochstrasser

Die Schweiz im Lottofieber: 70 Millionen Franken gab es zu gewinnen – so viel wie noch nie. Schweizweit wurden auf die Mittwochsziehung hin 1,5 Millionen Scheine – zehnmal mehr als normal – abgegeben worden. Auch im Aargau war der Andrang gross. Das zeigt sich besonders beim Kiosk im Wynecenter Buchs – schweizweit auf dem vierten Platz aller Lotto-Verkaufsstellen. Seit Oktober hat sich dort der durchschnittliche Verkauf pro Tag von 100 auf 200 Lottoscheine verdoppelt. Am bisherigen Rekordtag, dem Samstag vor einer Woche, wurden fast 800 ausgefüllte Zettel gezählt.

Mitgefiebert wird auch auf dem kantonalen Steueramt. Leiter Dave Siegrist sagt: «Es würde uns sehr freuen, wenn eine Einwohnerin oder ein Einwohner des Kantons Aargau den Volltreffer nach Hause tragen könnte.» Aus gutem Grund: Dem Wohnkanton des Gewinners winken hohe Steuereinnahmen. Knapp 16 Millionen Franken an Kantons- und Gemeindesteuern wären es bei einer Person mit 100 000 übrigem steuerbarem Einkommen, rechnet Siegrist vor. Dazu kommen rund 8 Millionen Bundessteuer.

Der Trick mit dem Umzug

Doch die regionalen Unterschiede in der Schweiz sind beträchtlich. Das VZ Vermögenszentrum hat die Belastung an Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuern am Beispiel von verheirateten, konfessionslosen Steuerpflichtigen in den Hauptorten aller Kantone durchgerechnet. Ergebnis: Den höchsten Betrag müssten die Genfer (31,4 Millionen), den tiefsten die Jurassier (14,8) aufbringen. Der Aargau liegt mit den 23,9 Millionen in Aarau im Mittelfeld. Allerdings bestehen auch innerhalb des Kantons von Gemeinde zu Gemeinde grosse Unterschiede – am tiefsten wäre die Steuerrechnung für den neuen Lottomillionär in Oberwil-Lieli mit 21,04 Millionen, am höchsten in Schwaderloch mit 26,1 Millionen.

Wer beim Lotto abräumt, wird von Swisslos darauf aufmerksam gemacht, dass ein Wohnsitzwechsel in einen steuergünstigen Kanton gesetzlich erlaubt ist, um Steuern zu sparen. Sven Pfammatter, Geschäftsbereichsleiter beim VZ Vermögenszentrum, sagt denn auch: «Die lukrativste Steueroptimierung ist der Umzug in einen anderen Kanton.» Allerdings wird die Zeit dafür knapp. Stichdatum ist der 31. Dezember. Beim kantonalen Steueramt macht man sich deshalb keine Sorgen, einen möglichen Aargauer Lottogewinner an einen anderen Kanton zu verlieren. Der Grund: Um die Steuern fürs laufende Jahr am neuen Wohnsitz bezahlen zu können, müsse der Lebensmittelpunkt effektiv verschoben werden, sagt Dave Siegrist. «Nur eine Wohnung mieten oder kaufen genügt noch nicht.»

Vermögensberater Pfammatter rät aber nicht nur zum Umzug, sondern auch zum Immobilienkauf: «Wohneigentum ohne Hypothek lohnt sich. Wenn alle Stricke reissen sollten, sind wenigstens die Wohnkosten tief.» Auch nach dem Begleichen der Steuerrechnung und dem Kauf eines Hauses verbleibt noch haufenweise Geld auf dem Konto. Doch was tun damit? Stephan Schurter, unabhängiger Vermögensverwalter der AarauInvest AG, warnt vor voreiligen Entscheiden. Sein Tipp: «Ruhig bleiben, den Gewinn nicht an die grosse Glocke hängen. Die Gefahr von falschen Freunden beruflich wie privat ist gross.» Viele Leute seien von einem hohen Gewinn überfordert. Schurter empfiehlt: «Gemeinsam mit einem Anlageexperten Ziele und Bedürfnisse erarbeiten.» Und: «Das Geld möglichst diversifiziert anlegen, etwa in Obligationen, Aktien oder Immobilien.» Er würde einem Lottomillionär zudem raten, den Gewinn nicht zu verprassen, sondern auch Sinnvolles zu tun – «ein Hilfswerk unterstützen oder ein Hilfswerk gründen».

Fast 700 Lottomillionäre

Wie viele der bislang 698 Lottomillionäre Aargauer sind, ist weder beim Steueramt noch bei Swisslos bekannt. Klar ist: Zuletzt floss im August 2015 ein Millionengewinn in den Aargau. Falls dies mit dem Rekordjackpot nicht der Fall sein wird, geht der Kanton dennoch nicht leer aus. Über den Swisslosfonds sind die Kantone am Umsatz beteiligt – mit 30 Rappen pro erspieltem Franken. 2015 flossen so 34,5 Millionen Franken in den Aargau, die für gemeinnützige Zwecke verwendet werden dürfen. Und dank dem aktuell grassierenden Lottofieber dürfte der Betrag für dieses Jahr deutlich höher ausfallen. Swisslos-Sprecher Willy Mesmer bestätigt diese Einschätzung: «2016 wird ein gutes Jahr und die Kantone dürfen mit mehr Geld rechnen.» Ein schöner Trostpreis, sollte es für den Hauptgewinn nicht reichen.

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