Agglomerationsprogramm

Der Kanton will Stadträume aufwerten – und hofft auf fast 170 Millionen Franken vom Bund

Stadträume wie hier in Brugg sollen aufgewertet werden. So entsteht Spielraum für die Eindeckung des Knotens Neumarkt.

Stadträume wie hier in Brugg sollen aufgewertet werden. So entsteht Spielraum für die Eindeckung des Knotens Neumarkt.

Der Kanton hat die öffentliche Mitwirkung für das Agglomerationsprogramm Aargau-Ost der vierten Generation gestartet. Sie dauert bis 1. November. Es geht dabei insgesamt um 146 Massnahmen inklusive Teilmassnahmen in den Bereichen Siedlung und Verkehr.

Nach der Mitwirkung überarbeitet die Regierung den Entwurf. Sie muss den Bericht dann bis Mitte Juni 2021 beim Bund einreichen. Ziel ist, über dieses Programm eine namhafte finanzielle Beteiligung des Bundes zu bekommen. In den ersten drei Aggloprogrammen beteiligte sich dieser mit 35 bis 40 Prozent. Beim dritten Programm glückte das allerdings nur mit Hilfe der eidgenössischen Räte. Das Verkehrsdepartement wollte das Geld nicht sprechen.

Das neue Programm mit den räumlichen Schwerpunkten Baden, Brugg, Lenzburg, Wohlen und Bremgarten stimmt jetzt «die regionale Siedlungs- und Verkehrsentwicklung aufeinander ab». In der vierten Generation sollen diese fünf Teilräume enger zusammenwachsen.

Grösstes Einzelprojekt: Zentrumsentlastung Brugg

Es ist nicht möglich, hier alle Projekte aufzulisten, die der Aargau in Bern eingeben will. Sie sind in den Berichten des Kantons detailliert aufgeführt, und können auf unserer Website nachgelesen werden. Sticht denn ein Projekt besonders heraus? Carlo Degelo, Leiter der kantonalen Abteilung Verkehr, verweist darauf, dass das Programm Massnahmen mit Realisierungshorizont 2024 bis 2028, und solche für 2028 bis 2032 enthält. Bei ersteren steche keine Einzelmassnahme heraus. Da sind 42 Massnahmen geplant, die meisten in den Bereichen Fuss- und Veloverkehr (11 Massnahmen), Strassenraumgestaltungen (8) und Siedlung (20 – nicht beitragsberechtigt). Im Horizont 2028-2032 steche jedoch die Zentrumsentlastung Brugg mit einem Investitionsvolumen von rund 345 Millionen Franken hervor. «Diese Massnahme wird zur Mitfinanzierung beantragt unter der Voraussetzung, dass sie im Richtplan festgesetzt wird», sagt Degelo. Das Geschäft werde voraussichtlich noch dieses Jahr im Grossen Rat behandelt.

Mit der Zentrumsentlastung will der Kanton eine siedlungsverträgliche Umgestaltung der Strassenräume im Zentrum von Brugg und Windisch ermöglichen und mehr Raum für den Fuss- und Veloverkehr schaffen. Ein Tunnel soll die Kernstädte und auch den Bahnhofplatz vom Durchgangsverkehr aus dem Unteren Aaretal zur Autobahn entlasten. Zwischen dem Einkaufszentrum und dem Bahnhof Brugg/Windisch, wo heute die Transitstrasse durchführt, ist in Zusammenarbeit mit den Betroffenen eine Aufwertung des Stadtraums geplant. So könnte es künftig wie auf der Illustration aussehen. Die finanziell grössten Projekte nebst Brugg sind die Aufwertung der ÖV-Drehscheiben in Lenzburg, Mägenwil, Döttingen und Turgi.

Viele Massnahmen für Fuss- und Veloverkehr

Falls der Kanton das eingibt, was er jetzt auflegt, «gehen wir unter der Annahme einer Beteiligung von 35 Prozent von einem Bundesbeitrag von 18,6 Millionen Franken für Massnahmen im Realisierungszeitraum 2024-2028 und von 150 Millionen Franken für Massnahmen im Realisierungszeitraum 2028-2032 aus», sagt Degelo. Zusammen sind das 168,6 Millionen.

Auf eigene Massnahmen im Bereich Landschaft verzichtet der Kanton in diesem Programm im Sinne einer Schwerpunktsetzung. In der Siedlung legt er den Fokus auf der Entwicklung von Schwerpunktgebieten und deren verkehrlichen Abstimmung. Die Mehrzahl der verkehrlichen Massnahmen betreffen Fuss- und Veloverkehr sowie die Umgestaltung von Strassenraum.

Wie verhindert der Kanton, dass er dasselbe erlebt wie beim dritten Programm? Degelo sagt: «Es wurde in eine verbesserte Umsetzung der Massnahmen der 1. bis 3. Generation investiert. Alle Massnahmen mit kantonaler Federführung wurden durchgekämmt und wo immer möglich beschleunigt.» Zusätzlich habe man darauf geachtet, dass in Absprache mit den Gemeinden nur noch Massnahmen mit einem hohen Planungsstand zur Mitfinanzierung beantragt werden. Gut sei zu wissen, dass «bei ungenügender Umsetzung in der 4. Generation neu 5 Prozentpunkte des Beitragssatzes gekürzt werden», sagt Degelo. Es werde nicht mehr das ganze Programm als ungenügend beurteilt.

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