Flüchtlinge
Der Kanton sucht jetzt eine Halle – denn dort sollen die Ikea-Häuser rein

Es kommt in zwei Kartonschachteln: das «Ikea-Haus». Um es zu entwickeln, hatte das Möbelhaus zusammen mit dem Flüchtlingshilfswerk der UNO eine Stiftung gegründet. Noch im Oktober startet im Aargau ein Test mit den faltbaren 1000-Franken-Häusern.

Mario Fuchs
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In zwei Kartonschachteln wird es geliefert: das «Ikea-Haus». Um es zu entwickeln, hatte das schwedische Möbelhaus zusammen mit dem Flüchtlingshilfswerk der UNO eine gemeinnützige Stiftung gegründet. Im Einsatz steht es bereits im Irak, in Äthiopien oder Syrien – und bald auch im Aargau.

Die Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz hat in den letzten zwei Wochen zwei Ikea-Häuser auf- und wieder abgebaut – zu Testzwecken. Dies berichtete gestern die «Schweiz am Sonntag». «Die Erfahrungen sind positiv», sagte Balz Bruder, Sprecher der zuständigen Regierungsrätin Susanne Hochuli.

Und: «Ein Testlauf unter realen Bedingungen wird in diesem Monat stattfinden.» Verläuft dieser positiv, plant der Kanton, «eine dreistellige Anzahl» zu beschaffen. Einerseits als Ersatz, um jene Flüchtlinge unterzubringen, die noch bis Ende Oktober in Armeezelten wohnen – anderseits als Alternative zu den unterirdischen Unterkünften in Zivilschutzanlagen oder geschützten Operationsstellen.

Auf Nachfrage der az erklärt Balz Bruder, bislang habe man ausschliesslich Auf- und Abbau getestet. «Die Erfahrungen waren so gut, dass wir uns jetzt für einen Testlauf mit einer personellen Belegung entschieden haben.» Dabei wolle man vor allem auch herausfinden, wie man die faltbaren Häuser gut einrichten kann.

Im Original trägt das Ikea-Haus den Namen «Better Shelter» – zu Deutsch: «besserer Unterstand». Man gehe davon aus, sagt Bruder, dass sie zwar wetterfest seien, «aber in unseren Breitengraden eher nicht dafür geeignet, sie monatelang unter winterlichen Bedingungen einzusetzen.» Der Knackpunkt ist die Wärme. Auch ein Shelter muss beheizt werden.

IKEA-Fertighäuser für Asylsuchende

IKEA-Fertighäuser für Asylsuchende

©2015 Erik Hagman: www.erikhagm

Hierfür schwebt dem Kanton eine Lösung im grossen Massstab vor: Um nicht jedes einzelne Ikea-Haus separat beheizen zu müssen, ist das Departement auf der Suche nach grossen beheizbaren Hallen. Darin würden dann mehrere Shelter nebeneinander aufgestellt. «Solche Hallen gibt es auf Kantonsgebiet mehrere», sagt Balz Bruder. Diese wolle man nun prüfen. Die wichtigsten Anschlüsse wie Wasser, Abwasser, Elektro und Heizung müssten vorhanden sein. «Wir gehen nirgendwo rein, wo es keine Anschlüsse hat», sagt Bruder. Konkrete Verhandlungen für eine bestimmte Halle habe man aber noch nicht aufgenommen.

Fünf Asylsuchende finden in einem Shelter Platz, insgesamt 17,5 Quadratmeter stehen ihnen zur Verfügung. Er wiegt nur 100 Kilo und gilt als «temporäre mobile Infrastruktur». In Bauzonen, wo das Wohnen möglich ist, kann er laut Balz Bruder kurzzeitig bewilligungsfrei aufgestellt werden. In anderen Zonen bräuchte es jedoch ein reguläres Baubewilligungsverfahren.

Doch warum testet der Kanton überhaupt eine weitere Alternative zu ungenutzten Gebäuden und Schutzanlagen? «Eine oberirdische Unterbringung hat nach wie vor eklatante Vorteile», sagt Bruder – und meint damit etwa Frischluft und Tageslicht. Zudem sei «unterirdisch nicht per se günstiger». Auch wenn eine Infrastruktur schon bereitstehe, entstünden oft erhebliche Kosten, bis die sanitären und elektrischen Einrichtungen à jour gebracht seien.

Eine andere «temporäre Infrastruktur», die Armeezelte, sind seit dem Sommer in Betrieb. Wie geht es mit ihnen weiter? In Bern, wo seit einigen Wochen ebenfalls Asylsuchende in Zelten leben, beklagen sich einige laut «Schweiz am Sonntag» über die Kälte in der Nacht – trotz Heizung. Sie frören und husteten. Balz Bruder sagt, diese Erfahrungen könne man im Aargau nicht teilen. «Unsere Zelte werden mit Luft aus einer Pelletheizung gewärmt, das funktioniert sehr gut.» Die Temperatur in den Zelten sei «unbedenklich». Wird am Plan, Ende Oktober abzubrechen, dennoch festgehalten? Bruder: «Davon ist auszugehen.» Im Sommer sei die Zeltlösung «gut», im Herbst «zumutbar» – im Winter aber nicht mehr.